Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erdgaslager wird zum CO2-Friedhof

20.01.2009
Lagerung in 3.500 Meter Tiefe als Beitrag zum Klimaschutz

Statt in der Atmosphäre das Erdklima weiter zu erhitzen, könnte das Treibhausgas CO2 in Zukunft tief in der Erde gelagert werden.

Ein Forschungsprojekt am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) untersucht derzeit erstmals, ob sich leere Erdgaslager mehr als drei Kilometer unter dem Erdboden als Stätten für unterirdische CO2-Speicherung eignen. Im Pilotversuch werden etwa 100.000 Tonnen des Gases aus den Abgasen eines Kraftwerks in den Lagerstätten nahe der Altmärker Stadt Salzwedel gelagert, aus denen bisher das Erdgas Methan gewonnen wurde. Im Anschluss wird beobachtet, wie sich das CO2 unter der Erde verhält.

"Mittels einer neuen Technik wird dazu erstmals CO2 aus einem Kraftwerk abgeschieden, für den Lastwagentransport verflüssigt und an der Lagerstätte für das Einpumpen wieder gasförmig gemacht", so Michael Kühn, der GFZ-Projektkoordinator, im pressetext-Interview. Unter der Erde sei eine chemische Reaktion des CO2 mit dem Gestein zu erwarten, wodurch langsam Kalk entstehe. "Diese Kalkbildung ist gut und garantiert eine langfristige Lagerung." Dass dabei auch unkontrolliert CO2 entweichen könnte, hält Kühn nicht für wahrscheinlich.

"Die Dichtigkeit der Lagerstätten hat sich in den Mio. von Jahren der Gaslagerung bewiesen. Dennoch müssen wir beobachten, ob die Verschlüsse der Bohrlöcher früherer Gasförderungen dem Kohlenstoff standhalten." Selbst bei Entweichen der gelagerten Abgase sei das Risiko laut Kühn jedoch gering und beschränke sich finanziell auf die für Transport und Einpumpen aufgewendeten Finanzmittel. "Der Beitrag zum Klimaschutz wird in diesem Fall eben nicht erreicht", so der Potsdamer Geochemiker.

Die Menge an CO2, die sich durch unterirdische Lagerung binden ließe, ist in Deutschland beschränkt. "Unsere Gaslagerstätten erlauben insgesamt etwa die Speicherung von 500 Mio. Tonnen CO2, was die Ausstöße von zwei mittleren Kraftwerken über deren gesamte Lebensdauer entspricht", erklärt Kühn. Dennoch sei die beabsichtigte Speicherung für die Ökologie sinnvoll und unter Berücksichtigung des Handels mit Emissionszertifikaten auch wirtschaftlich effizient. Als positiver zweiter Effekt könne das Einpumpen von CO2 zusätzlich die Gewinnung des noch in den Lagerstätten verbleibenden Erdgases erleichtern. "Gaslagerstätten, die bereits seit längerem ausgebeutet werden, haben nur noch geringen Förderdruck, der durch CO2 erhöht werden kann", so Kühn.

Im April soll erstmals CO2 in die Gaslagerstätte eingepumpt und auf sein Verhalten unter Tag überprüft werden. "Erweist sich die Lagerung als erfolgreich, kann sie in Ländern mit höheren Gasspeicherkapazitäten umgesetzt werden", hebt Kühn abschließend die globale Bedeutung des Pilotversuchs hervor.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie