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Kohlendioxid-Ausstoß aus Kraftwerken - Wege zur Verringerung des Treibhausgases

28.04.2004


Die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat zur gegenwärtig weltweit stattfindenden Diskussion um eine künftig überwiegend und verstärkt auf Kohle basierte Energieerzeugung und die damit aus Klimagründen notwendig werdende CO2-Sequestrierung, die Abscheidung und langfristige Speicherung von CO2, Stellung genommen. Propagiert werden derzeit verfahrenstechnische Lösungen. Die GDCh-Fachgruppe weist dagegen darauf hin, dass das effizienteste und über Millionen Jahre erprobte System zur CO2-Sequestrierung die terrestrische Biosphäre ist. Die Fachgruppe schließt sich der Agenda 21 an und fordert mit Nachdruck, die Entwaldung und Wüstenbildung zu bekämpfen.



Die Kosten zur verfahrenstechnischen Abtrennung von CO2 werden auf 18 bis 60 Euro pro Tonne und für Transport und Speicherung auf 10 bis 24 Euro pro Tonne geschätzt. Am Ende eines solchen Prozesses könnten lediglich rund ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen aus Kohlekraftwerken vermieden werden. Das sind etwa 1,8 Milliarden Tonnen CO2 jährlich. Das globale Potential der CO2-Sequestrierung über die Biosphäre wird gegenwärtig auf etwa 7 Milliarden Tonnen pro Jahr geschätzt. Jedoch schreitet die Entwaldung der Erde voran. Der dadurch erzielte "negative" Beitrag beträgt etwa 5,9 Milliarden Tonnen pro Jahr. Des weiteren breiten sich die Wüsten auf der Erde auf. Etwa 3,6 Milliarden Hektar, d. h. etwa 70 Prozent der Gesamtfläche der weltweit vorhandenen Trockenzonen bzw. fast ein Viertel der gesamten Landfläche der Erde, sind von der Desertifikation bedroht (Agenda 21, Kap.12.15). Die Agenda 21 hat mit höchster Priorität die "Bekämpfung der Entwaldung" und die "Bekämpfung der Wüstenbildung" gefordert; die Rio-Konferenz verabschiedete die "Walderklärung", die UN die "Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung". Doch bislang ist sehr wenig zur Umsetzung dieser Erklärungen geschehen. Dabei könnten eine Rekultivierung, Aufforstung und verbesserte Anbaumethoden das globale CO2-Sequestrierungspotential auf mehr als 18 Milliarden Tonnen pro Jahr erhöhen - also ein Vielfaches dessen, was durch die verfahrenstechnische Sequestrierung erreicht würde.



Rechnet man die Kosten für Aufforstungen in semiariden Gebieten nur auf die dadurch langfristig in Form von Humus im Boden festgelegte Menge an Kohlendioxid um, so liegen diese immer noch weit unter der Untergrenze von 28 Euro für den rein technischen Lösungsansatz. Hierzu einige Zahlen: Die reinen Aufforstungskosten für eine Kultur mit einer Baumart, die schnell wächst, betragen derzeit in Deutschland maximal 2.000 Euro pro Hektar. Will man ökologischen Waldbau betreiben, so kommt man auf den Betrag von maximal 5.000 Euro. Damit werden langfristig über 300 Tonnen Kohlenstoff, das entspricht über 1050 Tonnen CO2, in Form von Humus im Boden festgelegt. Die Speicherung einer Tonne CO2 kostet dann also nicht einmal 5 Euro. Bei einer Aufforstung in semiariden Gebieten würden derzeit aufgrund der geringeren Löhne die Kosten bei etwa 1 Euro pro Tonne liegen. Dabei sind die Erlöse aus dem Holzverkauf, die positiven Folgen der Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden für die Landwirtschaft und der Nutzen für die dortigen Bewohner insgesamt nicht einmal eingerechnet. Mit einer solchen Strategie wäre zudem eine beträchtlich erhöhte Produktion von Biomasse verbunden, die zunehmend - und das wäre der entscheidende und qualitativ neue Aspekt - einen Übergang in eine Versorgung mit erneuerbaren Energieformen und damit eine steigende Reduktion der Produktion von CO2 aus fossilen Energieträgern ermöglichen würde. Zudem sei auf die künftig steigende Bedeutung und Nutzung von Biomasse als nachwachsender Rohstoff für die chemische Industrie hingewiesen.

Die GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie hält es für wesentlich, dass für die Verbesserung der CO2-Sequestrierung ein tatsächlich nachhaltiger Lösungsansatz gewählt wird, der auch die ökologische Dimension des Problems berücksichtigt. Die Chemie kann hierzu wichtige Beiträge liefern. So haben erste praktische Forschungsergebnisse gezeigt, wie Hydrogele, Produkte der chemischen Industrie, erfolgreich zu einer Verhinderung der Bodenerosion und zu einer Begrünung der Wüste eingesetzt werden können.

Die GDCh-Fachgruppe bezieht sich in ihrer Stellungnahme, die vom GDCh-Vorstand unterstützt wird, insbesondere auf den Beschluss des Rats für Nachhaltige Entwicklung "Perspektiven der Kohle in einer nachhaltigen Energiewirtschaft" und auf das COORETEC (CO2-Reduktionstechnologien)-Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit. Die Fachgruppe bietet dem Rat für Nachhaltige Entwicklung und dem Bundeswirtschaftsministerium ihre wissenschaftliche Unterstützung zur Entwicklung eines nachhaltigen Programms der CO2-Sequestrierung an. Insbesondere aber verweist die Fachgruppe darauf, dass Optionen des CO2-Managements als weniger nachhaltig zu beurteilen sind als Maßnahmen zur Emissionsreduktion durch Effizienzsteigerung und zur Substitution fossiler Brennstoffe. Dies sollte maßgebend für Forschung und Entwicklung sein.

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

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