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Erdgas für das Klima vorteilhafter als gedacht

14.04.2005


Max-Planck-Forscher haben russische Gaspipelines untersucht / Austritt von Erdgas unerwartet gering


Russische Pipelines für den Ferntransport von Erdgas: Bestehendes Leitungsnetzwerk (orange Linien), Pipelines in Bau (orange gestrichelte Linien), untersuchte Pipelines (schwarze Linien), frühere Methanmessungen 1996/7 (weiße Pfeile), aktuelle Messungen 2003 (schwarze Pfeile). Bild: MPI für Chemie



Immer wieder wurde spekuliert, russische Gaspipelines, über die auch der Transport von Erdgas nach Deutschland läuft, hätten zahlreiche Lecks. So enthält die Atmosphäre über Sibirien oft höhere Konzentrationen von Methan als anderswo. Methan ist nach Kohlendioxid das zweitwichtigste Treibhausgas, das zur Klimaveränderung beiträgt. Daher vermutete man, das Methan stamme aus undichten Gaspipelines, denn Erdgas besteht zu 90 Prozent aus Methan. Das Erdgas wird unter extremen Wetterbedingungen im Norden Sibiriens gewonnen und in Pipelines über viele Tausend Kilometer in Russland und im Ausland verteilt. Doch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz und des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH haben jetzt festgestellt, dass die Gasverluste aus den Rohrleitungen gering sind (Nature, 14. April 2005).



Diese Befunde beruhen auf Methanmessungen in Sibirien und umfassten nahezu 2.500 Kilometer Pipelines und Verdichterstationen (s. Abb.). Dabei benutzten die Forscher verschiedene Methoden, um das Gastransportsystem auf Lecks und störungsbedingte Emissionen zu untersuchen, wie Messungen aus niedrig fliegenden Hubschraubern. Es stellte sich heraus - erhöhte Methanwerte findet man überall in Sibirien, vor allem im Sommer. Dies aber ist eher auf die enormen Feuchtgebiete zurückzuführen, wo das Methan durch Bakterien gebildet wird, als auf das Gasnetz. Das Netz der Erdgasleitungen ist modern, gut gewartet und weniger undicht als gedacht.

Russland ist weltweit der größte Produzent von Erdgas, mit einem Fördervolumen von 580 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Dahinter nimmt die USA mit 550 Milliarden Kubikmetern den zweiten Platz ein. Bei den Messungen stellte sich heraus, dass die Gasverluste in Sibirien, trotz des extremen Klimas, nicht größer sind als in den USA. Interessant ist, dass zurzeit die Methankonzentrationen in der Atmosphäre kaum noch ansteigen. Offensichtlich waren einige Maßnahmen zur Verringerung der Methanemissionen bereits erfolgreich, sogar noch bevor das Kyoto-Protokoll im Februar dieses Jahres in Kraft getreten ist. Mit der weiteren Absenkung von Methanemissionen könnte man die Wirkung des stark ansteigenden Kohlendioxids sogar teilweise kompensieren.

Da die Nutzung von Erdgas als Energiequelle weniger Kohlendioxid produziert als Öl und Kohle und die Methanverluste relativ gering sind, wäre es für die Klimaentwicklung vorteilhaft, grundsätzlich von Kohle auf Gas umzusteigen. Dies würde die Kohlendioxid-Emissionen verringern - eine Maßnahme, die vor allem für die nächsten Jahrzehnte wichtig sein könnte. Da jedoch die weltweiten Reserven an Kohle viel größer sind als die Gasreserven, wird die Menschheit jedoch langfristig nicht auf Kohle verzichten können. Aus Sicht der Wissenschaftler sollten daher die nächsten Jahrzehnte genutzt werden, um Technologien zur Verminderung von Kohlendioxidemissionen weiter zu entwickeln.

Prof. Jos Lelieveld | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpch-mainz.mpg.de
http://www.mpg.de

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