Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Feinstaub - vom Winde verweht

10.05.2005


Fraunhofer Forscher vom Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme Dresden zeigen neue Verfahren zur Vorhersage der Luftbelastung auf und machen auf den gravierenden Einfluss von meteorologischen Großwetterlagen auf die Feinstaubbelastung in deutschen Städten aufmerksam. So haben beispielsweise Niederschlags- und Windereignisse sowie andere meteorologische Faktoren einen weitaus höheren Einfluss auf die Belastung als bisher angenommen.


Seit Inkrafttreten der neuen EU-Feinstaub-Richtlinie haben bereits zahlreiche Großstädte und Ballungsräume die Zahl der erlaubten Grenzwertüberschreitungen erreicht und überschritten. Die aktuell diskutierten Gegenmaßnahmen wie Fahrverbote und gezielte Straßensperrungen beruhen weitestgehend auf Simulationsmodellen aus den USA, die die Feinstaubbelastung im wesentlichen auf das Verkehrsaufkommen zurückführen und so zu aktuellen Belastungsprognosen kommen, ohne natürliche Quellgruppen sowie Witterungs- und Standortbedingungen ausreichend einzubeziehen.

Fraunhofer Forscher weisen nun gravierende Missverhältnisse dieser Modelle mit tatsächlich gemessenen Werten nach. Seit mehr als drei Jahren entwickeln Forscher in der Abteilung Umwelt, Energie, Verkehr um Dr. Matthias Klingner leistungsfähige Analyseprogramme zur Auswertung der umfangreichen Messdaten aus den Luftmessnetzen der Bundesländer. Die gewonnenen Erkenntnisse basieren auf statistischen Analysen langjähriger Messreihen der Schadstoffbelastungen in Abhängigkeit von meteorologischen Einflüssen, Verkehrsaufkommen und weiteren Faktoren. "Bisher wurde der komplexe Prozess der verkehrsbedingten Schadstoffimmissionen eher statisch und linear betrachtet. Die Beschränkung auf anthropogen verursachte Quellgruppen und deren Analysen ohne Berücksichtigung der erheblichen Wechselwirkungen mit meteorologischen Einflussfaktoren führt zumindest beim Feinstaub zu unzulässigen Vereinfachungen und Schlussfolgerungen", so Matthias Klingner, Abteilungsleiter am IVI. Örtliche Ausbreitungsbedingungen, meteorologische Faktoren wie Niederschlag, Windgeschwindigkeit und relative Luftfeuchte würden die Immissionskonzentrationen deutlich stärker beeinflussen als die Schwankungen im Verkehrsaufkommen. Und dies vor allem großräumig und mit einer über mehrere Tage andauernden Nachwirkung.


Die IVI Forscher drängen nun auf eine zügige und sachlich geführte Diskussion. Modellrechnungen zeigen auf, dass kurzfristige Straßensperrungen keine nennenswerte Ergebnisse bringen, wenn nicht die Großwetterlage mitberücksichtigt wird. "Während niederschlagsfreier Wetterperioden nimmt die Feinstaub-Belastung auch im ländlichen Gebiet deutlich zu", so Klingner. Lokale Sperrungen von Straßenschluchten würden also nur geringe Auswirkungen auf die Luftbelastung haben. Ähnlich verhält sich die Situation beim Wind. Hohe Windgeschwindigkeiten wirbeln zwar in den Städten den Feinstaub auf, tragen ihn aber verstärkt ins Umland aus und entschärfen deutlich das Problem. Beachtet man darüber hinaus die kontinuierliche Staubablagerung und Wiederaufwirbelung in verkehrsreichen Regionen mit schlechten Ausbreitungsbedingungen, so können Maßnahmen zur Reduktion der Staubbelastung nur dann wirksam werden, wenn sie mit einem zeitlichen Vorhalt von mehreren Tagen eingeleitet wurden.

Aus Klingners Analyse- und Vorhersagemodellen können abhängig von der Meteorologie verschiedene an die jeweiligen Bedingungen angepasste Aktionspläne abgeleitet werden, die kurzfristig die Überschreitung der zulässigen Grenzwerte verhindern. Langfristig allerdings führt nichts an dem Einsatz von Partikelfiltern vor allem für Nutzfahrzeuge, der Umrüstung auf innovative Antriebskonzepte auch im ÖPNV, einer steten Verflüssigung des Verkehrs und der Verlagerung des Schwerlastverkehrs ins Umland vorbei.

Ansprechpartner:
Dr. Matthias Klingner
Telefon +49 (0)351/ 46 40-640
Telefax +49 (0)351/ 46 40-613
Matthias.Klingner@ivi.fraunhofer.de

Fraunhofer-Institut für Verkehrs-
und Infrastruktursysteme IVI
Zeunerstraße 38
01069 Dresden

Fraunhofer IVI
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Zeunerstraße 38
01069 Dresden
Telefon +49 (0) 351/ 46 40-817
Telefax +49 (0) 351/ 46 40-803
Konstantin.Jonas@ivi.fraunhofer.de

Sibylle Wirth | idw
Weitere Informationen:
http://www.ivi.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Feinstaub Feinstaubbelastung IVI Verkehrsaufkommen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Sauerstoffkrisen in der Adria sind nicht nur vom Menschen verursacht
28.03.2017 | Universität Wien

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit