Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leichtbau: Von marinen Kleinstlebewesen lernen

19.06.2008
Netzwerk PlanktonTech erforscht technischen Nutzen von Meeresorganismen

Marine Kleinstlebewesen vollbringen ein interessantes Kunststück: Sie besitzen harte Skelette, die sie vor den Attacken ihrer Fressfeine schützen, und sind gleichzeitig leicht genug, damit sie nicht in tiefe, lichtarme Meeresregionen abdriften.

Um diese besonderen Strukturprinzipien genauer zu untersuchen und für die Industrie nutzbar zu machen, hat das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) das internationale Netzwerk PlanktonTech ins Leben gerufen. Mit Hilfe neuester Methoden in Mikroskopie und Computertechnik wollen die internationalen Projektmitglieder sowohl die Entstehung und Funktion dieser Strukturen erforschen als auch ihren Nutzen für Ressourcen sparende Leichtbauprodukte.

"Die Umsetzung in technische Anwendung sind dabei in den verschiedensten Bereichen denkbar", erklärt Biologie Christan Hamm gegenüber pressetext. "Denn Leichtbaustrukturen sind beispielsweise in der Baustatik, in der Fahrzeug- und Medizintechnik als auch im Maschinenbau gefragt."

Im Fokus der Forschungen von PlanktonTech stehen die auffälligen Schalen von Kieselalgen und Radiolarien, die sich durch hohe Festigkeit bei geringem Materialeinsatz auszeichnen. "Deren Strukturprinzipien wollen wir uns abschauen. Der Baukasten, den uns die Natur dabei bietet, ist fast unerschöpflich, denn es gibt zehntausende Kieselalgenarten", berichtet Geochemiker Eberhard Sauter.

So lasse sich für verschiedenste Problemstellungen eine geeignete Bauweise finden. Zunächst jedoch müssen die Schalen der Algen analysiert und ihre Strukturparameter erfasst werden. Die Übertragung in eine 3D-Datenbank ermögliche dann die Untersuchung der biomechanischen Eigenschaften. "Wir schlagen damit in der Evolutionsforschung als auch in der Bionik und Materialforschung völlig neue Kapitel auf", fügt Hamm an. Denn die Daten sollen auch für den industriellen Bereich genutzt werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Kombination von Leichtbaustrukturen mit Verbundstoffen.

Erste Projekte und Kontakte mit Unternehmen sind bereits eingerichtet. "Das Leichtbauinstitut Jena, einer unserer Partner, entwickelt Hallen und Brücken, die von bionischen Prinzipien abgeleitet sind. Wir arbeiten derzeit an Kopfstützen, Felgen und Dämmmaterial für die Automobilindustrie, die leicht und vibrationsdämmend sind", berichtet Sauter. Weitere Einsatzgebiete für die den Algen nachempfundenen Strukturen finden sich auch in der Medizin, wo die Entwicklung von leichteren und durchlässigeren Gipsverbänden möglich sei. Auch Off-Shore-Windkraftanlagen könnten sich durch den Einsatz von naturnahen Leichtbauelementen kostensparender fertigen lassen. "Bei einem Windpark mit 50 bis 100 Anlagen, würde sich eine Kostenersparnis durch weniger Stahlverbrauch schon deutlich bemerkbar machen", meint Sauter.

Claudia Misch | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.awi.de

Weitere Berichte zu: Kleinstlebewesen Leichtbau Leichtbaustruktur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Cybersicherheit für die Bahn von morgen

24.03.2017 | Informationstechnologie

Schnell und einfach: Edge Datacenter fürs Internet of Things

24.03.2017 | CeBIT 2017

Designer-Proteine falten DNA

24.03.2017 | Biowissenschaften Chemie