Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zweisprachige Kinder entwickeln sich anders

10.02.2012
Mehrere verbale und nonverbale Fähigkeiten früher ausgebildet

Kinder, die zweisprachig erzogen werden, unterscheiden sich in ihrer Entwicklung deutlich von Einsprachigen. Das berichten Forscher der York University in der Zeitschrift "Child Development". Mehrere Eigenheiten der Zweisprachigkeit waren schon bisher bekannt. Nun konnten die kanadischen Experten zeigen, was dabei auf den Faktor Sprache und was auf andere Begleitumstände zurückgeht.

Mehr Sprachreflexion

"Viele Vorteile wie etwa höhere Intelligenz wurden bisher mit Zweisprachigkeit in Zusammenhang gebracht. Eindeutig bewiesen ist aber nur, dass Kinder mit zwei Sprachen ein erhöhtes Sprachbewusstsein besitzen", erklärt die Zweisprachigkeits-Forscherin Anja Leist-Villis http://zweisprachigkeit.net gegenüber pressetext. Kinder, die in zwei Sprachen denken und reden, reflektieren früher über Sprache. "Auch die Inhibition - die Unterdrückung von nicht Relevantem, um sich auf ein Merkmal zu konzentrieren - gelingt ihnen besser. Der Spracherwerb in jeder einzelnen Sprache dauert allerdings etwas länger."

Bessere Exekutivfunktion

Die kanadischen Forscher untersuchten 100 Sechsjährige, die entweder nur Englisch oder dazu auch Chinesisch, Französisch oder Spanisch sprachen. Ihr sozio-ökonomischer Hintergrund war ähnlich, bei den Zweisprachigen gab es jedoch deutliche Unterschiede in Sachen Kultur, Migrationshintergrund oder Schulsprache. Durch verschiedene Aufgaben überprüfte man, wie es um ihre verbale Entwicklung sowie um exekutive Funktionen stand.

Bei den nonverbalen Exekutivfunktionen - speziell bei der Fähigkeit, Bilder nach wechselnden Sortierregeln zuzuordnen - schnitten Zweisprachige durchgehend besser ab als Einsprachige. Bei verbalen Aufgaben hing die Leistung hingegen von Begleitumständen ab: "Zeigten die beiden gekonnten Sprachen viele Überschneidungen oder wurden die Kinder ihrer Unterrichtssprache getestet, waren sie auch hier im Vorsprung", erklärt Studienautorin Ellen Bialystok.

Vermittlung hat Grenzen
Egal, ob zur Stärkung der verbalen, non-verbalen oder bloß der Fremdsprachenentwicklung: Das frühe Vermitteln einer Zweitsprache ist im Trend. Nicht immer ist die gewählte Vorgangsweise förderlich, glaubt Leist-Villis. "Man sollte als Elternteil mit dem Kind lieber die eigene Muttersprache sprechen. Nur wenige beherrschen eine Fremdsprache derart gut, dass sie dabei alle emotionalen Feinheiten abdecken. Besser ist es, Spaß und Interesse an Sprache zu vermitteln, etwa durch Spiele, Gedichte oder Lieder."

Kritik übt die Expertin gegenüber dem wachsenden Fremdsprachen-Kursangebot für Kleinkinder. "Kinder lernen dabei meist bloß, dass es andere Sprachen gibt, vergessen das Gelernte aber meist wieder, wenn es für sie keine Bedeutung hat." Qualitativ hochwertig sind Fremdsprach-Angebote am ehesten dann, wenn sie von Muttersprachlern abgehalten werden, die mit dem unbewusst-intuitiven Spracherwerb der Kinder vertraut sind.

Zu hinterfragen sei jedoch auch, welche Sprache bei Kindergartenkursen vermittelt und auf diese Weise gefördert wird. "Meist werden nur imagereiche Sprachen unterstützt, die Kinder ohnehin später in der Schule lernen. Das enorme muttersprachliche Potenzial der Kinder etwa aus Spanien, Griechenland oder der Türkei lässt man dadurch brach liegen", so die Erziehungswissenschaftlerin.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.yorku.ca

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie