Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fressen und Gefressen werden: Bringt der Globale Wandel die aquatischen Ökosysteme aus dem Gleichgewicht?

16.11.2006
Wissenschaftler diskutieren vom 14.-16. November auf einem Workshop in Kiel die ersten Ergebnisse des DFG Schwerpunktprogramms AQUASHIFT. Das Projekt, das sich mit den Auswirkungen des zu erwartenden Klimawandels auf aquatische Ökosysteme beschäftigt, wird vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) koordiniert. Zwei Jahre nach Projektbeginn wurde kürzlich eine zweite Förderphase mit einem Volumen von etwa 4.3 Mio. Euro bewilligt.

Klimawandel im Jahr 2030: Der Winter in der Ostsee war wieder mal sehr mild, statt Schnee und Eis gab es viel Regen und milde Temperaturen. Im Februar, wenn die Wassertemperaturen wieder steigen, springt auch die biologische Produktionsmaschinerie wieder an. Winziges Zooplankton, z.B. die Nauplius-Larven der Copepoden (Ruderfußkrebse) schlüpfen in großen Massen. Ihnen fehlt jedoch das Futter, die einzelligen Algen des Phytoplanktons.

Diese können nämlich noch nicht wachsen, weil ihnen so früh im Jahr das Licht fehlt. Die Nauplius-Larven verhungern innerhalb weniger Tage. Wenn wenige Wochen später die Heringslarven zu fressen beginnen, fehlen ihnen die Nauplius-Larven. Da sie andere Nahrung nicht fressen können, bricht bei ihnen die "Hungersnot" aus. Im Extremfall kann ein ganzer Heringsjahrgang ausfallen.

Wird so ein Szenario Wirklichkeit? Verschiebt die globale Erwärmung Nahrungsangebot und Nachfrage in aquatischen Ökosystemen?

... mehr zu:
»Biologie »IFM-GEOMAR »Ökosystem

Antworten darauf soll das DFG Schwerpunktprogramm AQUASHIFT geben, in dem rund 100 Wissenschaftler aus 17 Standorten in ganz Deutschland die Reaktion aquatischer Ökosysteme auf den prognostizierten Klimawandel zu analysieren. Es werden dabei alle Typen von Gewässern (Meere - Seen - Flüsse) und alle Gruppen von Wasserorganismen erfasst (Plankton - Benthos (Bodenbewohner) - Fische). Besonderes Gewicht wird auf die Verschiebung jahreszeitlicher Aktivitäts- und Wachstumsmuster gelegt und daraus resultierende Konsequenzen für das Gesamtökosystem.

Zwei Jahre nach Beginn des DFG Schwerpunktprogramm AQUASHIFT diskutieren etwa 100 Wissenschaftler vom 14.-16. November auf einem Workshop in Kiel erste Ergebnisse. Projektkoordinator Prof. Ulrich Sommer vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel: "Für abschließende Beurteilungen ist es sicher noch zu früh, denn die aquatischen Nahrungsnetze weisen eine hohe Komplexität auf. Erste Studien zeigen, dass insbesondere Systeme, die durch andere Faktoren, wie Überfischung oder Umweltverschmutzung schon gestört und belastet sind, durch die Klimaveränderungen aus dem Gleichgewicht geraten können". "Die Veränderung, die wir in den kommenden Jahrzehnten erwarten, läuft für die aquatischen Ökosysteme so rasch ab, dass sie zu wenig Zeit haben, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen", so Sommer weiter.

In einer zweiten Phase des Projektes, mit einem Gesamtfördervolumen von ca 4.3 Mio. Euro sollen die vor zwei Jahren begonnen Untersuchungen bis zum Jahr 2008 weitergeführt und intensiviert werden.

Projektpartner in AQUASHIFT sind:

Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR, Kiel (Gesamtkoordination); Inst. f. Biochemie und Biologie, Univ. Potsdam; GKSS, Geestacht; Institut für Ostseeforschung, Warnemünde; Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven und Helgoland; Institut für Hydrobiologie, Univ. Dresden; Inst. f. Biologie II. Univ. Leipzig; Neunzehnhain Ökologische Station, TU Dresden; Inst. f. Zoophysiologie, Univ. Münster; Inst. f. Zoologie, Abt. Ökologie, Univ. Mainz; Forschungsstelle Bad Saarow, TU Cottbus; Inst. f. Geoökologie, TU Braunschweig; Zoologisches Institut, Univ. Köln; Inst. f. Hydrobiologie Univ. Hamburg; Leibniz-Institut Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin; Potsdam-Institut f. Klimafolgenforschung; MPI für Marine Mikrobiologie, Bremen; Abt. Biologie II, Aquat. Ökologie, Univ. München; Inst. für Botanik, Univ. Köln; Limnologisches Inst., Uni Konstanz; Abt. für Ökologie und Entwicklung, Inst. f. Zoophysiologie, Univ. Münster; Inst. f. Evolution, Univ. Münster; Institut für Chemie und Biologie des Meeres, Univ. Oldenburg.

Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich Sommer (IFM-GEOMAR), Tel.: 0431-600-4400, usommer@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (IFM-GEOMAR), Tel.: 0431-600-2801, avillwock@ifm-geomar.de (Öffentlichkeitsarbeit).

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=1985

Weitere Berichte zu: Biologie IFM-GEOMAR Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Online-Karten: Schweinswale und Seevögel in Nord- und Ostsee
15.12.2017 | Bundesamt für Naturschutz

nachricht Wie Brände die Tundra langfristig verändern
12.12.2017 | Gesellschaft für Ökologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik