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"Dringender Appell" an Länder: durch Gesetze Alleen im Bestand nicht gefährden

17.11.2006
Mit einem "dringenden Appell" an die obersten Straßenbaubehörden der Länder, durch Gesetze die Entwicklung von Alleen an Straßen nicht "erheblich zu erschweren", ging heute in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück eine Alleen-Fachtagung zu Ende.

Alleenschutzgemeinschaft (ASG), Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) und Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (FLL) machten sich in einer Resolution massiv dafür stark, die in den "Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume" (ESAB) vorgesehenen Abstandswerte zu verringern.

Die sehen für Pflanzungen an Landstraßen mindestens viereinhalb Meter Abstand von Bäumen zum Straßenrand vor, obwohl die angrenzenden Flächen häufig nur bis maximal drei Meter dem jeweiligen Land gehörten. Eigentumsrechtliche Gründe würden dann dazu führen, dass die Länder Alleebäume voraussichtlich kaum nachpflanzen könnten.

"Erstmalig haben namhafte Experten aus Denkmalpflege, Naturschutz, Landschaftsarchitektur, Biologie, Baumpflege, Geschichte, Recht, Städtebau, Tourismus und Verkehr alle Sichtweisen interdisziplinären Wissens über Alleen gebündelt und im Dialog diskutiert", hebt DBU-Pressesprecher Franz-Georg Elpers die Bedeutung der von der weltweit größten Umweltstiftung geförderten Tagung hervor. In Deutschland sind zwölf Prozent der überörtlichen Straßenkilometer - das entspricht 23.200 Kilometern - von Alleen gesäumt, davon etwa 18.000 Kilometer in den ostdeutschen Bundesländern. "Die im Vorfeld dieser Tagung erstmalig vorgenommene Bestandsaufnahme zeigt, dass diese Alleen durch Straßenbau, Abgase, Streusalz, Krankheiten und falsche Behandlung vor allem durch Überalterung der Bäume stark gefährdet sind", weiß ASG-Vorsitzender Ingo Lehmann. Gemeinsam mit Dr. Michael Rohde, Gartendirektor der SPSG, hatte Lehmann in der Buchdokumentation "Alleen in Deutschland" 50 Experten zu Wort kommen lassen.

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Bedenklich sei, dass die ESAB zur Vernachlässigung oder gar Verhinderung von Neu- und Nachpflanzungen führten. Sollten die verbindlich umgesetzt werden, seien aufwändige, zeitraubende und kostenintensive Grundstücksverhandlungen die Folge. Mit der Resolution sei vor allem ein Appell an die nordrhein-westfälische Landesregierung -Trägerin der landesweiten so genannten "100- Alleen-Initiative" - verbunden, die ESAB nicht als Richtlinie für Landesstraßen einzuführen und damit dem Alleenschutz auch langfristig zum Erfolg zu verhelfen.

Die Experten der DBU-Tagung forderten einen Bewusstseinswandel, denn dem nationalen Kulturerbe Alleen drohe eine deutliche Marginalisierung und schließlich gar Verlust. Maßnahmen zu Schutz und nachhaltiger Pflege der Alleen seien deshalb heute dringlicher denn je. Das während der Tagung vorgestellte DBU-Förderprojekt "Pflege und Unterhalt der historischen Alleen in Schleswig-Holstein" habe etwa ganz neue Erkenntnisse zur naturschutzfachlichen Wertigkeit von Alleen ergeben.

"Alleen gehören zu unserem Kontinent wie zu keinem anderen. Sie sind Teil unserer europäischen Kulturgeschichte", unterstrich Rohde dieses Anliegen. Es müsse allerdings mehr über die Bedeutungsvielfalt und Lebensgrundlagen von Alleebäumen aufgeklärt werden, um Schutz und Pflege zu verbessern. Dazu sei es auch notwendig, Alleenbestände zu aktualisieren und zu bewerten. Rohde zeigte sich zuversichtlich: "Die DBU als Tagungsort zu diesem identitätsstiftenden Thema ist ideal: Hier werden Synergien zwischen Kulturgüter- und Naturschutz strategisch gebündelt. Dass der entscheidende Impuls zum Umdenken mit dem Ziel des Alleenschutzes und -erhalts von diesem Ort ausgeht, ist ein hoffnungsvoll stimmendes Zeichen für die Zukunft der Alleen in Deutschland".

Franz-Georg Elpers | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel26061_106.html

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