Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Blick tief ins Innere des Bodensees - Seminar an der Uni Stuttgart zu Forschungsprojekt

13.06.2002


Ein Herbststurm Anfang November treibt den Bodensee um. Was von außen betrachtet harmlos aussieht, hat unter der Wasseroberfläche dramatische Konsequenzen. Kaltes Wasser aus Tiefen bis etwa 40 Metern erreicht im Bereich Meersburg-Hagnau die Oberfläche. Nachdem der Wind nachgelassen hat, fällt es innerhalb weniger Stunden bis in eine Tiefe von etwa 80 Metern zurück. Wissenschaftler der Universität Stuttgart haben gemeinsam mit Kollegen anderer Forschungseinrichtungen diese und weitere Geschehnisse im Herbst 2001 bei einer Messkampagne im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts zur Untersuchung interner Wellen im Bodensee beobachtet. Am Freitag, den 21. Juni werden sie beim 3. Bodensee-Seminar des Instituts für Wasserbau an der Universität Stuttgart darüber berichten.

Grundlagenforschung für den Gewässerschutz
Stuttgarter Wissenschaftler untersuchen gemeinsam mit Experten der University of Western Australia Wellen an der Trennschicht zwischen dem warmen Wasser an der Oberfläche und dem kaltem Wasser in der Tiefe des Sees. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das dreijährige internationale Projekt unter Leitung von Professor Helmut Kobus vom Institut für Wasserbau der Uni Stuttgart und seines australischen Kollegen Professor Jörg Imberger. Diese Grundlagenforschung ist ein wichtiger Baustein für eine praxisnahe Nutzung innerhalb des Gewässerschutzes. So sollen Modelle helfen, Antworten auf Fragen zu geben: "Wie schnell und wohin würden sich Schadstoffe im Falle eine Unfalles im See ausbreiten? Wie können regelmäßige Messprogramme, beispielsweise der Wasserversorger, im Bodensee optimiert werden?" Die Wissenschaftler haben die Ergebnisse der Windmessungen in ein Rechenmodell einfließen lassen, mit dem die Strömungen im See simuliert werden können. Die Ergebnisse dieser Modellrechnungen vergleichen die Wissenschaftler wiederum mit den Strömungen im See. So entsteht nach und nach ein besseres Verständnis dafür, was an und unter der Wasseroberfläche von Seen geschieht. Dabei wird das universell einsetzbare Modell ständig optimiert. So wurde es beispielsweise bereits bei Messungen im See Genezareth in Israel und im Maracaibo-See in Venezuela eingesetzt.

Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung im Bodenseeraum
Die fünfwöchigen Messungen im Herbst letzten Jahres haben die tatkräftige Unterstützung zahlreicher am Bodensee ansässiger Institutionen und Interessengruppen gefunden, wie etwa der Universität Konstanz, der Eidgenössischen Anstalt für Wasserbau, Abwasser und Gewässerschutz, des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle, des Instituts für Seenforschung der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, den Wasserversorgungsunternehmen, der Wasserschutzpolizei und der Berufsfischer. Durch frühzeitige Absprache konnten Kräfte gebündelt und Messprogramme verschiedener Institutionen zeitgleich durchgeführt werden. Die beteiligten Fachleute werten das Projekt als einen wichtigen Schritt zum besseren Verständnis und auch zur Prognose von Entwicklungen der Wasserqualität. Gleichzeitig kann es zur Erhaltung dieser Naturressource und der nachhaltigen Entwicklung im Bodenseeraum beitragen.

Bereits während der Messkampagne im Herbst 2001 fand die Aktion auch in den Medien rund um den Bodensee eine sehr positive Resonanz. Beim Bodensee-Seminar sollen nun die Ergebnisse der verschiedenen Messprogramme einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Veranstalter ist das Institut für Wasserbau der Uni Stuttgart im Einvernehmen mit dem baden-württembergischen Umweltministerium und der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein.

Die interessierte Öffentlichkeit ist dazu herzlich willkommen.

Zeit: 21.6., 9.30 bis ca. 13.30 Uhr
Ort: Stuttgart-Vaihingen, Pfaffenwaldring 7, Hörsaal 7.01

Weitere Informationen: Jochen Appt, Institut für Wasserbau der Universität Stuttgart, Tel. 0711/685-4600, -4715, Fax 0711/685-7020, E_Mail: Jochen.Appt@iws.uni-stuttgart.de

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.iws.uni-stuttgart.de
http://www.uni-stuttgart.de/uni-kurier/uk87/forschung/fw71.html.

Weitere Berichte zu: Bodensee Gewässerschutz Messprogramme Wasserbau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics