Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Invasive Pflanzenarten: Frühzeitige Maßnahmen sparen Kosten

26.11.2013
● Bundesamt für Naturschutz veröffentlicht Liste mit 38 invasiven Pflanzenarten

● Vollständige Beseitigung ist größtenteils nicht mehr möglich – BfN prüft Handelsverbote

Im Rahmen eines Forschungsvorhabens des BfN wurden jetzt erstmals in einem standardisierten Verfahren die Auswirkungen der wild lebend vorkommenden gebietsfremden Gefäßpflanzenarten auf die Natur bewertet.

"Ziel der Bewertung war es, eindeutig diejenigen gebietsfremden Arten zu benennen, die eine erhebliche Gefährdung für die biologische Vielfalt darstellen", sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Ergebnis der Studie ist, dass von den rund 430 etablierten gebietsfremden Gefäßpflanzenarten 38 Gefäßpflanzenarten identifiziert werden konnten, die hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Ökosysteme und andere Arten problematisch sind und damit als invasiv gelten. 28 dieser 38 Pflanzenarten haben sich in Deutschland schon großräumig ausgebreitet. „Da es hier für eine vollständige Beseitigung zu spät ist, werden sich die Maßnahmen auf einzelne schützenswerte Bereiche beschränken müssen“, so Beate Jessel.

Zu den bekanntesten Vertretern dieser invasiven Arten gehören der Japan-Staudenknöterich (Fallopia japonica) und die Späte Goldrute (Solidago gigantea), Pflanzen, die in unseren Breiten schon auffallend großflächig das Landschaftsbild prägen. Auch der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) und eine Reihe von Baumarten stehen auf der vom BfN herausgegebenen so genannten Managementliste.

Für diese Arten wird jetzt in einem neuen Forschungsvorhaben des Bundesamtes für Naturschutz geprüft, welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden müssen, um eine weitere Ausbreitung dieser invasiven Arten zu verhindern und die Auswirkungen der Ausbreitung zu vermindern.

Zehn gebietsfremde Gefäßpflanzenarten, die als invasiv einzustufen sind, weisen bisher nur ein oder wenige, zum Teil deutlich voneinander entfernte Vorkommen auf. Ihre aktuelle Verbreitung gilt damit noch als kleinräumig. Diese Arten wurden auf einer Aktionsliste zusammengestellt.

"Diese invasiven Pflanzenarten stehen erst am Anfang ihrer Ausbreitung. Damit besteht die berechtigte Chance, mit relativ geringem Aufwand die Gefährdung der biologischen Vielfalt durch eine vollständige Beseitigung frühzeitig abzuwehren", erläutert die BfN-Präsidentin. Auf der Aktionsliste finden sich zum Beispiel Wasserpflanzen wie der Große Wassernabel (Hydrocotyle ranunculoides) und strauchartige Pflanzen wie der Pontische Rhododendron (Rhododendron ponticum).

Fast ausschließlich sind die invasiven Gefäßpflanzen in Deutschland als Zier- oder Nutzpflanzen eingeführt worden. Oftmals sind sie anschließend aus Gärten und Parks verwildert oder wurden teilweise sogar absichtlich in die freie Natur eingebracht, z.B. durch illegale Entsorgung von Grünschnitt. „Hier sind wir auch auf die Bürgerinnen und Bürger angewiesen: Am besten ist der völlige Verzicht auf invasive Pflanzenarten im Garten und Aquarium, zumal es genügend attraktive Alternativen unter unseren heimischen Arten gibt", so die BfN-Präsidentin. Um die Wiedereinbringung zu verhindern, prüft das BfN, ob ein Einfuhr- und Handelsverbot für die zehn Arten der Aktionsliste eine sinnvolle Vorsorgemaßnahme wäre.

Die Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens sind jetzt in einem BfN-Skript mit der Nummer 352 erschienen.

Hintergrund
Mit dem verstärkten globalen Handel und dem Anstieg des Fernreiseverkehrs werden immer mehr Pflanzen und Tiere absichtlich oder unabsichtlich in neue Gebiete verbracht, die sie auf natürliche Weise nie erreichen könnten. Insbesondere die invasiven Arten unter ihnen stellen dabei durch ihre erhebliche Gefährdung der natürlich vorkommenden Ökosysteme, Biotope oder Arten ein zunehmendes Problem im Naturschutz dar. Im Rahmen der Konvention zur Erhaltung der biologischen Vielfalt haben sich die Vertragsstaaten verpflichtet, Vorsorge gegen invasive Arten zu leisten, sie zu kontrollieren oder zu beseitigen. Vorliegende Erkenntnisse belegen jedoch, dass in Mitteleuropa und speziell in Deutschland immer mehr gebietsfremde Arten in der freien Natur auftreten. Schätzungsweise einige tausend dieser gebietsfremden Arten sind es bereits in Deutschland. Neben etwa 320 gebietsfremden Tierarten konnten sich bislang auch rund 430 gebietsfremde Gefäßpflanzenarten außerhalb besiedelter Bereiche etablieren, weil ihre Ansprüche mit den Standortbedingungen gut übereinstimmen, sie eine bisher dort unbesetzte "Lücke" besetzen oder ihre Fressfeinde fehlen.

Prioritär ist die Vorsorge, damit keine neuen gebietsfremden Arten in unsere freie Natur gelangen. Hierzu bedarf es der Früherkennung und Sofortmaßnahmen, um zu verhindern, dass sich eine invasive Art neu etablieren und ausbreiten kann. Sollte auch das bei einzelnen Arten nicht erfolgreich sein, gilt es, zumindest durch Kontrollmaßnahmen die Auswirkungen der Ausbreitung zu vermindern, wie es auch für die schon seit längerem vorhandenen invasiven Arten gilt.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

22.08.2017 | Physik Astronomie

Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Virus mit Eierschale

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie