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Wie Europa unter dem Klimawandel leiden wird

28.10.2005


Science-Studie: Bergregionen und Mittelmeer-Raum am ärgsten betroffen



Es wird nicht nur die Ärmsten der Armen treffen, wenn der Klimawandel zuschlägt. Auch Europa wird unter den veränderten Bedingungen zu leiden haben. Was Wissenschaftler der Harvard University in einer aktuellen Studie im Wissenschaftsmagazin Science berichten, klingt jedenfalls nicht gerade gut: Besonders betroffen von den Veränderungen werden Alpinregionen und der Mittelmeerraum sein.



Im Mittelmeer-Raum wird das Risiko von großen Waldbränden steigen, Wasser wird zum kostbaren Gut und der Verlust von Acker- und Kulturland wird dramatisch ansteigen. Viele der Folgen werden durch steigende Temperaturen und geringere Niederschläge verursacht. Es wird, so die Wissenschaftler um die Studienautorin Dagmar Schroeter, zu einem Biodiversitätsverlust der Flora kommen. Demnach ist der Mittelmeer-Raum die verletzlichste Region in Europa und auch jene, die unter dem Klimawandel am stärksten zu leiden haben wird. Zu diesem Schluss kommt ein europaweit durchgeführtes Assessment, das die sozioökonomischen Folgen der globalen Erwärmung untersucht hat.

"Wenn es zu längeren Trockenperioden kommt, steigt die Gefahr von Bränden und dadurch auch die Anpassungsfähigkeit vieler Nutzpflanzen", so Schroeter. "Zu ähnlichen Effekten wird es auch in den alpinen Regionen kommen", erklärt die Forscherin. Da die Schneedecken nur mehr in höheren Regionen auftreten werden, wird es zu großen Änderungen beim Wasserhaushalt kommen. "Die Winter werden mehr Regen statt Schnee bringen, dadurch kommt es zu größeren Hochwassergefahren im Winter und im Frühling. Im Sommer wird es weniger Wasser geben, weil die Schneedecken dünner und nur noch in höheren Regionen vorkommen." Die Auswirkungen werden sowohl den Tourismus als auch die Energiewirtschaft treffen.

Doch haben die Forscher auch positive Effekte entdeckt: Durch weniger intensiven Landbau werden sich die Waldflächen vergrößern. Bauern in nördlicheren Regionen können mediterrane Gewächse anpflanzen. Möglicherweise werden die neu entstandenen Wälder als Kohlenstoffsenke wirken, allerdings werde dies durch weitere Erwärmung wieder ein Nullsummenspiel. "In der Mitte des Jahrhunderts wird es aller Wahrscheinlichkeit so heiß, dass die Erde anstatt CO2 aufzunehmen, CO2 abgeben wird. Damit wird sie zu einem zusätzlichen Kohlendioxidemittenten", meint die Forscherin. Dennoch komme Europa noch relativ harmlos weg. Die Wissenschaftler wollen mit den Forschungsergebnissen in erster Linie die Politiker ansprechen, die geeignete Strategien gegen die Gefahren ergreifen sollen.

"Diese Entwicklungen sagen wir schon seit längerem voraus", so die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur im pressetext-Interview. "Insbesondere der alpine Raum ist eine sehr sensitive Region, da es ein Grenzbereich verschiedener Klimazonen ist." Naturereignisse wirken sich hier besonders intensiv aus. Die Wissenschaftlerin bestätigt auch die Verschiebung der Niederschläge. "Dadurch, dass es keine Schneeschmelze gibt und der Schneefall im Winter durch Regen ersetzt wird, verändert sich der Wasserabfluss." Statt gestaffeltem Ablauf komme es zu einem sofortigen Abrinnen und damit verbunden zu Murenabgängen. "Zusätzlich gibt es in den Sommermonaten verstärkt Azorenhochdruck. Das bedeutet weniger Gewitter und daraus resultierend deutlich weniger Niederschläge", so die Wissenschaftlerin abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.sciencemag.org
http://www.boku.ac.at

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