Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vögeln und Meeressäugern bleibt nur mehr Junkfood

19.06.2008
Überfischung raubt auch Tieren die beste Nahrung

Die weltweite Überfischung und die Auswirkungen des Klimawandels setzen eine Reihe von Tieren, die im und am Meer leben, einer einseitigen Diät aus.

Statt der für sie wertvollen Nahrungsquelle bleibt ihnen praktisch nur noch "Junkfood." Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität von Stockholm. Das Ergebnis sind abgemagerte Vögel, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe.

Räuberische Fische wie etwa der Dorsch sind durch die nicht nachhaltige Fischerei praktisch aus den Meeren verschwunden, dafür haben sich ihre Beutetiere wie etwa Sprotten stark vermehrt. Sprotten sind als Nahrung für Seevögel aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts nur ein magerer Ersatz. Die Biologen um Henrik Österblom argumentieren, dass das schlechte Nahrungsangebot für Raubvögel und Meeressäuger zu einem rapiden Gewichtsverlust der Räuber führt, da ihnen die notwendige Energie fehlt.

... mehr zu:
»Junkfood »Meeressäuger

In den 1990er Jahren hatten Österblom und seine Forscherkollegen festgestellt, dass die 20 Tage alten Küken von Trottellummen in der Ostsee ein viel geringeres Gewicht aufwiesen als in den Jahren zuvor. "Wir waren sehr überrascht darüber, denn zur gleichen Zeit nahm die Dorsch-Fischerei in der Region deutlich zu", meint Olof Olsson von der schwedischen Umweltforschungsstiftung Mistra.

"Weniger Dorsch bedeutet mehr Sprotten und die Lummeneltern fütterten die Jungen fortan mit Sprotten." Doch auch die Sprotten erwiesen sich in den folgenden Untersuchungen als abgemagert. Dadurch, dass ihnen der Fressfeind fehlte, nahmen sie zwar mengenmäßig zu, mussten sich aber mit anderen Tieren ihre Nahrungsquelle - das Zooplankton - teilen. Mengenmäßig bekamen die Lummenjungen zwar gleich viel Fisch, allerdings deutlich weniger Kalorien.

Diese Erkenntnisse seien nichts Neues, meint der Fischereiexperte Michael Fogerty vom US-National Marine Fisheries Service (NOAA). Ähnliches habe man an der Ostküste der USA bei den Blauflossen-Tunfischen festgestellt, die deutlich abnahmen, weil auch ihre Beutefische, die Heringe, immer dünner wurden. Auch die Heringe nahmen durch den Wegfall ihrer Fressfeinde mengenmäßig zu, gewichtsmäßig allerdings deutlich ab.

In den Jahren 2000 bis 2004 nahm man in der Ostsee die Jagd nach Sprotten vermehrt auf, damit stieg auch das Gewicht der Lummenküken wieder an. Die schwedischen Forscher wurden damit Zeugen der "Junkfood-Hypothese". Eine Meta-Analyse von 47 Studien über die Auswirkungen der "Nahrungsquantität und Qualität auf Meeressäuger und Vögel" kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

Aber auch Klimaänderungen können massive Auswirkungen auf Meeressäuger haben, wie sich an den Stellar-Seelöwen an der Westküste Amerikas zeigt. Zwischen den späten 1970er und späten 1990er Jahren sank die Zahl der Tiere um 80 Prozent. Das Forscherteam um den Meeressäugetier-Experten Andrew Trites von der University of British Columbia in Vancouver glaubt, dass Veränderungen der Meeresströmungen den Seelöwen eine neue Fischart brachten: den fettarmen Seelachs.

Für den Forscher sind die Arbeiten des schwedischen Teams eine Erleichterung. "Jahrelang haben wir so ziemlich als einzige die Meinung vertreten, dass die Qualität der Nahrung eine mindestens genauso wichtige Rolle spielt wie die Quantität."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mistra.org
http://www.nmfs.noaa.gov
http://www.ubc.ca

Weitere Berichte zu: Junkfood Meeressäuger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Den Trends der Umweltbranche auf der Spur
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas
17.10.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz