Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Kommission: OK für Nordsee-Fischfang

08.12.2003


Experten warnen vor Kollaps der Dorsch-Population - EU reagiert mit niedrigeren Fangquoten



Die EU-Kommission hat die Fangquoten für Nordsee-Kabeljau mit rund 22.700 Tonnen für 2004 festgelegt. Damit gibt es keine echte Schonzeit für die immer kleiner werdende Dorschpopulation. Wissenschaftler warnen aber schon seit zwei Jahren vor einem drohenden Kollaps der gesamten Nordsee-Fischerei, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

... mehr zu:
»Fangquoten »Nordsee


Bereits im Vorjahr haben zahlreiche Forscher davor gewarnt, die Fangquoten in der Nordsee so hoch zu halten. Die EU-Kommission hat daraufhin die Quote für 2003 auf 22.659 Tonnen festgesetzt. Das ist um 65 Prozent niedriger als im Jahr zuvor. Allerdings bleibt diese Quote auch für das Jahr 2004 bestehen. Der Vorschlag muss nur noch von den Fischereiministern abgesegnet werden, heißt es im Wissenschaftsmagazin. Vorschläge von Experten, dass auch westlich von Schottland und vor der dänischen Küste ein sofortiges Fangverbot sinnvoll wäre, wurden von der EU abgelehnt. Die Fangquote wurde daher um mehr als die Hälfte niedriger angesetzt, argumentieren die Politiker in Brüssel. "Wir setzen uns dafür ein, die gesamte Dorsch-Fischerei in der Nordsee aufzugeben", so Hans Lassen, Fischereiexperte vom International Council for the Exploration of the Sea (ICES) http://www.ices.dk . Im Gegenzug argumentiert die EU-Kommission ihren Schritt mit der Gefahr einer Massenarbeitslosigkeit in den betroffenen Regionen und daraus resultierend mit dem drohenden Verlust der wirtschaftlichen Kontinuität.

ICES-Experten warnen vor den Folgen der ihrer Meinung nach zu hohen Quote. "Die Modelle sind extrem unsicher, da es sich nicht eindeutig feststellen lässt, ob der Dorsch weiter überleben kann", so Lassen. Der Bestand sei derzeit schon so gering, dass wissenschaftliche Modelle nicht anwendbar wären. Lassen kritisiert auch, dass die tatsächlichen Mengen der gefangenen Fische nicht wirklich feststellbar sind. "Es wird zwar genau kontrolliert, wann wer zur See fährt und fischt, aber was tatsächlich gefangen wird, entzieht sich unserer Kenntnis", so der Experte. Der EU-Kommissar für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei, Franz Fischler, ist mit der Regelung aber auch nicht zufrieden "Was eine unzureichende Durchsetzung der Bestandserhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen bewirkt, haben wir alle vor Augen: Wichtige Grundbestände sind nach wie vor äußerst fragil und die gesamte Fischwirtschaft zahlt den Preis", so Fischler. "Da die für diese Bestände vorgeschlagenen zulässigen Gesamtfangmengen bereits von den wissenschaftlichen Gutachten abweichen, ist ihre Einhaltung umso dringlicher. Dies lässt sich am besten über Beschränkungen des Fischereiaufwands erreichen", urteilt die EU-Kommission in ihrer Entscheidung.

Lassen ist über den Ausgang der Verhandlungen nicht glücklich, da es sich wissenschaftlich nicht nachweisen lässt, was als nächstes passieren wird. "Jeder Dorsch, der gefangen wird, bereitet uns Sorgen. Die einzige Lösung, die die Experten fordern, wäre ein komplettes Aussetzen der Dorsch-Fischerei. "Dann könnten die Wissenschaftler sehen, ob sich die Population erholt oder nicht. Doch dafür könnte es schon jetzt zu spät sein", meint Lassen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.newscientist.com

Weitere Berichte zu: Fangquoten Nordsee

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie