Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kiel Earth Institute führt ein Forschungsprojekt zum Fischereimanagement durch

21.06.2010
Vermittler zwischen Wissenschaft, Naturschutz und Fischerei

Bereits 2004 hat Deutschland zehn Meeresschutzgebiete in seiner Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, 12-200 Seemeilen vor der Küste) als „Natura 2000“-Gebiete bei der EU gemeldet. Damit der Naturschutz in diesen Gebieten keine reine Theorie bleibt, ist Deutschland verpflichtet, bis 2013 Pläne zu erarbeiten, die sicherstellen, dass die Schutzziele erreicht werden.

Für die Erarbeitung von Maßnahmen zur ökosystemverträglichen Fischerei in diesen Gebieten hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ein Forschungsprojekt an das interdisziplinär arbeitende Kiel Earth Institute (KEI) vergeben.

Diplomatie ist zwar kein Teil des Biologiestudiums, doch für den Fischereibiologen Dr. Daniel Carstensen (34) wird sie ein wesentlicher Teil seiner zukünftigen Aufgabe sein. Carstensen arbeitet am Kiel Earth Institute (KEI). Dort soll er im Auftrag des BfN und in Zusammenarbeit mit Fischereiforschungsinstituten Maßnahmen für eine ökosystemverträgliche Fischerei in den Natura 2000-Schutzgebieten in Nord- und Ostsee ausarbeiten. „Das klingt zunächst nach Konflikten.

Die Fischerei setzt nicht unbedingt dieselben Schwerpunkte wie der Naturschutz“, sagt Carstensen. „Doch das Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu finden, die einen effektiven Schutz von Arten und Lebensräumen gewährleisten, ohne eine ökosystemgerechte Fischerei in den Gebieten auszuschließen.“

Die Meeresschutzgebiete, um die es in diesem Projekt geht, liegen in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Deutschlands. Das ist das Seegebiet, das sich außerhalb der eigentlichen Hoheitsgewässer (12-Meilen-Zone) bis zu 200 Meilen vor die Küste oder bis zur AWZ eines Nachbarstaates erstreckt. Im Gegensatz zur 12-Meilen-Zone, die von den angrenzenden Bundesländern verwaltet wird, unterliegt die AWZ der Verwaltung des Bundes. Knapp ein Drittel der Gesamtfläche der deutschen AWZ sind 2004 als Natura 2000-Gebiete unter Schutz gestellt worden. Vier Schutzgebiete liegen in der Nordsee, sechs in der Ostsee. „In diesen Gebieten sollen Sandbänke und Riffe, sowie marine Säugetiere, Wanderfischarten und Seevögel geschützt werden“, erklärt Carstensen. „Neben zahlreichen anderen anthropogenen Aktivitäten hat die Fischerei einen wesentlichen, negativen Einfluss auf diese Lebensräume und Arten.“ So pflügen Grundschleppnetze bestimmte Gebiete in der Nordsee stellenweise 20 mal pro Jahr um und zerstören so empfindliche Lebensgemeinschaften am Meeresboden, auf die viele Fische und Seevögel als Nahrung angewiesen sind. In der Ostsee verfangen sich zahlreiche Seevögel und Schweinswale in den hier häufig eingesetzten Stellnetzen. Es gehe aber nicht darum, jegliche Form von Fischerei in den Natura 2000 Gebieten zu verbieten, so Carstensen. „Wir wollen Konzepte entwickeln, die die Umsetzung der Naturschutzziele in den Natura 2000 Gebieten gewährleisten und gleichzeitig soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. Dazu können alternative, ökosystemgerechte Fangmethoden oder räumliche und zeitliche Beschränkungen der Fischerei gehören“, sagt er. Gerade was die Fischereitechnik angeht, hofft er auf aktive Mitarbeit der Betroffenen: „Fischer wissen schließlich am besten, was in der Praxis funktioniert.“

Als Grundlage dient Dr. Daniel Carstensen unter anderem ein bereits abgeschlossenes BfN-Projekt zum „Ökosystemgerechten Fischereimanagement in marinen Schutzgebieten“ (EMPAS), das in Kooperation mit dem Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) durchgeführt wurde. Außerdem stützt er sich auf die wissenschaftliche Fachkompetenz am KEI und am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Eine Arbeitsgruppe des KEI erstellt gegenwärtig für das BfN ein Nachschlagewerk über geschützte Fische, Meeressäugetiere, bodenbewohnende Kleinlebewesen und Lebensräume der Nord- und Ostsee. Federführend dabei sind unter anderem der Fischereibiologe Dr. Rainer Froese und der Ökologe Professor Martin Wahl (beide IFM-GEOMAR).

„Das KEI wurde gegründet, um Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen und ist für dieses Projekt damit der ideale Partner“, so Dr. Christian Pusch, Wissenschaftlicher Angestellter beim BfN.

„Die Aufgabe ist eine große, aber schöne Herausforderung, denn es muss etwas geschehen – im Interesse des Naturschutzes für die Erhaltung von Arten und Lebensräumen sowie im Interesse der Fischer. Denn gerade die Fischerei ist auf intakte Meeresökosysteme und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände angewiesen“, resümiert Dr. Carstensen.

Jan Steffen | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de
http://www.kiel-earth-institute.de
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor
23.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wenn Korallen Plastik fressen
23.05.2018 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics