Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationale Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Angelfischerei veröffentlicht

19.10.2012
Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) hat umfangreiche Leitlinien und Handlungsempfehlungen für eine verantwortungsvolle Angelfischerei auf globaler Ebene vorgelegt.

Das 194-seitige Werk hat das Potential, sich zu einem Standardwerk für eine nachhaltige Angelfischerei zu entwickeln. Es ist insbesondere an Entscheidungsträger in Behörden, Verwaltung und Nichtregierungsorganisationen adressiert.

In vielen Regionen der Welt ist die Angelfischerei eine wichtige Freizeitbeschäftigung und wesentliche Nutzungsform wildlebender Fischbestände. Sie ist in vielen Ländern und Gewässerökosystemen Hauptnutzer von Wildfischbeständen, insbesondere in Binnengewässern und in vielen Küstenbereichen der Industrienationen. Rund zehn Prozent der Weltbevölkerung in Industrienationen und Schwellenländern geht während der Freizeit auf Fischfang.

Allein in Europa, Nordamerika und Ozeanien angeln 140 Millionen Menschen zu Hobbyzwecken. Die Ausgaben der Angler nähren einen ganzen Wirtschaftszweig. In vielen Ländern, so auch in den Binnengewässern Deutschlands, erwirtschaftet die Angelfischerei bereits höhere Umsätze und schafft mehr Arbeitsplätze als die kommerzielle Fischerei oder die Aquakultur. Ihre Bedeutung steigt auch in vielen Schwellenländern kontinuierlich an. Zweifellos nimmt dann auch die Notwendigkeit zu, die Angelfischerei nachhaltig zu gestalten.

Der nun publizierte Leitfaden für verantwortungsvolle Angelfischerei (engl. Technical Guidelines for Responsible Fisheries: Recreational Fisheries) ist in einem umfangreichen internationalen Beratungs- und Beteiligungsprozess durch die FAO unter Federführung von Prof. Dr. Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der Humboldt-Universität zu Berlin in Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Kooperationspartnern entwickelt worden. Das Werk übersetzt die wichtigsten Empfehlungen des FAO-Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei aus dem Jahr 1995 in spezifische Vorschläge zur nachhaltigen Entwicklung der Freizeitfischerei. Die nun vorliegende Publikation wendet sich insbesondere an Entscheidungsträger in der Fischereipolitik, im Fischereimanagement, an Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und an die Anglergemeinschaft, hat aber nur Empfehlungscharakter.

Das monografische Werk würdigt eingangs den enormen Nutzen der Angelfischerei für die Gesellschaft in ökologischer, sozio-ökonomischer und sozio-kultureller Hinsicht. Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung der Angelfischerei für den Erhalt der aquatischen Biodiversität, der Lebensräume gefährdeter Arten sowie gesamter Gewässersysteme. Es wird empfohlen, die Interessen der Angelfischerei stets bei allen Managemententscheidungen einzubeziehen, die aquatische Ökosysteme, Küstenzonen oder Einzugsgebiete in Binnengewässern betreffen.

Leider ist dies in Deutschland nicht immer der Fall, u.a. weil die Angelfischerei eine geringe sozial-politische Wertschätzung genießt. Darüber hinaus wird in den FAO-Richtlinien gefordert, die möglichen ökologischen Einflüsse der Angelfischerei durch zielorientierte Bewirtschaftungsmethoden zu managen und dabei den spezifischen Zielen der Angelfischerei Rechnung zu tragen. In der Tat unterscheiden sich Bewirtschaftungsziele in der Erwerbs- und Angelfischerei stark. Aus diesem Grunde müssen sich auch die Bewirtschaftungsmethoden beider Fischereiformen unterscheiden.

Während beispielsweise die Bewirtschaftung der Erwerbsfischerei auf möglichst hohe Fischernten ausgerichtet ist, sind in der Angelfischerei sowohl der Fischfang als auch die Größe der gefangenen Fische von Bedeutung. Aus den unterschiedlichen Zielen begründen sich differenzierte Managementansätze.

Die Nachhaltigkeit der Angelfischerei verlangt Ökosystem-orientiertes Fischereimanagement, die Umsetzung des Vorsorgeansatzes und adaptives Management auf Basis strukturierter Entscheidungsfindungsprozesse und quantifizierbarer Ziele. Damit verbunden sind die Notwendigkeit des verstärkten Schutzes großer Laichfische und ein bewusster Umgang mit traditionellen Fischbesatzmaßnahmen. Natürlich erfordern die unterschiedlich ausgeprägten Verwaltungs- und Managementsysteme in verschiedenen Ländern fischerei- und regionsspezifische Lösungen, die durch das global ausgerichtete Dokument nur bedingt vorformuliert werden können. Daher sind zur Umsetzung der aufgeführten Empfehlungen Regierungen, Verwaltungen und Nichtregierungsorganisationen aufgerufen, die Rahmenbedingungen für eine zielorientierte Bewirtschaftung der Angelfischerei zu schaffen und entsprechende Verwaltungs- und Managementstrukturen aufzubauen.

Insbesondere in einigen Schwellenländern ist diese Forderung mangels Finanzierungsmöglichkeiten ein vielfach ungelöstes Problem. In Deutschland übernehmen Angelvereine und –verbände häufig sehr erfolgreich die Bewirtschaftungsaufgaben und entlasten so die Landeshaushalte.

Die Erstellung der Richtlinie für eine nachhaltige Fischerei ist auf Initiative der FAO zurückzuführen. Zwanzig nationale und internationale Vertreter aus Fischereiforschung, Politik und verschiedenen Nichtregierungsorganisationen berieten vom 5. bis 6. August 2011 in Berlin am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei über erste Entwürfe.

Die Handlungsrichtlinien wurden maßgeblich von Prof. Dr. Robert Arlinghaus (IGB und Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Steven Cooke (Carleton Universität, Kanada) und Prof. Dr. Brett Johnson (Colorado State Universität, USA) verfasst. Anlass für die Erstellung der Richtlinien war der durch einige FAO-Mitgliedsstaaten artikulierte Bedarf an einer Orientierungshilfe zu Umgang und Management der Hobbyfischerei, die zunehmend als wichtige und teilweise bereits dominierende Fischereiform in natürlichen Gewässern akzeptiert wird. Die FAO-Richtlinie zur Angelfischerei ist bisher nur in englischer Sprache verfügbar, Deutsch gehört leider nicht zu den Amtssprachen der Vereinten Nationen.

QUELLE
Food and Agricultural Organization of the United Nation. 2012. FAO Technical Guidelines for Responsible Fisheries: Recreational Fisheries. No. 13. Rome. 194 pp. www.fao.org/docrep/016/i2708e/i2708e00.pdf oder www.besatz-fisch.de
KONTAKT
Prof. Dr. Robert Arlinghaus
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei
Abteilung Biologie und Ökologie der Fische
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
arlinghaus@igb-berlin.de

Gesine Wiemer | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.igb-berlin.de/
http://www.igb-berlin.de/mitarbeitende-igb.html?show=211
http://www.besatz-fisch.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heimcomputer entdecken rekordverdächtiges Pulsar-Neutronenstern-System

08.12.2016 | Physik Astronomie

Siliziumsolarzelle des ISFH erzielt 25% Wirkungsgrad mit passivierenden POLO Kontakten

08.12.2016 | Energie und Elektrotechnik

Oberleitungs-LKW: Option für einen umweltverträglichen Güterverkehr?

08.12.2016 | Verkehr Logistik