Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektroschrott ist Gold wert: Hamburger Abfallexpertin sucht nach Recyclingwegen für Edelmetalle

09.08.2011
Im Abfall befinden sich wahre Schätze. Ausrangierte Mobiltelefone sind Gold wert. 300 Gramm des edelsten aller Metalle stecken in jeder Tonne Handy-Schrott.

Kerstin Kuchta, neue Professorin an der TU Hamburg, forscht am Institut für Umwelt- und Energiewirtschaft nach Verfahren, mit denen Gold und andere Metalle gewinnbringender recycelt werden können. Bislang lassen sich aus dem Elektro-Schrott, der täglich weltweit in Tonnen anfällt, höchstens ein Viertel der verborgenen Edelmetalle gewinnen.

„Viel zu wenig in ressourcenschonenden Zeiten“, meint Kuchta. „Beim derzeitigen Goldpreis müssen wir herausholen, was geht. Wir können es uns nicht leisten, Gold wegzuwerfen.“ Viel besser sei es, das recycelte Edelmetall wieder in den Produktionsprozess zu bringen. Ein Goldring aus recycelten Handys, warum nicht! Die promovierte Ingenieurin forscht seit Mai am neuen Lehrstuhl für Abfallressourcenwirtschaft der TUHH auf diesem Gebiet der Abfallverwertung.

Zwei Verfahren stehen zurzeit im Labor zur Verfügung. Die „kalte“ Aufbereitung. Dabei wird der Elektro-Schrott zunächst geschreddert, und anschließend werden die Metalle mit mechanischen Verfahren vom Kunststoff getrennt. Beim „heißen“ Verfahren wird der Kunststoff aus dem Schrott in mehreren Stufen bei Temperaturen bis zu 2000 Grad Celsius verbrannt. Zurück bleiben Metalle, die getrennt und je nach Güte weiter verwertet werden – könnten. Denn noch funktioniert all dies nur im Labor. Was fehlt, ist die großtechnische Umsetzung. Genau daran arbeitet Kuchta.

Frühestens in fünf Jahren, so hofft sie, wird es industrielle Verfahren geben, um zum Beispiel aus Handys das Gold und generell aus Elektro-Schrott andere wertvolle Metalle zu lösen. „Bis dahin werden wir sicher auch ein ganz anderes Problem gelöst haben“, sagt Kuchta. Handy-Besitzer trennen sich offensichtlich höchst ungern von ihren Geräten. „Deshalb fehlt auf dem Recycling-Markt noch die kritische Masse“, sagt Kuchta.

Fast so wertvoll wie Gold und vor allem genauso relevant für die Industrie ist Neodym: Das seltene Erdmetall ist wesentlicher Bestandteil von Dauermagneten. Die weltweite Nachfrage, vor allem für die Herstellung von elektrischen Produkten sowie von Technik im Bereich der erneuerbaren Energien wird nach Einschätzung Kuchtas das Angebot in wenigen Jahren übersteigen. Umso wichtiger sind Verfahren zum Recycling von Neodym. Auch diese befinden sich noch in der Entwicklung.

Kuchta studierte an der TU Berlin Technischen Umweltschutz, arbeitete danach als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Darmstadt im Fachbereich Bauingenieurwesen bevor sie bei der Ingenieurgemeinschaft Technischer Umweltschutz GmbH (ITU) in Berlin und in Dieburg sowie als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei der Mess- und Prüfstelle Technischer Umweltschutz GmbH in Berlin Praxiserfahrungen sammelte. 1999 gründete die gebürtige Hamburgerin gemeinsam mit ihrem Vater die kuchtagroup umwelt & management GmbH, die seitdem Dienstleistungen für das Abfallmanagement und Umweltmanagement anbietet. 2002 kehrte die Wissenschaftlerin in ihre Heimatstadt zurück, wo sie bis zur Rufannahme an die TUHH als Hochschullehrerin am Lehrstuhl für Umweltmanagement der Hochschule für Angewandte Wissenschaften arbeitete.

Als Gründungsdekanin der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät war Kuchta von 2008 bis 2010 an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty. In Istanbul hielt sie an der Bosporus-Universität 2006 und 2008 im Rahmen von Summer-Schools Vorträge über „Abwasser und erneuerbare Energien“. Ihre Kontakte zu beiden Universitäten will Kuchta jetzt wieder aufnehmen. „Die Abfallressourcenwirtschaft ist ein globales Thema“, sagt sie. Für das Recycling und die Produktion von Metallen gelten in Kasachstan und Türkei die gleichen Regeln wie in Europa. Auch China sei hier ein interessanter Markt.

Kerstin Kuchta ist Mitglied der Expertengruppe des Umweltbundesamtes für Elektronikschrott-Recycling, und sie gehört dem Wissenschaftlichen Beirat der Umwelthauptstadt 2011 (Green Capital) sowie dem Kuratorium der Entsorgergemeinschaft der Deutschen Entsorgungswirtschaft e.V. an

Für Rückfragen:

Technische Universität Hamburg-Harburg
Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft
Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kuchta
Tel.: 040 / 42878-3054
E-Mail: kuchta@tuhh.de
Technische Universität Hamburg-Harburg
Pressestelle
Jutta Katharina Werner
Tel. 040 /42878-4321
E-Mail: j.werner@tuhh.de

Jutta Katharina Werner | idw
Weitere Informationen:
http://www.tuhh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops