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"Unberührbare" sollen den Hauch einer ökologischen Zukunft spüren

13.09.2006
Zu wenig Regen, ausgelaugte, zu trockene, versalzene und mit Pestiziden verseuchte Böden, ein drastischer Rückgang von Flora und Fauna: Die Bauern im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh sind in Not! Doch jetzt keimt Hoffnung auf Hilfe.

Mit 125.000 Euro der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) will terre des hommes den Menschen neue Perspektiven bieten. "Nur wenn wir dort ökonomische, ökologische und soziale Aspekte in Einklang bringen, können wir die starke Landflucht, die Zunahme von Kinderarbeit, die extreme Verschuldung der Bauern und einen starken Anstieg der Selbstmordrate in den Griff bekommen," betonte heute DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde bei der Übergabe des Bewilligungsschreibens an den Geschäftsführenden Vorstand von terre des hommes, Peter Mucke.

Das Projekt ziele darauf ab, in 16 Dörfern in den Trockengebieten die kleinbäuerliche Landwirtschaft besser an die spezifischen ökologischen Bedingungen anzupassen und die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu schonen, betonte Mucke. Dazu müssten Landwirte weitergebildet und konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Ein Bauernverband für alle 600 Kleinbauern der Region solle gegründet werden und regelmäßig die Themen Wasserhaushalt/Erosionsschutz, Methoden der Wasserkonservierung, angepasste Vegetation und Feldwirtschaft, Düngemittel/Pflanzenschutz sowie Methoden zum Ressourcenschutz auf Haushalts- und Dorfebene beackern. Mucke: "Rund 400 Hektar verödetes Ackerland sollen wiederbelebt, mindestens 30 Prozent mehr Ertrag ein- und mindestens 50 Prozent weniger Pestizide ausgebracht werden."

Nach dem Vorbild einer Nationalparkwacht solle ein Aufsichts- und Kontrollsystems zum Bodenschutz aufgebaut werden. Brandschutzprogramme sollten eingerichtet, Vegetationsgürteln durch Anpflanzen von Nutzbäumen, Sträuchern und Hecken angelegt werden. Eine Baumschule solle errichtet, auf organischen Pflanzenschutz geachtet werden. Der Nährstoffhaushalt des Bodens solle über organische Dünger verbessert, die Instandsetzung traditioneller Bewässerungsanlagen vorangetrieben werden.

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Die Bevölkerung solle in die Lage versetzt werden, gegenüber den lokalen staatlichen Stellen ihre Vorstellungen zur nachhaltigen regionalen Entwicklung zu formulieren, Fehlentwicklungen zu benennen und bestehende staatliche Förderangebote selbstständig zu nutzen. Brickwedde: "Die Menschen sollen ihre Zukunft selbst aktiv planen und mitgestalten können." Dies um so mehr, als es sich bei den Kleinbauern zum größten Teil um die sogenannten Unberührbaren handele, die unter den jetzigen Bedingungen aufgrund von Unkenntnis, mangelndem Organisationsgrad und geringem Status ohne Hilfe von außen keine Verbesserung der Situation herbeiführen könnten.

Zum Aufbau funktionsfähiger Strukturen würden, so Mucke, in den 16 Dörfern Gemeindeorganisationen mit unterschiedlichen Interessenschwerpunkten gegründet. Dazu werde jeweils ein Steuerungskomitee etabliert, für das regelmäßige Qualifizierungsveranstaltungen durchgeführt würden. Deren Mitglieder sollten ihre allgemeinen organisatorischen Kenntnisse einschließlich Planungs- und Buchhaltungsmethoden optimieren, aber auch ihre spezifischen Kenntnisse etwa in der ökologischen Landwirtschaft.

Franz-Georg Elpers | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/press/artikel1211.html

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