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Menschenverschlingender Treibsand ist Märchen

29.09.2005


Holländische Forscher simulieren Situation


Foto: Bonn-Univ. Amsterdam



In der Welt der Abenteuer- und Horrorfilme passiert es häufig, dass Menschen vom Treibsand zur Gänze verschluckt werden. Um diesem Phänomen auf die Spur zu kommen, haben holländische Forscher die Situation mit Treibsand nachgebildet. Das Ergebnis war nüchtern: Es handelt sich bei solchen Ereignissen um Märchen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in seiner jüngsten Ausgabe.

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Treibsand ist nichts anderes als normaler Sand, der mit Wasser gesättigt ist. Bei dieser Suspension sind die Sandkörner lose aufeinander gestapelt, so dass sie leicht übereinander hinwegrutschen können. Treibsand kann daher kein Gewicht halten und verhält sich ähnlich wie eine Flüssigkeit. Häufig finden sich Treibsande nahe von großen Flussmündungen. Allerdings kann er auch nach Erdbeben auftreten, wenn unterirdische Wasserreservoirs aufbrechen. Experten gehen davon aus, dass dies zum Einsturz von Gebäuden und Brücken führen kann. "Allerdings sind die Hollywood-Darstellungen, in denen Menschen zur Gänze verschwinden völlig unkorrekt", wie Thomas Zimmie vom Rensselaer Polytechnic Institute in Troy, New York meint. Gefährlich können sie allerdings in den Gezeitenzonen werden, wenn die Flut herannaht.

Der Wissenschaftler Daniel Bonn von der Universität Amsterdam hat nun eine Treibsand-Szenerie im Labor nachgebaut. Bei einer Reise durch den Iran konnte der Forscher am Namak-See im Norden des Landes Warntafeln vor Treibsand finden. Zudem hörte der Forscher, dass lokale Schäfer Horrorgeschichten über diesen erzählten. Der Wissenschaftler nahm daher Bodenproben nach Amsterdam mit. Dort wurde der Sand chemisch analysiert und nach seiner Bestimmung in größeren Mengen hergestellt. Anschließend legten die Wissenschaftler Aluminiumleisten, die die durchschnittliche Dichte eines Menschen hatten, in den Sand. Daraufhin wurde der Sand geschüttelt und die Aluminiumstücke verschwanden tatsächlich teilweise. Der Sand verhielt sich ähnlich wie Wasser. Bonn verglich die Wirkung der Sandkörner mit jener einer kunstvoll gestapelten Menge von Orangen, die nach einer Störung durcheinander purzeln. "Ganz geringe Veränderungen sorgen für den totalen Zusammenbruch dieses Materials".

Nach den Messungen verursachen physikalische Mehrbelastungen der Partikel von nur einem Prozent eine Zunahme der Strömungsgeschwindigkeit um einen Faktor einer Million. Dieser verursache dann den Sog nach unten. Sich aus eigener Kraft daraus zu befreien sei jedenfalls nur mit größter Mühe möglich. Der Forscher vergleicht die Kraftaufwendung um unter diesen Umständen einen Fuß anzuheben mit jener einen Mittelklasse-Wagen zu hochzuheben. "Die große Gefahr sind herannahende Wassermassen, etwa bei herannahender Flut", erklärt der Forscher. "Allerdings wird hier Geduld eine lebensrettende Tugend, denn wenn man lang genug wartet, setzen sich die Sandpartikel ab und danach sorgt der Auftrieb des Gemisches für eine leichte Befreiung", so Bonn. Versuche mit dem Aluminium haben ähnliches ergeben. Außerdem versank kein Teil tiefer als zur Hälfte im Sand. "Obwohl die Aluminiumteile im Durchmesser nur vier Millimeter maßen, entsprechen sie aufgrund der gleichen Dichte einem Menschen", erklärt Bonn.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com

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