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Europäische Forschung entwickelt Lösungen für Umweltauswirkungen von Antibiotika

26.06.2003


Die Ergebnisse dreier europäischer Forschungsprojekte (ERAVMIS, REMPHARMAWATER und POSEIDON) unter Beteiligung von 13 europäischen Ländern, bei denen die Umweltauswirkungen von Antibiotika aus der Human- und der Tiermedizin sowie mögliche Problemlösungen untersucht wurden, werden am heutigen 27. Juni an der größten skandinavischen Abwasser-Behandlungsanlage in Gryaab, Göteborg (Schweden), erstmalig der Presse vorgestellt.



Antibiotika können in unsere Umwelt gelangen und dort schädliche und besorgniserregende Auswirkungen entfalten. Im letzten Jahrzehnt wurden 12.500 t Antibiotika jährlich verbraucht, und der Verbrauch steigt weiter. Die Verbindungen werden zum Teil vom Körper abgebaut, aber Tausende Tonnen Antibiotika gelangen dennoch jedes Jahr durch Ausscheidungen in die Umwelt. Jüngste Forschungsergebnisse bestätigen, dass Antibiotika im städtischen Abwasser sowie in landwirtschaftlichen Abfällen vorhanden sind. Wenn nichts getan wird, werden diese Antibiotika unsere Wasserressourcen und Böden verunreinigen.



“Antibiotika sind ein wichtiges Element der modernen Human- und Tiermedizin und tragen erheblich zur Verbesserung unserer Lebensqualität bei. Trotzdem wussten wir bisher nur sehr wenig darüber, was mit den Antibiotika nach ihrer Verwendung geschieht, wenn sie in die Umwelt gelangen,” so Forschungskommissar Philippe Busquin. “Die Forschung auf diesem Gebiet begann Mitte der achtziger Jahre in Europa, und seither waren wir auf diesem Gebiet weltweit führend - nicht nur bei der Erforschung der Umweltauswirkungen, sondern auch bei der Suche nach Lösungen zur Vermeidung oder Minimierung dieser Auswirkungen. Die Ergebnisse dieser europäischen Forschungsanstrengungen werden Effizienz und Sicherheit der Wasserversorgung verbessern, Industrie und Verbrauchern gleichermaßen nutzen und zum Schutz der Umwelt beitragen”.

Schutz der aquatischen Umwelt vor Verschmutzung

Rückstände von Antibiotika, aber auch von anderen Medikamenten wie Präparaten zur Empfängnisverhütung, Schmerzmitteln, Medikamenten für Herz- und Kreislauferkrankungen, wurden in vielen europäischen Ländern in Abwasserbehandlungsanlagen sowie in Rohwasserressourcen gefunden. Der Grad des Abbaus der einzelnen Verbindungen durch die Abwasserbehandlung ist unterschiedlich, und manche der gängigen Techniken sind nicht in der Lage, alle diese Verbindungen zu beseitigen. Eine Folge dieser unvollständigen Beseitigung ist eine Verunreinigung der Flüsse und sogar des Grundwassers in einigen Ländern.

Auch das Verhalten von Antibiotika aus Tiermedikamenten in Böden und ihre möglichen Umweltauswirkungen müssen untersucht werden, da das Medikament oder der Metabolit nach Verabreichung des Antibiotikums an das Tier direkt (Tiere auf der Weide) oder indirekt (Ausbringen von Gülle) in die Umwelt gelangt.

Drei Lösungsansätze: ERAVMIS, REMPHARMAWATER und POSEIDON

Bisher gab es nur wenig Informationen über die Konzentrationen von Antibiotikarückständen in der Umwelt, Daten aus den EU-Forschungsprojekten haben jedoch bestätigt, dass Antibiotika und andere Pharmazeutika im Abwasser und in natürlichen Gewässern vorhanden sind. In einigen Fällen wurden Metaboliten auch im Trinkwasser entdeckt (z.B. in Deutschland).

Auch scheinen sich in der Umwelt vorhandene Mikrobenpopulationen durch den Kontakt mit Antibiotika zu verändern. Weltweit lässt sich ein Anstieg der Resistenz gegen Antibiotika feststellen, was die Behandlung bei manchen Krankheiten erschwert. Daher ist es wichtig, dass wir unser Wissen über diese Verbindungen, ihr Verhalten und ihre Umweltauswirkungen vertiefen, damit praktische Maßnahmen zur Risikobewertung und zur Problemlösung entwickelt werden können.

Die drei EU-Projekte liefern die bisher ersten Daten auf europäischer Ebene zur Beurteilung des Vorkommens und der Auswirkungen von Antibiotika in der aquatischen Umwelt sowie in Böden. Ferner werden Problemlösungen vorgeschlagen: die Entfernung von Antibiotika aus dem Abwasser (z.B. durch Ozonierung oder durch Sonnenlicht) wird der Presse bei der Veranstaltung in Göteborg ausführlich erläutert.

Bei den Projekten ERAVMIS, REMPHARMAWATER und POSEIDON wurden das Verhalten von Antibiotika in der Umwelt sowie ihre Auswirkungen untersucht, ebenso die effektivsten Techniken für ihre Beseitigung, sowohl bei der Abwasserbehandlung als auch bei der Trinkwasseraufbereitung.

ERAVMIS: Untersuchung des Verhaltens von Antibiotika aus der Tiermedizin in der Umwelt und ihre Auswirkungen.

REMPHARMAWATER: Technologien zur Bewertung und Beseitigung von Antibiotika im Abwasser.

POSEIDON: Eine “Weltpremiere-Lösung”: Antibiotika können bei der Abwasserbehandlung beseitigt werden, so dass sie sicht in de Umwelt gelangen, wie eine Pilotdemonstration bei der Abwasserbehandlungsanlage in Braunschweig (DE) gezeigt hat.

| Europäische Union
Weitere Informationen:
http://www.cranfield.ac.uk/ecochemistry/eravmis
http://www.unina.it/~rmarotta
http://www.eu-poseidon.com

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