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Artenschützer schlagen Alarm: Papageien noch bedrohter als befürchtet

15.09.2017

Über hundert Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt fordern mehr Maßnahmen gegen Wilderei

Papageien gehören zu den bedrohten Tierarten: Seit den 90er Jahren war bekannt, dass ca. ein Drittel der mittel- und südamerikanischen Papageienarten vom Aussterben bedroht ist. Ein internationales Forscherteam mit über 100 Expertinnen und Experten aus Papageienforschung und Artenschutz unter der Leitung des Biologen Dr. Juan F. Masello von der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) kommt jetzt zu noch alarmierenderen Ergebnissen.


Felsensittiche in Patagonien: Auch diese Vögel zählen zu den bedrohten Papageienarten.

Foto: Bill Conway

„Was wir entdeckt haben, ist wirklich schlimm“, kommentiert Dr. Masello die Studie. „Die derzeitigen Artenschutzmaßnahmen beruhen leider auf völlig veralteten Daten und sind daher keineswegs ausreichend.“ Die Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift „Biological Conservation“ veröffentlicht wurde, hat den Zustand von 192 Papageien-Populationen in Lateinamerika untersucht.

Viele der untersuchten Populationen sind durchschnittlich zehn unterschiedlichen Bedrohungen ausgesetzt. Die meisten gehen vom Menschen aus. So beeinträchtigt die Landwirtschaft 72 Prozent der Populationen, dicht gefolgt vom Wildvogelfang für den Handel (68 Prozent). Rodungen und andere menschliche Eingriffe und Störungen bedrohen demnach mehr als 55 Prozent der untersuchten Populationen. Diese Ergebnisse lassen auf ein deutlich höheres Risiko schließen als ursprünglich angenommen. Insgesamt wurden Populationen von 63 Prozent der lateinamerikanischen Papageienarten untersucht.

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass der Fang wilder Papageien für den lokalen Handel derzeit besonders stark mit dem Rückgang der Populationen im Zusammenhang steht – ähnlich sieht es beim internationalen Handel aus. Der internationale Handel ist seit Jahrzehnten eine der Hauptbedrohungen für wilde Papageien, wurden in den 80er und 90er Jahren doch Millionen von Vögeln in Lateinamerika gefangen und in die USA, Europa und Japan importiert. Intensive Wilderei führte zur lokalen Ausrottung vieler Papageien und ist vermutlich der Hauptgrund dafür, dass es keine wildlebenden Spix-Aras mehr gibt.

Maßnahmen wie der U.S. Wild Bird Conservation Act (1992) oder das EU-Importverbot für Wildvögel (2007) haben den Handel in diese riesigen Märkten stark eingeschränkt, doch Südamerika, Südostasien und der Mittlere Osten spielen nach wie vor eine große Rolle beim legalen und illegalen Handel mit wilden Papageien. So gibt es der Studie zufolge in Bolivien, Brasilien, Mexiko und Peru einen blühenden Papageienhandel, auch wird von fortgesetzter Wilderei in mehreren anderen Ländern berichtet.

Die Befunde legen nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren nahe, dass dringend wirksame Maßnahmen zum Artenschutz ergriffen werden müssen. Diese sollten vor allem darauf abzielen, die Wilderei bzw. den Fang wilder Papageien für den Handel zu unterbinden. Auch Papageienpopulationen in direkter Nachbarschaft zu landwirtschaftlich genutzen Flächen müssten stärker geschützt werden.

Publikation
Berkunsky, I., Quillfeldt, P., Brightsmith, D.J., Abbud, M.C., Aguilar, J.M.R.E., Alemán-Zelaya, U., Aramburú, R.M., Arce Arias, A., Balas McNab, R., Balsby, T.J.S., Barredo Barberena, J.M., Beissinger, S.R., Rosales, M., Berg, K.S., Bianchi, C.A., Blanco, E., Bodrati, A., Bonilla-Ruz, C., Botero-Delgadillo, E., Canavelli, S.B., Caparroz, R., Cepeda, R.E., Chassot, O., Cinta-Magallón, C., Cockle, K.L., Daniele, G., de Araujo, C.B., de Barbosa, A.E., de Moura, L.N., Del Castillo, H., Díaz, S., Díaz-Luque, J.A., Douglas, L., Figueroa Rodríguez, A., García-Anleu, R.A., Gilardi, J.D., Grilli, P.G., Guix, J.C., Hernández, M., Hernández-Muñoz, A., Hiraldo, F., Horstman, E., Ibarra Portillo, R., Isacch, J.P., Jiménez, J.E., Joyner, L., Juarez, M., Kacoliris, F.P., Kanaan, V.T., Klemann-Júnior, L., Latta, S.C., Lee, A.T.K., Lesterhuis, A., Lezama-López, M., Lugarini, C., Marateo, G., Marinelli, C.B., Martínez, J., McReynolds, M.S., Mejia Urbina, C.R., Monge-Arias, G., Monterrubio-Rico, T.C., Nunes, A.P., Nunes, F., Olaciregui, C., Ortega-Arguelles, J., Pacifico, E., Pagano, L., Politi, N., Ponce-Santizo, G., Portillo Reyes, H.O., Prestes, N.P., Presti, F., Renton, K., Reyes-Macedo, G., Ringler, E., Rivera, L., Rodríguez-Ferraro, A., Rojas-Valverde, A.M., Rojas-Llanos, R.E., Rubio-Rocha, Y.G., Saidenberg, A.B.S., Salinas-Melgoza, A., Sanz, V., Schaefer, H.M., Scherer-Neto, P., Seixas, G.H.F., Serafini, P., Silveira, L.F., Sipinski, E.A.B., Somenzari, M., Susanibar, D., Tella, J.L., Torres-Sovero, C., Trofino-Falasco, C., Vargas-Rodríguez, R., Vázquez-Reyes, L.D., White Jr, T.H., Williams, S., Zarza, R. & Masello, J.F. (2017) Current threats faced by Neotropical parrot populations. Biological Conservation, 214, 278-287.
https://doi.org/10.1016/j.biocon.2017.08.016

Kontakt

Dr. Juan Masello
AG Verhaltensökologie und Ökophysiologie der Tiere
Telefon: 0641 99-35775
Mail: juan.f.masello@bio.uni-giessen.de

Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche Forschungsuniversität, die rund 28.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot – von den klassischen Naturwissenschaften über Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissen¬schaften – bietet sie ein lebenswissenschaftliches Fächerspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und Veterinärmedizin, Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlichkeiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befindet sich eine Reihe von Nobelpreisträgern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis für Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System – ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture – GCSC).

Lisa Dittrich | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/

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