Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaft zwischen Himmel und Erde

05.04.2011
Magdeburger erforscht eines der größten Probleme der bemannten Raumfahrt

Der Weltraumbiotechnologe Prof. Dr. Dr. Oliver Ullrich der Universität Magdeburg führt dieses Jahr bis zu vier Experimente im Weltall durch und übernimmt die Leitung eines internationalen Forschungsprojektes an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Die Projekte dienen der Erforschung eines Hauptproblems der bemannten Raumfahrt: der Fehlfunktion des Immunsystems in der Schwerelosigkeit.

Die Magdeburger Weltraumbiotechnologie hat in den letzten vier Jahren auf bisher acht Parabelflugkampagnen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) mit etwa 1000 geflogenen Parabelmanövern erfolgreich durchgeführt.

In diesem Jahr schießt die Universität Magdeburg insgesamt drei Experimente ins All, die zur Klärung einer der fundamentalsten Frage der bemannten Raumfahrt beitragen sollen: Ist die Architektur und Funktion des menschlichen Körpers und unserer Zellen in der Lage, unter den Bedingungen veränderter Schwerkraft zu leben, zu funktionieren, sich anzupassen, oder verhindert unser Bauplan vielleicht bereits auf Ebene der Zellen und Moleküle ein Leben in Schwerelosigkeit? Das Immunsystem von Astronauten ist auf einem Raumflug stark beeinträchtigt. Möglicherweise verhindert es dadurch auch einen dauerhaften Aufenthalt des Menschen jenseits des Erdorbits.

Die Erkenntnisse aus den bisherigen Forschungen auf Parabelflügen könnten durchaus in diese Richtung weisen. Bereits nach wenigen Sekunden setzen wichtige Angriffsfunktionen von Immunzellen aus, sie verlieren wichtige Moleküle für den Kontakt mit anderen Zellen, und viele innere Steuerungsmechanismen kommen durcheinander.

In diesem Jahr starten bis zu vier Experimente der Magdeburger Weltraumbiotechnologie ins All. Ende März die Forschungsrakete TEXUS-49, im November die Forschungsrakete MASER-12 und kurz vorher ein 10-tägiges Experiment auf der ersten Deutsch-Chinesischen Raumfahrtmission SHENZHOU-8. In der Startvorbereitung ist auch das immunologische Experiment TRIPLE LUX A, das in diesem Jahr noch auf die Internationale Raumstation gebracht werden soll. In diesen Studien werden Vorgänge in den Zellen des Immunsystems näher erforscht, die durch die Schwerelosigkeit gestört sind.

Ob diese Vorgänge in den Zellen des Immunsystems sich letztlich der Schwerelosigkeit anpassen können oder nicht, will das von Prof. Ullrich koordinierte neue Projekt für die Internationalen Raumstation (ISS) herausfinden. An dem Projekt arbeiten Spitzenforscher aus Deutschland, der Schweiz, Russland und den USA. Auch eine ehemalige NASA-Astronautin ist dabei. Das nach einem rigorosen Auswahlverfahren durch die Raumstationsländer ausgewählte Projekt wird im BIOLAB des europäischen Columbus-Moduls auf der Internationalen Raumstation durchgeführt werden. Untersucht wird hierbei auch die Wiederanpassung aus der Schwerelosigkeit an die Schwerkraft des Planeten Mars.

Zu wissen, auf welche Art und Weise veränderte Schwerkraftbedingungen die Funktion menschlicher Zellen verändert, ermöglicht eine präzisere Einschätzung der Risiken eines Langzeitraumfluges und vielleicht sogar die Entwicklung von Maßnahmen gegen die schädliche Wirkung der Schwerelosigkeit. Es kann aber auch sein, dass unser zellulärer Bauplan so ideal an das Laben auf der Erde angepasst ist, dass er ein Leben außerhalb der Schwerkraft der Erde auf Dauer unmöglich macht.

Für Rückfragen:
Prof. Hon.-Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Oliver Ullrich,
Institut für Maschinenkonstruktion, Fakultät für Maschinenbau,
Otto-von-Guericke-Universität, Leipziger Str. 44, 39120 Magdeburg
Tel.: 0391 67 18522 oder 0041 44 63 55310
E-Mail: oliver.ullrich@ovgu.de

Katharina Vorwerk | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-magdeburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie