Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Giftige Gewässer

27.02.2012
Forschungsergebnisse im Bereich Human- und Umwelttoxikologie der Universität Konstanz weisen den Zusammenhang von Erwärmung und vermehrter Toxizität von Blaualgen nach

Immer wieder müssen Seen oder Küsten gesperrt werden, weil sich Giftstoffe produzierende Blaualgen auf den Gewässern ausgebreitet haben. Prof. Dr. Daniel Dietrich hat in seiner Arbeitsgruppe für Human- und Umwelttoxikologie an der Universität Konstanz untersucht, wie sich eine Klimaerwärmung auf das Wachstum von Blaualgen auswirken kann.

Bei Laborversuchen mit Blaualgenproben aus der Arktis und Antarktis ergab sich, dass bei einer Erhöhung der Temperatur die Diversität der verschiedenen Blaualgenarten zurückgeht, gleichzeitig aber mehr toxische Stoffe produziert werden. Ein Ziel der Forschung von Daniel Dietrich ist die Prognostizierbarkeit von Blaualgenwachstum in Gewässern und damit die Beratung hinsichtlich von Eingriffsmöglichkeiten durch den Menschen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der aktuellen Ausgabe des Online-Journals „Natur Climate Change“ erschienen (http://www.nature.com/nclimate/index.html).

Ein bedeutender Teil der Forschung in der Arbeitsgruppe Human und Umwelttoxikologie von Daniel Dietrich betrifft die Arktis und Antarktis. Blaualgen, auch als Cyanobakterien bekannt, aus diesen Erdregionen kommen in relativ einfachen Ökosystemen vor und sind daher für Versuche eher geeignet als die in den hoch komplizierten Ökosystemen unserer Breitengrade. In der Arktis und Antarktis wachsen die Blaualgen in bis zu einem halben Meter dicken Matten. Im Labor an der Universität Konstanz wurde ihr Verhalten bei Temperaturen von null, vier, acht, sechzehn und vierundzwanzig Grad untersucht. „Von den Temperaturen in unseren Versuchen über acht Grad sind wir in den Polarregionen natürlich weit entfernt. Wir wollten im Labor die Entwicklung der Erderwärmung beschleunigen und Extreme setzen“, erklärt Daniel Dietrich das Vorgehen. Als ein Ergebnis dieser Exposition ergab sich ein Rückgang der Vielfalt innerhalb der verschiedenen Arten von Cyanobakterien und somit eine Artenverarmung. Gleichzeitig haben die Arten, die Giftstoffe produzieren, zugenommen. Sei es, dass sich die Microcystin produzierenden Arten bei höherer Temperatur besser halten können, sei es, dass giftige Arten, die sich bei niedrigeren Temperaturen nicht optimal entwickeln, mit der Temperaturerhöhung einen Wachstumsschub erfahren.

„Das würde bedeuten, dass wir bei einer Temperaturerhöhung von zwei bis drei Grad einen Selektionsdruck zugunsten toxischer Blaualgenarten erzeugen würden. Wenn man das in die Zukunft weiterdenkt und sich dies auf unsere Breitengrade übertragen lässt, könnte ein vermehrtes Wachstum toxischer Blaualgen auch beispielsweise Probleme mit der Trinkwasserversorgung bringen“, so die Überlegungen des Toxikologen.

In der Gegenwart behandelt Daniel Dietrich Anfragen von Behörden und Gemeinden, die bei ihm Rat suchen, was im Fall eines Sees zu unternehmen ist, in dem die Blaualgen Überhand genommen haben. Handelt es sich um einen einmaligen Vorgang oder muss in Renaturierungsmaßnahmen oder Ähnliches investiert werden, um eine Wiederholung zu verhindern? Die Forschung des Biologen zielt darauf ab, künftig Antworten auf solche Fragen liefern zu können.

Originalveröffentlichung: Julia Kleinteich, Susanna A. Wood, Frithjof C. Küpper, Antonio Camacho, Antonio Quesada, Tancred Frickey, and Daniel R. Dietrich: Temperature-related changes in polar cyanobacterial mat diversity and toxin production. Nature Climate Change, 2 (2012).

Hinweis an die Redaktionen:
Ein Foto von Prof. Dr. Daniel Dietrich kann im Folgenden heruntergeladen werden:
http://www.pi.uni-konstanz.de/2012/026-Dietrich.jpg
Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: 07531 / 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de
Prof. Dr. Daniel Dietrich
Universität Konstanz
AG Human- und Umwelttoxikologie
Fachbereich Biologie
Jacob-Burckhardt-Strasse 25
78457 Konstanz
Telefon: 07531 / 88-3518
E-Mail: Daniel.Dietrich@uni-konstanz.de

Julia Wandt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-konstanz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie