Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biodiversität: Tod einer Pflanzenart löst Lawine aus

29.10.2010
Erste Komplettanalyse des Ökosystems Wiese veröffentlicht

Verschwindet eine Pflanze aus einem Ökosystem, löst sie damit eine ganze Lawine des Artensterbens aus. Das berichtet ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Agrarökologen der Universitäten Jena und Göttingen in der Zeitschrift "Nature".

In einem aufwändigen Versuch, dem achtjährigen "Jena-Experiment", nahmen sie das Ökosystem Wiese unter die Lupe. "Erstmals konnte gezeigt werden, dass auf den Verlust einer Pflanzenart schneeballartig andere Arten verschwinden, was am Ende das gesamte Ökosystem destabilisieren kann", berichtet Studienautor Christoph Scherber im pressetext-Interview.

Ohne Klee weniger Vögel

Was das konkret bedeutet, zeigt Scherber am Beispiel der Kleepflanzen. "Klee kann Luftstickstoff sehr gut fixieren und dient damit vielen Fresstieren als Nahrungsressource. Verschwindet er in einer Wiese, verändert das sprunghaft das Nahrungssystem. Einerseits bleiben dadurch Bestäuber wie etwa Bienen oder Hummeln fern, jedoch auch Fresstiere wie kleine Rüsselkäfer. Fehlen die, so finden deren Räuber wie etwa Schlupfwespen keine Nahrung mehr." Logische Folge sei, dass in Folge auch Vögel betroffen sind, die sonst Wespen fressen, wenngleich dies den Rahmen des Experiments sprengte.

Die selben Auswirkungen hat das Aussterben einer Art jedoch auch für das unterirdische Leben. "Auch Lebewesen, die an den Wurzeln knabbern, müssen daran glauben. Das geht hin bis zu den kleinsten Fadenwürmern", so der Experte. Denkbar sei, dass derartige Prozesse auch die Bodenfruchtbarkeit mitbestimmt. Diese Darstellung der Folgen des Artenverlustes "in einem Guss" ist laut Scherber weltweit erstmals gelungen.

Vielfalt schützt vor ungebetenen Gästen

Ebenso wie der Verlust von Wiesenpflanzenarten das gesamte Ökosystem Wiese beschädigt, bringt ihr Erhalt fast immer große Vorteile für andere Organismen. Nicht nur der Blütenbesuch bleibt erhalten, sondern es wird auch das Gedeihen von Unkräutern oder der Pilzbefall unterdrückt. Zudem bremst die Vielfalt neu eindringende Arten aus, da alle ökologischen Nischen bereits besetzt sind. "Deutlich zeige sich, dass der entscheidende Faktor nicht die Biomasse der Pflanzen ist, die man durch Dünger erhöhen könnte, sondern die Menge der Pflanzenarten", so Scherber.

Die Forscher konnten dadurch auch erstmals nachweisen, dass der Artenverlust nicht zuerst die Spitze der Nahrungskette betrifft, sondern deren Grundlage. Die Lawine des Biodiversitäts-Verlustes verläuft demnach von oben nach unten. Die Ergebnisse erlauben auch Annahmen über andere Ökosystemen. "Das sind in den gemäßigten Breiten etwa der Lebensraum Wald, für den die Zahl der Baumarten einen wichtigen Ausschlag gibt, jedoch auch Systeme in Seen und im Meer wie etwa Korallenriffe", so der Göttinger Agrarökologe.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
http://www.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Artenverlust Biodiversität Fadenwürmer Pflanzenart Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Die Zerschneidung der Tropenwälder steigert den Ausstoß von Treibhausgasen um weiteres Drittel
30.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE