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Feinstaubpartikel als tödliche Gefahr

01.09.2005


Experten fordert Senkung der Grenzwerte - Kleinste Teilchen am Schädlichsten



Kleinste Feinstaubpartikel sind nach Ansicht von Experten wesentlich gefährlicher als große. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Zwischenruf". Die Experten schlagen daher vor, die seit Januar 2005 geltende EU-Richtlinie auf Partikel unter einem Tausendstel Millimeter zu begrenzen. Zusätzlich müsse ein neuer Massengrenzwert für Russ eingeführt werden, fordern die Wissenschaftler.



Bisher gibt es Grenzwerte für Teilchen bis zu einer Größe von zehn Mikrometer, berichten die Wissenschaftler um Alfred Wiedensohler vom Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung. "Diese Richtlinien fordern wir schon seit längerem", meint Institutsleiter Jost Heintzenberg im Gespräch mit pressetext. Das Problem sei in der Forschung hinlänglich bekannt. Die Messtechnik der vergangenen Jahre sei immer besser geworden. Die Studienautoren forderten die Stilllegung der stärksten Russemitter unter den Lkw und Autobussen und die Minimierung von Öl- und Kohleverbrennung beim Hausbrand. "Je nachdem, wo man die Messeinheit errichtet, ergeben sich unterschiedliche Ergebnisse", meint Heintzenberg. Einerseits sei es die Partikel bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen andererseits jene, die beim Hausbrand entstehen.

Die gängigen Dieselpartikelfilter sind allerdings gänzlich ungeeignet, jene Feinstpartikel oder Aerosole abzuscheiden, erklärt der Wissenschaftler Gerhard Fleischhacker von CEF-Austria. "Die Effektivität der Partikelfiltersysteme wird maßlos überschätzt", argumentiert der Experte im pressetext-Interview. Es wurde bisher immer die Definition vorenthalten, dass nur Partikel, die größer als fünf Mikrometer sind, von der Abscheidung der Filter erfassbar sind und sich die Abscheidungsgrade von 99 Prozent auf eine reine Reduktion der emittierten Partikelmasse beziehen", erklärt Fleischhacker. "Partikelgrößen, die kleiner als drei Mikrometer sind, können mit diesen Partikelfiltern ausnahmslos nicht abgeschieden werden. Die lungengängigen Feinstpartikel werden somit weiter an die Umwelt abgegeben", führt der Wissenschaftler aus.

Wie gefährlich diese Partikel sind, erklärt auf Anfrage von pressetext der Umweltmediziner und Chemiker Emil Hellemann, der sich seit Jahren mit den Feinstpartikeln befasst. "Die Erkenntnisse der Leibniz-Forscher entsprechen der Wahrheit. Besonders jene Teilchen, die unter einem Mikrometer groß sind, sind extrem gefährlich", erklärt der Experte. Grenzwerte sind nur ein Konsenspapier. Wesentlich sind die Oberflächen- die Strukturbeschaffenheit der Teilchen. Demnach müssen diese Partikel individuell untersucht werden. "Fest steht jedoch, dass die pathophysiologischen Eigenschaften der Feinstpartikel unterschätzt werden. Sie sind derart klein, dass sie sogar die Zellmembran durchwandern können, sich mit Schaltproteinen verbinden", warnt Hellemann. "Wir sind nicht in der Lage derzeit zu sagen, welchen Schaden sie tatsächlich anrichten. Für die Medizin wird dieses Problem allerdings ein großes Rufzeichen werden". Hellemann kritisiert, dass die Erkenntnisse nicht neu sind, aber es acht bis zehn Jahre gedauert hat, den Ernst der Situation auch nur annähernd zu erkennen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.tropos.de
http://www.cefaustria.at

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