Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gießener Forscher auf der Spur von Medikamenten in Abwässern

20.10.2006
Mit der Reinigung von Abwässern, die durch Arzneimittel belastet sind, befasst sich ein gemeinsames Forschungsprojekt der FH Gießen-Friedberg und der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt dieses Vorhaben mit rund 600.000 Euro.

Die Leitung hat Prof. Dr. Markus Röhricht vom Labor für Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung der FH. Er kooperiert dabei mit Privatdozent Dr. Rolf-Alexander Düring vom Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement der JLU Gießen. An dem Forschungsprojekt beteiligen sich auch Unternehmen aus Langgöns, Diez und Heppenheim.

Rund 3000 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe gibt es in der EU. Davon werden einzelne Gruppen allein in Deutschland in Mengen bis zu mehreren Tonnen pro Jahr verabreicht. Die Patienten scheiden diese Wirkstoffe zum Teil unverändert aus. Sie gelangen mit dem Abwasser zur Kläranlage, wo sie größtenteils nur unzureichend entfernt werden. So dringen sie in Oberflächengewässer ein und können auch den Weg ins Grundwasser finden. Ebenso erreichen z. B. Reinigungsmittel und ihre Zusatzstoffe Oberflächen- und Grundwässer. Auch im Trinkwasser werden Spuren dieser Chemikalien gefunden. Über das Ausmaß schädlicher Auswirkungen für Mensch und Natur ist bislang noch wenig bekannt.

Zurzeit laufen Bestrebungen, die Kontamination unserer Umwelt bereits an der Quelle, d. h. bei der Produktion und Verbreitung dieser Chemikalien, zu minimieren. Dieser so genannte "Produktionsintegrierte Umweltschutz" ist jedoch bei Medikamenten nicht einfach möglich. Es läßt sich nicht verhindern, dass ein mehr oder weniger großer Teil der in Arzneimitteln enthaltenen Wirkstoffe den menschlichen Körper wieder verlässt. Voruntersuchungen der Universität Gießen haben am Beispiel des Antiepileptikums Carbamazepin gezeigt, dass sich ca. 8 Prozent des verschriebenen Medikamentes im Abwasser wiederfinden.

Da konventionelle Kläranlagen kaum in der Lage sind, diese nur im Spurenbereich (Nanogramm) vorhandenen umweltschädlichen Verbindungen zurückzuhalten, müssen neue Abwasserreinigungsverfahren entwickelt werden. Im Rahmen des vom BMBF geförderten dreijährigen Forschungsprojekts soll deshalb vergleichend untersucht werden, inwieweit innovative Reinigungsmethoden in der Lage sind, Arzneimittel und andere Spurenstoffe aus dem Abwasser zu entfernen. Hierbei soll neben kommunalem auch Abwasser von Krankenhäusern berücksichtigt werden. Besonders schwierig ist der Nachweis dieser Substanzen im Spurenbereich, da sie noch in einer Konzentration von nur wenigen Nanogramm pro Liter nachgewiesen werden müssen. Dieser Gehalt entspricht ungefähr der Zuckerkonzentration, die entstehen würde, wenn man ein Stück Würfelzucker (2,7 g) in einer mittelgroßen Talsperre (2,7 Milliarden Liter Wasser) auflöste. Hochschuldozent Dr. Rolf-Alexander Düring bringt deshalb seine langjährige Erfahrung in der Spurenanalytik in das Projekt ein. Prof. Dr. Markus Röhricht übernimmt die verfahrenstechnische Optimierung der Reinigungsanlagen und die Koordination des Vorhabens.

Die neuen Verfahren könnten als zusätzliche Reinigungsstufe hinter die schon bestehenden Kläranlagen geschaltet werden. Die technischen Entwicklungen leisten drei spezialisierte kleine und mittelständische Unternehmen: die Weise Water Systems GmbH & Co KG (Membranbelebungsverfahren und Nanofiltration), die EMW filtertechnik GmbH (trägerfixierte Biomasse) und die UVitt GmbH (UV-Oxidation).

Ziel ist es nicht nur, die Verfahren zum Rückhalt von Arzneimitteln und anderer Alltagschemikalien zu entwickeln, sondern auch, die zusätzlichen Kosten pro Kubikmeter Abwasser möglichst gering zu halten.

Christel Lauterbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/

Weitere Berichte zu: Abwasser Arzneimittel Kläranlage Medikament

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Versauerung: Wie der Klimawandel die Süßgewässer belastet
12.01.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Tote Bäume haben zahlreiche und treue Begleiter
10.01.2018 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie