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Neuer Schmerzstiller für Haustiere löscht Greifvögel aus

29.01.2004


Mysteriöses Geiersterben aufgeklärt



Neue veterinärmedizinische Präparate können mitunter auf das gesamte Ökosystem nachhaltige Wirkungen haben. Ein schmerzstillendes Medikament für Rinder ist nach Angaben von US-Forschern für das Massensterben von Geiern am indischen Subkontinent verantwortlich, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist. In den vergangenen zehn Jahren sind die Bestände der Raubvögel um mehr als 95 Prozent zurückgegangen.



Lindsay Oaks, Veterinär-Mikrobiologin von der Washington State University in Pullman, ist dem Verschwinden der Tiere auf die Spur gekommen. Das Medikament Diclofenac, das für bei der Aufzucht von Rindern eingesetzt wird, verursacht bei den Raubvögeln Nierenversagen und anschließend den Tod. Die Raubvögel, die verendete Tiere fraßen, sind danach gestorben. "Es ist der erste erwiesene Fall in der Geschichte, dass ein pharmazeutisches Produkt eine ökologische Katastrophe in einem so großen Gebiet anrichtet", berichtet Oaks in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins Nature. Drei Geierspezies sind am gesamten indischen Subkontinent als kritisch gefährdet klassifiziert worden.

Seit Jahren hatten Umweltorganisationen Hunderttausende Dollar ausgegeben, um dem mysteriösen Vogelsterben auf die Spur zu kommen. Nach Untersuchungen der verendeten Raubvögel auf Spuren von Arsen und Quecksilber konnten die Forscher diese Umweltgifte als Ursachen ausschließen. Auch eventuellen Viren, die zum Massenexitus führten, wurden in den vergangenen Jahren in Betracht gezogen, aber verworfen. Das Medikament Diclofenac ist auch in der Humanmedizin (unter anderem auch im Medikament Voltaren enthalten) als Entzündungshemmer und Schmerzmittel in Verwendung. Die Essigsäureverbindung wird seit einigen Jahren auch in Asien bei Haustieren eingesetzt.

Umweltschutzorganisationen fordern nun, dass die Verabreichung des Präparates bei Tieren sofort einzustellen sei, denn die Geier erfüllen im ökologischen Kreislauf eine wichtige Funktion. Sie sorgen für ein rasches Verschwinden von Aas. "Seit Jahrtausenden erfüllen Geier die Aufgaben einer biologischen Gesundheitspolizei", erklärt Munir Virani, Biologe vom amerikanischen Peregrine Fund , der an der Aufklärung der Ursachen für den Massensterben beteiligt war. Nach ersten Schätzungen der britischen Royal Society for the Protection of Birds sind in den vergangenen zehn Jahren mehrere zehn Mio. Geier verendet.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.vetmed.wsu.edu
http://www.peregrinefund.org

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