Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Deponie ist keine Endstation

02.08.2016

Die Rohstoffe, die wir nutzen, verbrennen oder deponieren sind nicht verloren. Ein europäisches Expertennetzwerk arbeitet an Konzepten, aus der sogenannten „Anthroposphäre“ Rohstoffe zurückzugewinnen.

Von Sand und Kies im Beton bis zu Goldkontakten im Computerchip – die Rohstoffe, die wir verwenden, sind endlich. Sie werden abgebaut, verarbeitet, genutzt und irgendwann weggeworfen. Doch je größer die Rohstoffmengen werden, die wir aus der Erde (der Geosphäre) in unseren Einflussbereich (die Anthroposphäre) verschieben, umso interessanter wird die Frage, ob nicht die Anthroposphäre selbst zur zukünftigen Rohstoffquelle wird.


Rohstoffkarte Wien als Bestandteil einer nationalen Rohstoffstrategie – Mineralische Rohstoffe (z.B. Beton, Ziegel, Mörtel) im Wiener Gebäudepark.

Fritz Kleemann (TU Wien)

Statt ausschließlich auf primäre Rohstoffquellen zu setzen und die Materialien aus der Erde zu holen, soll man in Zukunft auch anthropogene Quellen nutzen - Deponien, Halden oder auch abgerissene Gebäude. Ein europäisches Expertennetzwerk (COST Aktion), geleitet von der TU Wien, soll nun untersuchen, wie das gelingen kann. Entscheidend ist, Information über die anthropogenen Rohstoffquellen zu sammeln und aufzubereiten, damit sie in Zukunft genauso wirtschaftlich bewertet und vorausschauend beurteilt werden wie Goldminen oder Erdölfelder.

Erheben, klassifizieren, bewerten

„Für die natürlichen Rohstoffvorkommen gibt es ein gut etabliertes Berichtswesen“, sagt Ulrich Kral vom Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft, TU Wien. „Jeder Minenbesitzer muss abschätzen, welche Rohstoffmenge ihm noch zur Verfügung steht, und wie viel davon auf wirtschaftlich gewinnbringende Weise abgebaut werden kann.“ Ob und wie man anthropogene Ressourcen auf ähnliche Weise klassifizieren und bewerten kann, ist bisher noch nicht geklärt. Dabei wären Richtlinien wichtig, um beurteilen zu können, ob es ökologisch und wirtschaftlich sinnvoller ist, Primärrohstoffe abzubauen, oder Sekundärrohstoffe aus nicht mehr benötigten Produkten und Gütern zurückzugewinnen.

Diese Lücke soll nun die COST Aktion „Mining the European Anthroposphere“ schließen. Die TU Wien - Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft - hat das Projekt initiiert, Ulrich Kral ist wissenschaftlicher Projektleiter, insgesamt arbeiten Forschungsteams über 20 europäischen Staaten an dem Projekt.

„Unser Hauptaugenmerk liegt auf drei Fallstudien“, erklärt Ulrich Kral. „Wir beschäftigen uns mit Ressourcen, die in Gebäuden verbaut sind, mit Mülldeponien und mit festen Rückständen aus der Müllverbrennung – drei ganz unterschiedliche anthropogene Quellen. Daher ist diese Kombination wissenschaftlich besonders interessant.“ Aus den Erfahrungen soll eine robuste Methode zur Klassifizierung von anthropogenen Rohstoffen entwickelt werden, die auf internationaler Ebene im Einklang mit den Vorgaben der Vereinten Nationen steht.

Wenn Häuser abgerissen werden, kann man allerlei wertvolles Material wiederverwenden: Gestein und Schutt kann man für andere, neue Gebäude nutzen, aber auch Bauholz, Metall oder Fensterglas lassen sich wiederverwerten. „Man kann Landkarten erstellen, aus denen ersichtlich ist, welcher Rohstoff wo in welchem Ausmaß enthalten ist“, sagt Kral. „So kann man dann zum Beispiel auf einen Blick erkennen, wo in Wien große Mengen Kupfer verbaut sind und ob damit zu rechnen ist, dass dieses Kupfer in den nächsten Jahrzehnten zurückgewonnen werden kann.“

Auch Deponien müssen keine Rohstoff-Endstation sein. Sie können wertvolle Metalle enthalten, andere Bestandteile lassen sich verbrennen, um Energie zu gewinnen. „Und selbst die Rückstände der Müllverbrennung können noch genutzt werden“, erklärt Jakob Lederer. In manchen europäischen Ländern werden sie im Straßen- und Deponiebau als Kiesersatz eingesetzt und es können noch Metalle zurückgewonnen werden.

International forschen: Das COST-Programm

Das COST-Rahmenprogramm der EU fördert die europäische Vernetzung nationaler wissenschaftlicher Forschungsprojekte. Das ist gerade für die Forschung an anthropogenen Ressourcen besonders wichtig – schließlich sollen langfristig europäische Konzepte und Regeln für den Umgang mit unseren Rohstoffen erarbeitet werden. Das COST-Programm legt nicht nur auf Internationalität besonderen Wert, sondern auch auf die Förderung der jüngeren Generation in der Forschung und auf Förderung von Frauen. Gestartet wurde das Projekt „Mining the European Anthroposphere“ im März 2016 und ist auf 4 Jahre ausgelegt.

An der TU Wien wird seit Jahren mit Erfolg an diesem Thema geforscht – das COST-Projekt geht aus dem CD-Labor „Anthropogene Ressourcen“ hervor, das unter Leitung von Johann Fellner ebenfalls am Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft angesiedelt ist.

Graphikdownload: http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2016/deponie

Rückfragehinweis:
Dr. Ulrich Kral
Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13, 1040 Wien
T: +43-1-58801-22655
ulrich.kral@tuwien.ac.at

Aussender:
Technische Universität Wien
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Operngasse 11, 1040 Wien
T.: +43-1-58801-41022
pr@tuwien.ac.at

Energy & Environment ist – neben Computational Science & Engineering, Quantum Physics & Quantum Technologies, Materials & Matter sowie Information & Communication Technology – einer von fünf Forschungsschwerpunkten der Technischen Universität Wien. Geforscht wird an der Erschließung neuer Energiequellen, der Versorgung mit Energie sowie deren Speicherung und effiziente Nutzung. Das technische Know how wird durch Expertise in den Bereichen Klima, Umwelt, Wirtschaft und Rohstoffe erweitert.

TU Wien - Mitglied der TU Austria
www.tuaustria.at

Dr. Florian Aigner | Technische Universität Wien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften