Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirtschaftswissenschaftler untersuchen Einfluss von Nichtregierungsorganisationen auf Unternehmen

10.08.2012
Greenpeace und Foodwatch sind so genannte Nichtregierungsorganisationen (NGOs, englisch für Nongovernmental Organizations). Weltweit üben Tausende dieser Interessensverbände Druck auf Unternehmen und Staaten aus.
Fällt ein Produkt bei Greenpeace durch, weil Giftstoffe enthalten sind, oder kritisiert Foodwatch irreführende Werbung der Nahrungsmittelindustrie, kann das einen erheblichen Imageschaden für ein Unternehmen bedeuten. Zukünftig wird es mehr solcher Konfrontationen geben. Die meisten Unternehmen sehen durch eine engere Zusammenarbeit mit NGOs aber auch eine Chance, um ein gutes Image zu bekommen.

Mehr als ein Viertel aller Unternehmen war bereits Ziel eines Angriffs durch eine NGO, haben die Wirtschaftswissenschaftler Professor Joachim Zentes sowie die Diplom-Kaufleute Stefan Kolb und Michael Fechter in der Studie „Zwischen Konfrontation und Kooperation: Eine empirische Analyse der Rolle von NGOs aus Unternehmensperspektive“ am Institut für Handel & Internationales Marketing an der Universität des Saarlandes herausgefunden. Dafür haben sie über 200 Unternehmen über ihre Erfahrungen und Erwartungen im Umgang mit NGOs befragt.

Rund die Hälfte der Unternehmen geht davon aus, dass in Zukunft Konflikte mit NGOs häufiger vorkommen werden. Die Wirtschaftswissenschaftler haben daher auch untersucht, wie anfällig bestimmte Marken und Branchen für Angriffe von NGOs sind. Ergebnis: Die Bekanntheit und Größe eines Unternehmens ist aus der Sicht der Unternehmen wichtiger für Angriffe seitens der NGOs als zum Beispiel ein vorhandenes schlechtes Image. „Das Ziel besteht darin, zum einen die großen Unternehmen in Ihren Handlungsweisen zum Umdenken zu bewegen, zum anderen Missstände dort zu adressieren, wo eine hohe verbraucherseitige Bekanntheit vorliegt“, erklären die Autoren. Am wenigsten anfällig für NGO-Kritik sind laut der Studie Unternehmen mit einer jungen Zielgruppe. Nur sechs Prozent der befragten Unternehmen sehen diese Firmen durch eine Kampagne gefährdet. Decken NGOs hier dennoch Missstände auf, kann das bei diesen Firmen allerdings schwerwiegende Folgen haben, denn: „Treten jedoch bei derartigen Unternehmen Missstände auf, die durch NGOs angeprangert werden, so hat dies i.d.R. sehr schnell weitläufige Konsequenzen, da gerade diese Zielgruppe durch den Einsatz von sozialen Medien – wie Facebook oder Twitter – über eine sehr hohe Vernetzung verfügt.“

Durch die unmittelbare Durchschlagskraft, die ein NGO-Angriff haben kann, wird es auch für Unternehmen immer wichtiger, richtig zu reagieren. Berechtigte Kritik nehmen die Unternehmen sehr ernst. Gut 90 Prozent gaben an, als Reaktion auf die Kritik den Dialog zu suchen und die Missstände zu beseitigen. Eine offensive Gegendarstellung, eine Klage oder sogar ein Gegenangriff ist hingegen für die wenigsten eine Option im Fall einer berechtigten Kritik. Fühlt sich ein Unternehmen jedoch zu Unrecht angegriffen, fällt die Reaktion schärfer aus. Ein Viertel der Firmen sieht dann eine Klage als Mittel der Stunde. Etwa die Hälfte der Unternehmen würde in diesem Fall die PR-Arbeit intensivieren. Und ein Großteil, fast 70 Prozent, geht in die Offensive und veröffentlicht Gegendarstellungen. Dennoch bleiben die Unternehmen auch hier gesprächsbereit. Rund 80 Prozent gaben in der Studie an, auch im Fall eines als ungerechtfertigt wahrgenommenen Angriffs den Dialog zu suchen. „Gerade hier liegt ein großes Potenzial, weitere Eskalationsstufen zu vermeiden und die aufgeworfenen Vorwürfe transparent zu entkräften bzw. Missstände abzubauen“, schlussfolgern die Autoren.

Damit es erst gar nicht zu Reaktionen kommen muss, setzen Firmen verstärkt auf Prävention. Gut die Hälfte sieht tendenziell in der Zusammenarbeit mit NGOs eine Strategie, um Ärger aus dem Weg zu gehen. „Durch ökologisches und soziales Engagement werden Unternehmen als ‚good citizens’ wahrgenommen, wobei die daraus resultierende positive Reputation dazu beitragen kann, weniger in den Fokus konfrontativer NGOs zu geraten bzw. Kampagnen abzumildern“, heißt es in der Saarbrücker Studie. Die Unternehmen versuchen durch derartige Kooperationen jedoch nicht nur, Konfrontationen mit NGOs zu vermeiden, sondern auch gesellschaftliche Trends aufzuspüren beziehungsweise nachhaltigere Geschäftspraktiken zu implementieren, um somit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu erlangen.
Pressekontakt:
Dipl.-Kfm. Stefan Kolb
Institut für Handel & Internationales Marketing (H.I.Ma.)
Tel.: (0681) 3023812
E-Mail: s.kolb@mx.uni-saarland.de

Thorsten Mohr | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de
http://www.hima.uni-saarland.de/

Weitere Berichte zu: Konfrontation Missstände NGO foodwatch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie