Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zuversichtsstudie: Sorge um Deutschlands Zukunft – Hochstimmung beim Privatleben

21.03.2012
Am stärksten schwindet die Zuversicht für die deutsche Wirtschaft / Auch die Stimmung hinsichtlich des Arbeitsmarkts ist eingetrübt / Fürs eigene Leben ist die Zuversicht dagegen größer als im Frühjahr 2011

Die gefühlte Lage der Nation im Frühjahr 2012 ist zwiespältig: Wenn die Bundesbürger an Deutschlands Zukunft denken, sind sie weniger zuversichtlich als vor einem Jahr (minus fünf Prozentpunkte). Nur knapp jeder Dritte (31 Prozent) antwortete im ersten Quartal 2012 auf die Frage, wie er die Gesamtsituation Deutschlands in den nächsten zwölf Monaten sieht, „mit Zuversicht“ oder „mit großer Zuversicht“.

Exakt gegenläufig ist die Entwicklung beim Blick in die persönliche Zukunft: Hier ist die Zuversicht gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen (plus fünf Prozentpunkte). Fast zwei Drittel der Deutschen (62 Prozent) zeigen sich optimistisch, wenn es um die zukünftige Entwicklung ihres eigenen Lebens geht. Im persönlichen Bereich herrscht derzeit also Stimmungshoch, gesellschaftlich hingegen überwiegt die Skepsis. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der monatlich durchgeführten repräsentativen Befragungen zur Allianz Zuversichtsstudie, einem Gemeinschaftsprojekt der Allianz Deutschland AG und der Universität Hohenheim.

Besonders nachgegeben haben im Vergleich zum ersten Quartal 2011 die Zuversichtswerte für die allgemeine Wirtschaftslage (minus zehn Prozentpunkte). Auch die Bewertung des Arbeitsmarktes fällt skeptischer aus als vor einem Jahr (minus fünf Prozentpunkte). Gingen im Frühjahr des vergangenen Jahres noch 34 Prozent der Bundesbürger davon aus, dass die Arbeitsplätze sicher sind, teilen ein Jahr später noch 29 Prozent der Befragten diese Ansicht.

„Die anhaltende Diskussion um die Europäische Schuldenkrise beunruhigt die Menschen – zumal die Situation für den Einzelnen schwer einschätzbar ist. Das wirkt sich auf die Stimmung aus“, sagt Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt und Leiter der Unternehmensentwicklung der Allianz. „Die Finanz- und Wirtschaftskraft Deutschlands ist nach wie vor groß. Deshalb ist davon auszugehen, dass auch die Stimmung hinsichtlich der Zukunft Deutschlands wieder deutlich zuversichtlicher wird, sobald sich eine tragfähige Lösung für die Schuldenkrise abzeichnet.“

Insgesamt zeigen die Ergebnisse für die Wirtschaft im monatlichen Verlauf des ersten Quartals 2012 nach größeren Schwankungen in den letzten beiden Jahren eine Stabilisierung – wenn auch auf leicht sinkendem Niveau: Im Januar 2012 lag der Wirtschaftswert bei 37 Prozent, im Februar bei 35 Prozent und im März bei 34 Prozent. Damit liegt die Zuversicht für die deutsche Wirtschaft aktuell deutlich über dem Tiefststand von zehn Prozent im März 2009 und weit unter dem Höchststand von 56 Prozent im Juli 2011.

Milliarden-Überschüsse bei den Krankenkassen schüren Hoffnung
Unverändert gegenüber dem Vorjahreszeitraum sind die Werte für die Qualität der Schulen und Universitäten (25 Prozent) sowie für die gesetzliche Rentenversicherung (zwölf Prozent). Von elf Prozent auf 17 Prozent moderat gewachsen ist gegenüber dem Frühjahr 2011 allein die Zuversicht für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung.

„Die Milliarden-Überschüsse bei den gesetzlichen Krankenkassen schüren die Hoffnung, dass auch für den einzelnen Beitragszahler am Ende mehr übrig bleibt“, erklärt Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim, der die Allianz Zuversichtsstudie wissenschaftlich begleitet. „Diese Hoffnung kann aber auch schnell wieder in Enttäuschung umschlagen. Dann nämlich, wenn angesichts der Überschüsse weder die Praxisgebühr abgeschafft noch der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung spürbar abgesenkt wird.“

Am größten ist die Zuversicht fürs eigene Zuhause und die Familie
Wenn es um ihr eigenes Leben geht, ist die Stimmung der Bundesbürger selten besser gewesen als im Frühjahr 2012. Im ersten Quartal dieses Jahres sehen nahezu zwei Drittel der Befragten (62 Prozent) ihre persönliche Zukunft positiv (plus fünf Prozentpunkte). Im Februar 2012 wird mit 65 Prozent gar einer der höchsten Werte in diesem Bereich seit Beginn der Erhebungen zur Allianz Zuversichtsstudie im Jahr 2007 gemessen. Nur im Februar und November des vergangenen Jahres lag die Zuversicht bei 67 Prozent und damit jeweils um zwei Prozentpunkte höher.

„Neben zahlreichen internationalen Problemen haben auch innenpolitische Entwicklungen das Vertrauen der Bürger in die Zukunft Deutschlands geschwächt – nicht zuletzt die Umstände, die zum Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff führten oder auch die Konflikte innerhalb der Regierungskoalition. Für die Gesamtsituation Deutschlands ist die Stimmung daher gesunken. Doch die Wahl des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck könnte die Zuversicht erneut beflügeln“, sagt Prof. Dr. Brettschneider.

„Positiv sieht es schon jetzt bei vielen Menschen im unmittelbaren Umfeld aus: Die Auftragsbücher sind voll, in der Automobilbranche gibt es kräftige Sonderzahlungen und in weiteren Branchen stehen Lohnerhöhungen an. Beim Ausblick auf mehr Geld im Portemonnaie ist die Zuversicht gestiegen – und mit ihr die Konsumfreude.“

Die Einschätzung der Bundesbürger hinsichtlich ihrer persönlichen finanziellen Lage in den kommenden zwölf Monaten hat sich im Vergleich zum Frühjahr 2011 um drei Prozentpunkte verbessert. Der Zuversichtswert für das eigene Zuhause (82 Prozent) ist um fünf Prozentpunkte gewachsen und hält damit den Spitzenplatz bei der persönlichen Zuversicht.

Hintergrund: Zuversichtsstudie
Basis der Allianz Zuversichtsstudie, einer gemeinschaftlich durchgeführten Untersuchung der Allianz Deutschland AG und der Universität Hohenheim, sind repräsentative monatliche Befragungen mit jeweils mindestens 500 - 1.000 Interviewpartnern. Im 1. Quartal 2012 wurden insgesamt 1.502 Interviews durchgeführt. Ziel der Allianz Zuversichtsstudie ist es, die Stimmungslage in Deutschland zu erheben. Dazu wird regelmäßig die Zuversicht der Menschen für die jeweils kommenden zwölf Monate in sechs persönlichen und sechs gesellschaftlich übergreifenden Lebensbereichen erfasst. Die aktuellen Ergebnisse der Allianz Zuversichtsstudie sowie Trends, die sich daraus ablesen lassen, werden der Öffentlichkeit in der Regel vierteljährlich vorgestellt. Die Ergebnisse des 2. Quartals 2012 erscheinen im Juni 2012.

Text: Weik / Klebs

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie

Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa

16.01.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz