Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alte Elektrogeräte umweltverträglich entsorgen: Handlungshilfe für Kommunen

21.07.2000


... mehr zu:
»Verwertung
Mitte Juni hat die EU-Kommission einen Richtlinien-Vorschlag vorgelegt, der die Rücknahme von Elektroaltgeräten durch die Hersteller regelt. Gesetzlich in Kraft treten wird er jedoch frühestens 2004. Bis
dahin sind die Kommunen in der Entsorgungspflicht. Für sie hat das Fraunhofer IPA im Auftrag des baden-württembergischen Umweltministeriums die »Handlungshilfe Elektroaltgeräte« erstellt.

Viele Stadt- und Landkreise in Deutschland sammeln Elektroaltgeräte von Privathaushalten bereits gesondert, da sie einen hohen Anteil an wiederverwertbaren Stoffen, aber auch Schadstoffe enthalten. Wird beides nicht voneinander getrennt, können beim Deponieren oder Verbrennen erhebliche Umweltbelastungen entstehen, die sich durch geregeltes Recycling vermeiden ließen. Um eine möglichst hochwertige Verwertung von Elektroaltgeräten zu erreichen, hat das Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg (UVM) das Fraunhofer IPA beauftragt, für die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (ÖRE, d. h. Stadt- und Landkreise sowie deren eigenständige Abfallwirtschaftsbetriebe) den Leitfaden »Handlungshilfen für Kommunen zur Entsorgung von Elektro- und Elektronikaltgeräten« - kurz: »Handlungshilfe Elektroaltgeräte« - zu erstellen.

Die Handlungshilfe informiert über den Stand der Technik für eine qualitativ hochwertige Verwertung der Fraktionen dieser Geräte und beinhaltet eine Muster-Leistungsbeschreibung in Form von Textbausteinen, die die ökologischen Mindestanforderungen für das Einsammeln der Altgeräte, die Demontage, das Verwerten und das Beseitigen der Einzelteile und Stoffe vorgibt. In einem einjährigen Pilotprojekt hat der Zollernalbkreis (Baden-Württemberg) als Anwender in enger Zusammenarbeit mit einem bundesweit tätigen Entsorgungsunternehmen den Leitfaden auf seine praktische Eignung hin erprobt. Das Fraunhofer IPA als unabhängiger Sachverständiger und sein Auftraggeber, das UVM, haben die Einhaltung der vorgegebenen Kriterien, einschließlich der Verwertungswege und -verfahren, wiederholt und zeitnah geprüft und dokumentiert.

Dieses Pilotprojekt wurde im Dezember 1999 abgeschlossen, weitere Projekte laufen derzeit. »Das Pilotprojekt hat bewiesen, daß eine kostengünstige und umweltverträgliche Verwertung bei einem hohen Qualitätsstandard möglich ist, und das auch auf kommunaler Ebene«, sieht Fraunhofer IPA-Projektleiter Markus Hornberger seine Prognosen bestätigt. Der Zollernalbkreis hatte in seiner Ausschreibung erstmals detaillierte ökologische Mindestanforderungen an die Behandlung und Verwertung der Altgeräte gestellt und es hat sich gelohnt: »Vom Entsorger eingehalten führte das nicht nur zu einer verbesserten Recyclingquote. Auch die Schadstoffbelastung fiel geringer aus«, faßt Hornberger zusammen. So konnte die Kommune durch entsprechende vertragliche Regelungen auf den Einsatz umweltverträglicher Verwertungsverfahren und auf eine hohe Wertschöpfung hinwirken: Das gereinigte Bildröhrenglas aus Fernsehgeräten und Computermonitoren verwendet nun beispielsweise ein Hersteller von Bildschirmglas für seine Neuproduktion wieder. Ein weiteres Beispiel sind Polyurethanschäume aus Kühl- und Gefrierschränken. Sie werden nicht mehr ins Ausland gebracht, sondern in einer inländischen Anlage energetisch verwertet, die den Anforderungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG, 17. BImSchV) entspricht. Mehrkosten fallen dafür nicht an. Trotz der verbesserten Leistung konnte die Kommune ihre bisherige Kostenstruktur beibehalten. Jeder Gebührenzahler trägt derzeit einen Kostenanteil von rund zwei Mark pro Jahr, eingerechnet in die Abfallgebühr.

Seit langem wird darüber diskutiert, die Hersteller elektrischer und elektronischer Geräte im Rahmen ihrer Produktverantwortung zur Rücknahme von Altgeräten zu verpflichten. Eine entsprechende Elektroaltgeräte-Verordnung gibt es bislang jedoch nicht. Die EU-Kommission hat am 13. Juni 2000 einen EU-Richtlinien-Vorschlag zur Elektroaltgeräte-Entsorgung vorgelegt. Das bedeutet, daß für die nächsten 18 Monate keine nationalen Schritte möglich sind und das Inkrafttreten einer Regelung zur Elektroaltgeräte-Entsorgung frühestens Anfang 2004 zu erwarten ist. Zumindest bis dahin werden nach wie vor die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger für die Entsorgung der Elektro- und Elektronikaltgeräte zuständig bleiben und haben damit auch die Chance, Standards zu setzen. »Je mehr Kommunen auf der Basis der im Leitfaden zusammengestellten Anforderungen die Elektroaltgeräte-Entsorgung ausschreiben, desto besser werden die Perspektiven für einen Übergang zu einer wirklichen Kreislaufwirtschaft, auch unter ökonomischen Gesichtspunkten«, ist Hornberger sicher. »Es liegt nun an den Kommunen selbst, dieses Instrument für ihre Abfallentsorgung zu nutzen«, erklärt er.

Über 150 ÖRE und privatwirtschafliche Entsorgungsunternehmen haben den Leitfaden bereits angefordert. Er ist kostenlos bei Markus Hornberger am Fraunhofer IPA zu erhalten, bzw. kann direkt unter »www.uvm.baden-wuerttemberg.de/uvm /home/ind_pub. html« im Internet abgerufen und eingesehen werden.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
Dipl.-Ing. Martin Hieber, Telefon: 0711/970-1116, Telefax: 0711/970-1004, E-Mail: mbh@ipa.fhg.de
Dipl.-Ing. (FH) Markus Hornberger, Telefon: 0711/970-1301, Telefax: 0711/970-1004, E-Mail: myh@ipa.fhg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl.-Ing. Michaela Neuner |

Weitere Berichte zu: Verwertung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten