Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Flachkopfkatze: Ein weiteres Opfer der Zerstörung der tropischen Regenwälder

17.03.2010
Die kleinste südostasiatische Katze ist stark vom Aussterben bedroht.

Fast 70 Prozent des Gebietes, das historisch gesehen gute Lebensräume für die Flachkopfkatze (Prionailurus planiceps) bot, ist bereits in Plantagen, z. B. für die Produktion von Palmöl, umgewandelt worden.


Die Flachkopfkatze hat Schwimmhäute an ihren Pfoten und ist eine der kleinsten Raubkatzenarten. Foto: Andreas Wilting

Schlimmer noch ist der Fakt, dass die verbleibenden Lebensräume der seltenen Raubkatze hochgradig zersplittert sind. Nur 16 Prozent der für die Wildkatze verbleibenden Habitate stehen unter vollständigem Schutz nach den Richtlinien der Internationalen Naturschutzorganisation IUCN. Das liegt daran, dass sich die meisten Nationalparks in Südostasien im Hochland befinden, in Regionen in denen die Flachkopfkatze mit ihrer Spezialisierung auf Flachlandregenwälder und sumpfige Torfwälder nicht überleben kann.

Diese Forschungsergebnisse, publiziert in der online Fachzeitschrift "Public Library of Science (PLoS) ONE", wurden von einem internationalen Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Andreas Wilting aus dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin erarbeitet.

Die Flachkopfkatze, mit nur 1,5 bis 2,0 Kilogramm eine der kleinsten Raubkatzenarten, hat Schwimmhäute an ihren Pfoten, was als eine einzigartige Anpassung zur Jagd von Fischen und Krabben in Sumpfgebieten gilt. Sie ist eine der seltensten Wildkatzenarten und aufgrund ihrer zurückgezogenen Lebensweise ist bis heute fast nichts über sie bekannt. Sie kommt nur in tropischen Flachlandregenwäldern in Südthailand, West- und Ost-Malaysia, Brunei und Indonesien (Kalimantan und Sumatra) vor.

"Wir haben versucht, alle vereinzelten Informationen über diese seltene Wildkatzenart zusammenzutragen. Das hat uns gezeigt, dass sie ausschließlich in Flachlandregenwäldern, sumpfigen Torfwäldern oder Mangroven in der Nähe von Süßwasserquellen vorkommt. Mit den gesammelten Daten haben wir ein Computermodell entwickelt, um die historische und heutige Verteilung vorherzusagen. Als nächste Schritte für den erfolgreichen Schutz der Flachkopfkatze müssen wir mehr Informationen über ihre Ökologie sammeln, und vor allem die verbleibenden Lebensräume (Habitate) schützen. Aus diesem Grund haben wir anhand unseres Computermodells 19 zentrale Gebiete bestimmt, die für das Überleben dieser Art von besonders großer Wichtigkeit sind", sagt Andreas Wilting vom IZW.

Die Tropen Südostasiens vereinigen zwei Superlative: die höchste Arten-Diversität und die höchste Abholzungsrate von Regenwäldern weltweit. Der Schutz dieser Lebensräume ist grundlegend für den Fortbestand der Artenvielfalt (Biodiveristät) auf dieser Welt.

Wilting hofft, dass die charismatische Flachkopfkatze als Flaggschiff-Art dienen kann, als Botschafterin für den Schutz der hoch bedrohten Flachlandregionen und Sumpfwälder Südostasiens. Außerdem könnte sie mit ihrer Spezialisierung auf Feuchtgebiete ein Symbol für die Renaturierung von Flüssen und der anliegenden Wälder werden. Die Flachkopfkatze steht hier stellvertretend für eine Gruppe von bedrohten Tierarten, die auf diese Flachland-Feuchtgebietslebensräume angewiesen sind, wie z. B. die seltene Otterzivette oder der hoch bedrohte Haarnasenotter.

"Das Überleben dieser Arten und Lebensräume hängt von sofortigen Naturschutzmaßnahmen ab. Was jetzt gebraucht wird, ist die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft bestehend aus Regierungen, unabhängigen Organisationen und lokalen Interessengruppen. Nur mit gemeinsamer Anstrengung können die extrem bedrohte Flachkopfkatze und viele weitere bedrohte Raubtiere in der Region erhalten werden", so Wilting.

Quelle:
Andreas Wilting, Anna Cord, Andrew J. Hearn, Deike Hesse, Azlan Mohamed, Carl Traeholdt, Susan M. Cheyne, Sunarto Sunarto, Mohd-Azlan Jayasilan, Joanna Ross, Aurélie C. Shapiro, Anthony Sebastian, Stefan Dech, Christine Breitenmoser, Jim Sanderson, J. W. Duckworth, Heribert Hofer: Modelling the species distribution of flat-headed cats (Prionailurus planiceps), an endangered South-East Asian small felid. PLoS ONE: (aktiv nach Embargo)

http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0009612.

Informationen & Fotos:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildttierforschung (IZW)
Im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
Deutschland
Andreas Wilting, 0049 30 5168 619, wilting@izw-berlin.de
Steven Seet, 0049 30 5168 108, seet@izw-berlin.de

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops