Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Water safety plan der WHO - sicherere und effizientere Trinkwasserversorgung

22.10.2004


Weltweiter Schutz der Quellen und Ressourcen für gesundes Trinkwasser in Zukunft noch wichtiger. Alle Menschen mit gesundheitlich einwandfreiem Wasser zur versorgen, ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine dauerhafte Herausforderung. Dies gilt gleichermaßen sowohl für zentrale Versorgungen als auch für Hausbrunnen, Kleinanlagen und die Notwasserversorgung im Katastrophenfall. Zu oft würden Trinkwasserverunreinigungen erst festgestellt, wenn Menschen bereits an ihnen erkrankt oder gar gestorben seien. Im September 2004 veröffentlichte die WHO ihre aktualisierten Leitlinien für die Trinkwasserversorgung, die gegenüber der bisherigen Fassung einen Paradigmenwechsel darstellen: Im Vordergrund steht nicht mehr die Überwachung der Trinkwasserqualität am Wasserhahn, sondern die umfassende Analyse der Versorgungssysteme sowie die Steuerung der Prozesse durch einen so genannten "Water Safety Plan".



Ob die von den der WHO vorgeschlagene systematische Gefahrenanalyse und Risikobewertung auch in Deutschland für die Trinkwasserversorgung und die amtliche Überwachung nützlich sein kann, untersucht seit Januar 2004 ein vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) gefördertes Projekt im Umweltbundesamt (UBA).



Die neuen WHO-Trinkwasserleitlinien betonen den hohen Rang einer vorsorglichen System- und Gefahrenanalyse in jedem einzelnen Versorgungssystem. Es ist rechtzeitig festzustellen, welche Gefahrenpotenziale in der jeweiligen Versorgung unter welchen Umständen zu welchem Risiko für die menschliche Gesundheit führen können. Kontamination mit Krankheitserregern entstehen selten im kontinuierlichen "Normalbetrieb", sondern eher durch besondere Ereignisse - etwa plötzliche starke Niederschläge, eventuell verbunden mit Hochwasser. Solche Situation gilt es, vorsorglich zu berücksichtigen, die Risiken zu bewerten und zu minimieren.

Nach wie vor empfiehlt die WHO bestimmte Mikroorganismen und Stoffe auf Grundlage gesundheitlicher Leitwerte zu überwachen. Schwerpunkt der neuen Leitlinien ist in Zukunft, den gesamten Trinkwassergewinnungsprozess - vom Wassereinzugsgebiet bis zum Zapfhahn - durch Maßnahmen zum Schutz der Reinheit des Trinkwassers zu verbessern. Ziel des neuen Ansatzes ist, die Zusammenarbeit aller an der Wasserversorgung Beteiligten zu fördern, die Versorgungssysteme zu verbessern und Erkrankungen durch verschmutztes Wasser zu vermeiden. Die WHO-Trinkwasserleitlinien sind ein Beratungsangebot an nationale und lokale Regierungen, Aufsichtsbehörden, große und kleine Wasserversorger. Sie definieren die international anerkannte "Gute Fachliche Praxis" für die Trinkwasserhygiene.

Bislang wird in vielen Ländern - gemäß den bisherigen WHO-Trinkwasserleitlinien - das Trinkwasser vor allem auf die Einhaltung der Vorgaben für chemische und mikrobiologische Parameter untersucht. Dies ist zwar wichtig, reicht jedoch für einen umfassenden Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher nicht aus.

In Deutschland wird aus diesem Grund die Trinkwasserüberwachung durch ein umfassendes technisches Regelwerk ergänzt. Es beschreibt detailliert die technischen Prozesse und Bedingungen zur garantierten Einhaltung der Grenzwerte und damit der Sicherheit des Trinkwassers. Dies gelingt durch die aktive Gestaltung, Beherrschung und Kontrolle aller Barrieren, die das Eindringen von Verunreinigungen verhindern. Hierzu gehören der Schutz der Brunnen, der Talsperren, der Quellen und der dazugehörigen Wassergewinnungsgebiete. Ebenso wichtig ist auch ein sorgfältig gepflegtes Verteilungsnetz und das Installieren der Leitungen und Armaturen aus Materialien, die weder Schadstoffe an das Trinkwasser abgeben noch das Bakterienwachstum fördern. Sichere Trinkwasser-Versorgungssysteme erkennt man daran, dass diese Barrieren intakt sind, diese stets ihre Aufgabe erfüllen und angemessen überwacht werden.

Auf der Grundlage dieser Erfahrungen hat Deutschland auf die Verbesserung der international anerkannten Maßstäbe Einfluss genommen. Dies gelang dem Umweltbundesamt (UBA) mit Hilfe seiner WHO-Kontaktstelle, die sich an der Entwicklung der Trinkwasserleitlinien intensiv beteiligte. Beispielsweise wurde die Aufnahme des Themas "Schutz der Ressourcen und Quellen für gesundes Trinkwasser" in die Neufassung der WHO-Trinkwasserleitlinien an zentraler Stelle entscheidend durch ein vom BMGS gefördertes und vom UBA durchgeführtes Forschungsprojekt unterstützt.

Seit Januar 2004 fördert das BMGS ein neues Projekt im UBA. Es soll Aufschluss darüber bringen, ob die durch die WHO vorgeschlagene systematische Gefahrenanalyse und Risikobewertung auch für die Trinkwasserversorgung und die amtliche Überwachung in Deutschland nützlich sein kann. Die Projektergebnisse sollen klären, ob Deutschland bei der nächsten Revision der EG-Trinkwasserrichtlinie die Aufnahme des "WHO-Water Safety Plan" unterstützen sollte.

Jana Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.who.int/water_sanitation_health/advocdocs/en/
http://www.who.int/water_sanitation_health/advocdocs/en/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie