Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Willensstärke ist Einstellungssache

26.10.2010
Gezieltes Willenstraining macht stark in schwierigen Momenten

Wie stark der Wille eines Menschen ist, hängt ganz davon ab, wie viel er diesem zutraut. Das behaupten Forscher der Universität Zürich in der Zeitschrift "Psychological Science". Ihren Forschungen zufolge widerstehen Menschen besser Versuchungen und Ablenkungen, wenn sie ihre Willenskraft als nicht beschränkte Ressource sehen. "Wer glaubt, der Wille hat seine Grenzen, ermüdet bei geistig herausfordernden Aufgaben eher", berichtet die Studienleiterin Veronika Job.

Unterstützung für die Motivation

In einer Testreihe erhoben die Forscher zunächst, welche Einstellung Studenten zu ihrer Willensstärke hatten und beeinflussten diese durch Vorinformationen auch gezielt. Ein Teil der Untersuchten war überzeugt, dass Willenskraft eine natürliche Obergrenze hat. Gegenüber jenen, die glaubten ihren Willen selbst in der Hand zu haben, schnitten sie in Konzentrationstests schlechter ab, ermüdeten eher, ernährten sich ungesünder und schoben unangenehme Aufgaben um ein Drittel mehr für später auf.

"Man sollte Menschen helfen, die eine Stärkung des Willens für ihren Alltag brauchen", fordert Job. Besonders betroffen seien etwa Diabetiker, die Ernährungspläne einhalten müssen, Menschen die einer Sucht widerstehen, Studenten bei übervollen Stundenplänen oder Angestellte mit knappen Zeitvorgaben. "Willenskraft kann der Motivation überall dort zu Hilfe kommen, wo sie in Gefahr läuft zu scheitern und dadurch eine Aufgabe nicht erfüllen zu können", erklärt der Motivationsforscher Jürgen Beckmann von der TU München http://www.sp.tum.de gegenüber pressetext.

Disziplin ermüdet, Regulation stärkt

Willenskraft hat für Beckmann sehr unterschiedliche Facetten. Eine davon ist die als "preußische Selbstdisziplin" bekannte Selbstkontrolle. "Sie lähmt alle Gedanken, die dem Willen entgegenstehen, so ganz nach Immanuel Kants 'Ich kann, weil ich will, was ich muss'. Da dieser Zwang viel Energie beansprucht, ermüdet man mit der Zeit", so der Experte. Die zweite Facette, die Selbstregulation, ist hingegen theoretisch unbegrenzt vorhanden. "Die Regulation geht den positiven Weg, unterstützende Ressourcen zu mobilisieren. Das geschieht, wenn man etwa nach Anreizen und Zielen sucht, warum eine Tätigkeit toll ist."

Körper kann den Willen stählen

Da die Selbstregulation nicht nur im Sport, sondern auch im Berufsleben und privaten Alltag wichtig ist, suchen Psychologen schon lange Möglichkeiten ihres gezielten Trainings. Es gibt gleich mehrere Formen dafür, betont Beckmann. "Besonders in schwierigen Situationen hilft es, positive Gefühle zu aktivieren und Stress zurückzunehmen. Ein weiterer Weg ist die Selbstführung, bei der man sich etwa vor Augen führt: Was willst du? Was macht dich aus? Oder: Welche Strategien helfen mir weiter?"

Auch über den Körper kann man die Selbstregulation verbessern, etwa durch die aufrechte Haltung der Wirbelsäule oder eine stolz geschwellte Brust. Laut einer aktuellen Studie im "Journal of Consumer Research" hilft das Anspannen einzelner Muskeln im Entscheidungsmoment. Beckmann ist mit seinem Osnabrücker Kollegen Julius Kuhl zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. "Das Ballen der linken Hand zur Faust aktiviert das motorische Zentrum der rechten Hirnhemisphäre, das eigene Wünsche repräsentiert. Fußballer, die bei einem Elfmeter im Spiel die linke Faust ballen, treffen eher."

Kurzfassung der Studien unter http://pss.sagepub.com/content/early/2010/09/28/0956797610384745.abstract sowie https://www.jcr-admin.org/pressreleases/101810121844_Hungrelease.pdf

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.psychologie.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics