Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirkungen der Kurzarbeit-Neuregelungen nicht überschätzen

17.06.2009
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) dämpft die Erwartungen an die Ausweitung der Kurzarbeitergeld-Bezugsdauer auf 24 Monate und die vollständige Übernahme der Sozialabgaben nach sechs Monaten durch die Bundesagentur für Arbeit.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie schreiben die IAB-Arbeitsmarktexperten Andreas Crimmann und Frank Wießner, man solle die Wirkungen nicht überschätzen: "Je länger die Krise andauert, desto weniger kann Kurzarbeit die Folgen abfedern."

Kurzarbeit sei zwar das Arbeitsmarktinstrument der Stunde. Dass die Arbeitslosigkeit trotz der schweren Wirtschaftskrise bislang nur vergleichsweise gering gestiegen ist, sei maßgeblich auf Kurzarbeit zurückzuführen.

Die derzeit 1,1 Millionen Kurzarbeiter entsprechen der Studie zufolge bei einem Arbeitsausfall von durchschnittlich einem Drittel der Arbeitszeit rechnerisch einer Verringerung der Arbeitslosigkeit um rund 400.000. Die Nürnberger Forscher sehen in dem Instrument jedoch kein arbeitsmarktpolitisches Allheilmittel: "Kurzarbeit kann den Unternehmen helfen, die Krise besser zu bewältigen. Sie kann aber Arbeitsplätze nicht nachhaltig sichern, wenn dauerhafte Beschäftigungsperspektiven fehlen."

Auch beim Thema Weiterbildung während Kurzarbeit warnen Crimmann und Wießner vor überzogenen Erwartungen: "Die Förderung ist grundsätzlich sinnvoll, kann aber nur unter bestimmten Bedingungen positive Wirkung entfalten." Unternehmen würden Wert auf möglichst betriebsnahe Qualifizierungen legen. Das betriebsspezifische Know-how habe den größten Nutzen wiederum am angestammten Arbeitsplatz. Sollte dieser trotz aller Gegenmaßnahmen der Krise doch noch zum Opfer fallen, werde die Beschäftigungsfähigkeit der Betroffenen durch betriebsbezogene Bildungsinvestitionen nicht wesentlich verbessert.

Die Neuregelung, dass ab dem siebten Monat Kurzarbeit auch ohne Qualifizierungsmaßnahmen die Sozialabgaben des Arbeitgebers vollständig durch die Bundesagentur für Arbeit übernommen werden, reduziere tendenziell die Neigung der Betriebe, bei lang andauernder Kurzarbeit auch längere Qualifizierungsmaßnahmen durchzuführen.

Umfangreiche Qualifizierungen dürften allerdings ohnehin die Ausnahme sein, legen zumindest IAB-Daten aus einer repräsentativen Betriebsbefragung im Jahr 2003 nahe: Damals bildeten nur fünf Prozent aller Betriebe, in denen kurzgearbeitet wurde, ihre Kurzarbeitenden weiter.

Die IAB-Studie steht im Internet unter http://doku.iab.de/kurzber/2009/kb1409.pdf

Wolfgang Braun | idw
Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2009/kb1409.pdf
http://www.iab.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen