Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefahr für "Bioland", "Demeter" und Co.? Geplante EU-Öko-Verordnung droht hohe Qualitätsstandards zu verwässern

03.05.2006


Die geplante EU-Öko-Verordnung schade der Biobranche und schwäche den Verbraucherschutz. Zu diesem Ergebnis kommen führende Repräsentanten des deutschen Ökosektors im Rahmen des Forschungsprojektes zur Evaluation des Europäischen Aktionsplans für ökologischen Landbau (ORGAP). Kern der Befürchtung ist, dass hochwertige Qualitätssiegel schon bald vom Markt verschwinden könnten. "Die Freiheit, Labels zu entwickeln, die über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen, darf nicht eingeschränkt werden", fordert Prof. Dr. Stephan Dabbert, Mitglied des Forschungsprojektes und Agrarwissenschaftler an der Universität Hohenheim.



Wer in seinem heimischen Supermarkt einkaufen ist, kann feststellen, dass die Produkte mit der Kennzeichnung BIO den Sprung von der muffigen Regalecke zum beliebten Vorzeigeprodukt geschafft haben. Die vertrauensfördernde Ressource dieser Lebensmittel sind dabei Zertifikate, die dem Verbraucher klar definierte Ökostandards garantieren.

... mehr zu:
»EU-Öko-Verordnung »Label


"Dabei gibt es Labels wie das staatliche deutsche Biosiegel, das einen Mindeststandard garantiert oder Premium-Gütesiegel von privatwirtschaftlichen Organisationen mit besonders strengen Auflagen, wie "Demeter" oder Bioland", fasst Agrarexperte Prof. Dr. Stephan Dabbert von der Universität Hohenheim zusammen. Bisher wurden diese Logos privatwirtschaftlich entwickelt und vergeben. Diese Praxis habe für Verbraucher und Produzenten Vorteile gehabt: "Verbraucher konnten sich für besonders hochwertige Produkte entscheiden, Produzenten konnten den Markt aufteilen und höhere Preise verlangen."

Das soll sich nach dem Willen der Europäischen Kommission ändern: Diese hat einen Entwurf einer neuen EU-Öko-Verordnung vorgelegt. Laut Prof. Dr. Dabbert handelt es sich dabei um die entscheidende rechtliche Grundlage für Produktion, Verarbeitung und Handel. "Für Labels, die ein höheres Öko-Niveau garantieren, soll der Spielraum stark eingeschränkt werden", sagt Prof. Dr. Dabbert. Statt Premium-Produzenten die Möglichkeit zu geben, besonders hochwertige Ware als solche herauszustellen, sollen Bioprodukte künftig europaweit einheitlich als EU-ÖKOLOGISCH gekennzeichnet werden.

Der Entwurf begründe das damit, dass die derzeitige Situation den Markteintritt ausländischer EU-Wettbewerber erschwere. "Eine einheitliche Kennzeichnung durch eine Bezeichnung "EU-ÖKOLOGISCH" ließe sich unserer Überzeugung nach durchaus rechtfertigen. Die Freiheit, private Öko-Standards und Öko-Marken zu entwickeln, die über dem gesetzlichen Mindestmaß liegen, sollte allerdings nicht eingeschränkt werden", sagt Christian Eichert, Mitglied der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Dabbert.

Zudem kritisieren die Wissenschaftler, dass die betroffenen Akteure weder an der Entwicklung der neuen Verordnung noch an den Festsetzungen der zukünftigen Detailregelungen hinreichend beteiligt wurden: "Die Ökoverbände fühlen sich übergangen". Die Regelungen für ökologische Lebensmittel seien bisher in Kooperation zwischen Öko-Erzeugern, -Verbänden und -Organisationen und EU vereinbart worden. "Dieses erfolgreiche Modell darf nicht aufgegeben, sondern muss ausgebaut werden", sagt Prof. Dr. Dabbert, was die EU in ihren Prinzipien der Good Governance 2001 selbst in ihrem Weißbuch geschrieben hätte.

Hoffnungen schöpfe die Biobranche daraus, dass die EU-Kommission den ursprünglich sehr straffen Zeitplan aufgegeben habe und erste Überarbeitungen der neuen Verordnung zirkulierten. "Im Sinne von Verbraucherschutz und wirtschaftlicher Sicherheit für die Biobranche müssen EU-Politik und Öko-Sektor nun in einen echten Dialog einsteigen", meint Prof. Dr. Dabbert.

Hintergrund Forschungsprojekt ORGAP

Im Juni 2004 verabschiedete die EU-Kommission den "European Action Plan for Organic Food and Farming". Ziel des Aktionsplanes ist es, die Situation des Ökolandbaus zu bewerten und eine strategische Vision zur Rolle des Ökolandbaus in der EU-Agrarpolitik zu entwickeln. Das EU-finanzierte Forschungsprojekt ORGAP (Evaluation of the European Action Plan for Organic Food and Farming) soll die Umsetzung des Aktionsplanes wissenschaftlich unterstützen und seine kurz- und langfristigen Auswirkungen beurteilen.

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.orgap.org
http://www.uni-hohenheim.de/i410a
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Berichte zu: EU-Öko-Verordnung Label

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie Brände die Tundra langfristig verändern
12.12.2017 | Gesellschaft für Ökologie e.V.

nachricht Mit Drohnen Wildschweinschäden schätzen
12.12.2017 | Gesellschaft für Ökologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik