Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Ergebnisse zu regionalen Klimaänderungen in Deutschland

29.01.2007
Klimaprojektionen erleichtern die Anpassung an den Klimawandel

Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnte es in Deutschland wegen des Klimawandels insgesamt merklich wärmer werden. Dies zeigen erste Ergebnisse eines Klimamodells der Firma Climate & Environment Consulting Potsdam GmbH (CEC) zur regionalen Klimamodellierung im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA): Bis zum Ende des Jahrhunderts ergeben die Modellrechnungen - gegenüber den Jahren 1961 bis 1990 - einen Anstieg der Temperaturen zwischen 1,8 und 2,3 Grad Celsius.

Die stärkste Erwärmung könnte es im Norden Deutschlands (außerhalb des Küstenbereichs) sowie in den Voralpen geben. Bei den Niederschlägen ergibt sich ein weniger einheitliches Bild. Die regionalen Unterschiede dürften hier groß sein: Beispielsweise errechneten die Forscherinnen und Forscher für das ohnehin schon trockene norddeutsche Tiefland bis zu 50 Prozent weniger Niederschläge. In den Gebirgsregionen dürften dagegen vor allem im Winter die Niederschläge im Mittel zunehmen. Der Präsident des Umweltbundesamtes, Prof. Dr. Andreas Troge: "Die Modellrechnungen verdeutlichen, was mit dem Klimawandel auf uns zu kommen dürfte. Das hilft uns dabei, uns rechtzeitig auf diese unabwendbaren Folgen einzustellen."

Mit den nun vorliegenden Klimaprojektionen des Modells WETTREG (Wetterlagen-basierte Regionalisierungsmethode) lässt sich besser einschätzen, wie sich der Klimawandel in Deutschland regional auswirken kann und welche Regionen besonders betroffen sein könnten. Klimamodelle liefern jedoch keine Vorhersagen über das Klima der Zukunft. Klimamodelle stellen nur mögliche Klimaentwicklungen dar und geben so Aufschluss über Risiken der regionalen Klimaentwicklung.

Für die WETTREG-Modellrechnungen legten die Potsdamer Forscherinnen und Forscher zwei verschiedene Szenarien für die künftig möglichen, überwiegend vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen zugrunde: Ein erstes "höheres Emissionsszenario" geht - unter anderem - von einer global orientierten Entwicklung mit starkem Wirtschaftswachstum und einer weiteren Nutzung der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas aus. Gleichzeitig steigt in diesem Szenario der Anteil klimafreundlicher, erneuerbarer Energien - wie Biomasse, Wind- und Wasserkraft sowie Geothermie. Das zweite, "niedrige Emissionsszenario" beruht - unter anderem - auf einer verstärkten Einführung emissionsarmer und Ressourcen schonender Techniken. Auch das "niederigere Emissionssenario" wäre jedoch nicht geeignet, abrupte Klimaänderungen und drohende unumkehrbare Klimafolgen zu verhindern.

Auf Basis beider Emissionsszenarien ergibt das Klimamodell WETTREG deutlich höhere Tagesmitteltemperaturwerte in Deutschland bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Das höhere Emissionsszenario zeigt für die Jahre 2071 bis 2100 einen über ganz Deutschland gemittelten Temperaturanstieg von 2,3 Grad Celsius gegenüber den Jahren 1961 bis 1990. Beim niedrigeren Emissionsszenario steigen die Temperaturwerte im Mittel noch um 1,8 Grad Celsius. Die stärkste Erwärmung erwarten die Forscherinnen und Forscher im gesamten Norden Deutschlands - mit Ausnahme der Küstenregionen - und im Voralpenraum. Eine geringere Erwärmung zeigt sich an der Nord- und Ostseeküste, in den zentralen Mittelgebirgen und im Osten Bayerns.

Für die Niederschläge weisen die WETTREG-Projektionen für beide Emissionszenarien regional gegenläufige Tendenzen im Sommer und Winter auf: Im Sommer nehmen die Niederschläge deutschlandweit im Mittel um 22 Prozent (höheres Emissionsszenario) oder um 17 Prozent (niedrigeres Emissionsszenario) ab. Den stärksten Rückgang der sommerlichen Niederschläge zeigen die Berechnungen für das nordostdeutsche Tiefland: nach dem höheren Emissionsszenario um bis zu 50 Prozent. Zudem ermittelte WETTREG für diese Region auch eine unterdurchschnittliche Zunahme der mittleren Niederschläge im Winter.

Im Winter nehmen die mittleren Niederschläge deutschlandweit um 30 Prozent (höheres Emissionsszenario) oder um 19 Prozent (niedrigeres Emissionsszenario) zu. Hiervon sind besonders die Gebirgsregionen betroffen. Das höhere Emissionsszenario zeigt maximale Zunahmen von bis zu 80 Prozent im Bereich von Eifel und Hunsrück. Auch für den Odenwald, den Spessart, die Rhön und Unterfranken steigen die Niederschläge stellenweise um über 70 Prozent.

Das UBA hält es auf der Grundlage der neuen Erkenntnisse für dringend erforderlich, eine bundesweite und fachlich fundierte Diskussion - quer über alle wirtschaftlichen Sektoren hinweg - zu den Auswirkungen des Klimawandels und den Anpassungsmöglichkeiten zu führen. Die im Oktober 2006 von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gestartete Vorbereitung einer "Deutschen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel" bietet hierfür eine gute Plattform.

Mehr Informationen enthält das Hintergrundpapier "Neue Ergebnisse zu regionalen Klimaänderungen - Das statistische Regionalisierungsmodell WETTREG" unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/Regionale-Klimaaenderungen.pdf.

Die vollständige Studie "Neuentwicklung von regional hoch aufgelösten Wetterlagen für Deutschland und Bereitstellung regionaler Klimaszenarien mit dem Regionalisierungsmodell WETTREG 2005 auf der Basis von globalen Klimasimulationen mit ECHAM5/MPI - OM T63L31 2010 bis 2100 für die SRES - Szenarien B1, A1B und A2" ist unter www.umweltbundesamt.de/klimaschutz erhältlich.

Martin Ittershagen | idw
Weitere Informationen:
http://www.umweltbundesamt.de/klimaschutz
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/Regionale-Klimaaenderungen.pdf

Weitere Berichte zu: Klimamodell Klimawandel Klimaänderung Niederschlag

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik