Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationaler Saatgutvertrag tritt heute in Kraft

29.06.2004


Öko-Institut: Wichtiger Beitrag für Welternährung und Agrobiodiversität


Die Welternährung basiert heute zu einem Großteil auf zehn Kulturpflanzenarten. Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit nur 25 Prozent der Pflanzensorten angebaut werden, die noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts genutzt wurden. Um einen weiteren Verlust der Arten und Sorten zu verhindern, müssen Züchter Zugang zu so genannten "pflanzengenetischen Ressourcen" haben, und es müssen die Rechte der Landwirte gesichert werden. Dies soll der internationale Saatgutvertrag gewährleisten, der heute in Kraft tritt. Er wurde über Jahre hinweg im Rahmen der UN Welternährungsorganisation FAO verhandelt. Nun haben ihn 48 Vertragsstaaten ratifiziert.

"Der Vertrag leistet einen wichtigen Beitrag für die Welternährung und die landwirtschaftliche Biodiversität", sagt Franziska Wolff, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Umweltrecht des Öko-Instituts e.V. "Vor allem für Menschen in kleinbäuerlichen Strukturen bildet die Vielfalt in der Landwirtschaft zusammen mit dem Zugang zu Wasser und fruchtbarem Boden die Existenzgrundlage. Landwirtschaftliche Vielfalt hat einen unmittelbaren Nutzen für Nahrung, Lebensunterhalt, Ökosysteme und mindert Risiken wie Missernten, Schädlings- oder Krankheitsanfälligkeit", so die Wissenschaftlerin. Ob der Vertrag wirkungsvoll vor Biopiraterie schützen kann, bleibt jedoch abzuwarten.


Der internationale Saatgutvertrag regelt den Zugang von Züchtern zu Saatgut, das in den öffentlichen Genbanken der Vertragsstaaten und in internationalen Sammlungen lagert. Dieses Saatgut, das überwiegend aus biodiversitätsreichen Ländern des Südens stammt, ist für Züchter im Norden wichtig, um hiesige Sorten weiterzuentwickeln. In Zukunft wird es für eine Liste der 65 weltweit wichtigsten Nahrungs- und Futterpflanzen, die 80 Prozent der Kalorienaufnahme der Weltbevölkerung repräsentieren, einen erleichterten Zugang geben: Die Züchtungsunternehmen werden nicht erst mit den Herkunftsländern des Keimplasmas verhandeln müssen, sondern sie können das Material der Liste frei beziehen.

Nur wenn Züchter aus dem Genbankmaterial kommerzielle Sorten entwickeln und diese mit geistigen Eigentumsrechten (vor allem Patenten) schützen lassen, sollen sie künftig einen Gewinnanteil zahlen. Das Geld wird in einen Fonds fließen, aus dem Programme zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Vielfalt vor allem in Entwicklungs- und Transitionsländern finanziert werden. Weitere Mittel sollen von den Regierungen der Industrieländer zur Verfügung gestellt werden.

Schließlich stärkt der Vertrag die Rechte der Landwirte: Traditionelles, mit den genetischen Ressourcen verbundenes Wissen der Bauern vor allem in den so genannten Entwicklungsländern soll vor Aneignung (Biopiraterie) geschützt werden. Zudem sollen Landwirte an den Vorteilen aus der Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen beteiligt und in die Entwicklung staatlicher Politik einbezogen werden.

Der Erfolg des Saatgutvertrags hängt allerdings davon ab, wie er im Einzelnen ausgestaltet wird. Noch ist unklar, ob genetisches Material auf der Liste des Vertrags in Zukunft patentiert werden kann oder weiterhin öffentlich bleibt. Aktuelle Studien zeigen, dass mit der Patentierung von Genressourcen der Landwirtschaft und Ernährung weitere Züchtungsbemühungen behindert würden. Dies würde eine Gefahr für die Ernährungssicherung darstellen.

Das Öko-Institut empfiehlt daher, dass

das Steuerungsgremium des Vertrags die Bestimmungen zur Patentierung zurückhaltend auslegt und internationale Leitlinien geschaffen werden, die die effektive nationale Ausgestaltung der Rechte der Landwirte gewährleisten.

Für deren Umsetzung sind nach dem Saatgutvertrag die Nationalstaaten zuständig. Insbesondere ein Recht auf freien Austausch und Wiederaussaat von Saatgut ist in den Ländern des Südens ein Garant für Ernährungssicherheit und Vielfalt im Anbau.

Entscheidend wird künftig auch sein, in welchem Verhältnis die Regelungen des Saatgutvertrags zu Regelungen der Welthandelsorganisation (WTO) und insbesondere des TRIPS-Abkommens zu geistigen Eigentumsrechten stehen werden.

Das Öko-Institut hat sich in dem kürzlich abgeschlossenen Verbundprojekt "Agrobiodiversität entwickeln: Handlungsstrategien und Impulse für eine nachhaltige Tier- und Pflanzenzucht"* mit den institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen beschäftigt, die für den Erhalt der Nutzpflanzen- und Nutztiervielfalt notwendig sind.

| idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de

Weitere Berichte zu: Ressource Saatgut Saatgutvertrag Sorten Welternährung Züchter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie