Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sturmtaugliche Waffe gegen Ölpest

02.09.2002


Wie kann ein Ölteppich bei stürmischer See abgesaugt werden, damit der Schaden für Tier und Umwelt möglichst gering bleibt? Die Risiken einer Ölpest, verursacht durch Schiffshavarien oder die Suche nach Erdöl und Erdgas im Offshore-Bereich, steigen ständig. Forscher vom Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin entwickelten einen Ölschöpfer (Skimmer), der nun unabhängig vom Seegang eingesetzt werden kann.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass es in der Nord- oder Ostsee noch zu keiner größeren Ölkatastrophe gekommen ist, denn die Deutsche Bucht gehört zu den am stärksten befahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt. Die traurigen Auswirkungen einer Ölverschmutzung waren bislang nur vor der Insel Amrum zu beobachten: Im Oktober 1998 liefen aus dem gestrandeten Frachter Pallas 244 Kubikmeter Dieselöl aus. Die zur Ölbekämpfung herbeigerufenen Schiffe konnten in der stürmischen See das Öl nicht abschöpfen. Im Ölteppich bei Amrum starben deshalb über 16.000 Seevögel. Erlitte dort ein Öltanker von 100.000 Tonnen Schiffbruch, wären die Folgen noch verheerender als bei dem vergleichsweise kleinen Holzfrachter Pallas.
Die vorhandenen deutschen Ölbekämpfungsschiffe konnten bislang nur bis zu einer Wellenhöhe von rund einem Meter eingesetzt werden. In der Nordsee haben die Wellen aber schon bei ruhiger Wetterlage häufig eine signifikante Höhe von mindestens 1,5 Meter und bei sehr starkem Wind türmen sie sich sogar bis 3 Meter auf. Bei stürmischer See können die 23 Ölbekämpfungsschiffe der Länder und des Bundes deshalb nichts ausrichten.
Unterstützt durch Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung haben deshalb Prof. Dr.-Ing. Günther Clauss sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr.-Ing. Rolf Habel und Dr.-Ing. Martin Vannahme vom Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin ein Öl-Abschöpfsystem (Öl-Skimmer) entwickelt, das erstmals unabhängig vom Seegang eingesetzt werden kann. Die Berliner Wissenschaftler konnten hierbei auf Erfahrungen bei der Entwicklung anderer Ölbekämpfungsschiffe aufbauen, die derzeit im Küstenvorfeld, in Flussmündungen und in Häfen im Einsatz sind (Mposs, Knechtsand, Westensee, Klappschiff). Der neue seegangsunabhängige Skimmer (SÖS) ist auch für das Wattenmeer geeignet.
Das Ölabschöpfsystem dieser katamaranähnlichen Trägerschiffe kann nun bei starkem Wellengang die Ölschicht von der Wasseroberfläche trennen.
Anders als die herkömmlichen Skimmer drückt das neue System das Öl-Wassergemisch unter das Schiff. Da der Rumpf dem Seegang folgt, können keine Verwirbelungen und Querwellen die Ölaufnahme stören. Das Wasser-Öl-Gemisch strömt unter dem Rumpf bis zu einer horizontal liegenden Klinge. An dieser Klinge entsteht an einer Abrisskante ein stationärer Wirbel, der das Öl nach oben zieht. Das Öl steigt in einem dahinterliegenden Schacht auf und wird in Tanks gepumpt, während das gereinigte Seewasser hinter das Heck strömt. Im Wellenkanal hat der neue seegangsunabhängige Skimmer einen überraschend hohen Wirkungsgrad gezeigt.

Datenbank
Forschungsprojekt: Entwicklung eines Ölskimmingsverfahrens zur seegangsunabhängigen Ölbekämpfung
Ansprechpartner:Prof. Dr.-Ing. Günther Clauss, E-Mail: Clauss@ism.tu-berlin.de
Kontakt: Institut für See- und Landverkehr, Fachgebiet Meerestechnik, Salzufer 17-19, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-23105, Fax: 030/314-22885
Finanzgeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/forschung-aktuell

Weitere Berichte zu: Seegang Ölpest

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dynamische Katalysatoren für saubere Stadtluft
16.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Klimawandelbedingtes Aussterben von Arten kann kaum verhindert werden
10.10.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikroben hinterlassen "Fingerabdrücke" auf Mars-Gestein

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vorhersagen bestätigt: Schwere Elemente bei Neutronensternverschmelzungen nachgewiesen

17.10.2017 | Physik Astronomie

Kaiserschnitt-Risiko ist vererbbar

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie