Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Wegwerf-Verhalten auf der Spur

07.01.2014
Während in vielen Teilen der Erde Lebensmittel knapp bemessen sind, landen in den westlichen Industrieländern auch Nahrungsmittel auf dem Müll, die noch einwandfrei sind. Obst und Gemüse werden besonders häufig entsorgt.

Dies haben Fraunhofer-Forscher in einer Studie herausgefunden, die das Wegwerf-Verhalten der Verbraucher unter die Lupe nimmt und mögliche Ursachen feststellt. Ihre Ergebnisse und Lösungsansätze präsentieren sie vom 17. bis 26. Januar auf der Grünen Woche in Berlin (Halle 5.2a, Stand 110).


Viele verpackte Produkte landen im Müll, obwohl sie noch gut sind. © Fraunhofer ISC

Frische Pfirsiche im Winter? Exotische Gewürze für das Thai-Curry? In einem gut sortierten Supermarkt bleiben in punkto Lebensmittelangebot kaum noch Wünsche offen. Vorteilhafte Beleuchtung, die Frischwaren besonders appetitlich aussehen lässt, ansprechende Verpackungen und Aktionsangebote sollen die Kauflaune des Kunden dabei zusätzlich stimulieren. Doch der konsumorientierte Umgang mit Lebensmitteln hat auch negative Aspekte: Viele Produkte landen im Müll, obwohl sie noch genießbar sind. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit ein Drittel der produzierten Lebensmittel entsorgt wird, ohne konsumiert zu werden – vor allem in den reichen Industrieländern.

Obst und Gemüse werden besonders häufig weggeworfen

Doch warum landen eigentlich so viele Lebensmittel im Müll? Forscher der Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS in Alzenau und der Universität Gießen haben sich mittels einer Restabfallsortierung auf Spurensuche begeben: »In einer Studie haben wir insgesamt fünf Tonnen Restmüll auf seine biogenen – also tierischen oder pflanzlichen – Anteile untersucht, um herauszufinden, welche Produkte besonders häufig entsorgt werden. Die Ergebnisse sollen als Basis dienen, um mögliche Ursachen für diese Lebensmittelverschwendung ausfindig zu machen«, erläutert Projektleiterin Frances Vaak von der Projektgruppe IWKS, die zum Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC gehört. Bei einer ersten Sortierung des Restmülls entfielen 30 Gewichtsprozent (in Gewicht gemessener prozentualer Anteil) auf biogenes Material – dazu zählen jedoch nicht nur Lebensmittel, sondern auch Grünschnitt. Darüber hinaus gibt es auch bei Lebensmitteln unvermeidbare Abfälle, nicht essbare Bestandteile wie Knochen oder Schalen. Im Fokus der Studie standen vermeidbare Lebensmittelabfälle – also Nahrungsmittel, die zum Zeitpunkt der Entsorgung noch verzehrfähig waren.

In diese Kategorie fielen 50 Prozent des gesamten biogenen Mülls. Mit einem Anteil von 28 Gewichtsprozent wird am häufigsten Obst- und Gemüse weggeworfen, gefolgt von Backwaren mit 20 Prozent. Eine mögliche Erklärung dafür ist die relativ kurze Haltbarkeit dieser Produktgruppen. Der Anteil von Fleisch und Wurstwaren sowie Milchprodukten im biogenen Abfall macht 11 beziehungsweise 10 Gewichtsprozent aus. 14 Gewichtsprozent entfallen auf zubereitete Speisen und Tellerreste. Der übrige Anteil verteilt sich auf Süßwaren, Getränke und sonstige, nicht eindeutig klassifizierbare Bestandteile.

Die Forscher machten aber noch eine weitere interessante Entdeckung: Wie sich der Müll zusammensetzt, hängt stark von der Wohn- und Lebenssituation ab. So werden etwa in Einfamilienhäusern grundsätzlich weniger Lebensmittel über den Restmüll entsorgt als beispielsweise in Mehrfamilienhäusern oder Wohnblöcken. Dies lässt auf einen bewussteren Umgang mit Nahrungsmitteln sowie ein besseres Sortierungsverhalten schließen. Und während in Wohngegenden mit überwiegend gut situiertem Publikum eher teurere Fertigprodukte im Müll landen, ist in »ärmeren« Haushalten der Anteil an Obst oder Gemüse höher. Nicht zuletzt die Lebensform beeinflusst das Wegwerf-Verhalten: Familien entsorgen tendenziell eher Obst und Gemüse, bei Single-Haushalten ist der Anteil an Fertiggerichten höher. Quer durch alle untersuchten Haushalte fanden sich auffällig viele noch geschlossene Produkte im Restmüll. Ansatzpunkte, um den Lebensmittelanteil im Müll einzudämmen, sehen die Forscher vor allem in einer besseren Verbraucher- information zu richtiger Lagerung von Frischprodukten und zur Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Zertifizierungssystem für Unternehmen

Auch Hersteller können einen wesentlichen Beitrag leisten, um Lebensmittelabfälle zu minimieren. Um die komplette Herstellungs- und Wertschöpfungskette in der Nahrungsmittelproduktion zu verbessern, hat die Fraunhofer-Projektgruppe IWKS speziell für Unternehmen das Zertifizierungssystem »s:Lim - say: Less is more« entwickelt. Dabei werden unter dem Gesichtspunkt des nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen alle Aspekte von der Herstellung bis zur Entsorgung unter die Lupe genommen. Die Forscher prüfen unter anderem, wie sich die Produktionsprozesse und Materialströme optimieren lassen, wie der Hersteller umweltschädliche Emissionen reduzieren, den Verbrauch von Energie und Wasser senken kann und an welcher Stelle im Produktionsprozess sich unnötiger Abfall vermeiden lässt. Unternehmen, die das System implementieren, erhalten ein Zertifikat für den ressourcenschonenden Umgang. Auf der Grünen Woche in Berlin präsentiert die Projektgruppe in Halle 5.2a, Stand 110 zentrale Erkenntnisse aus ihrer Arbeit und stellt ihr Zertifizierungskonzept vor.

Frances Vaak | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2014/Januar/wegwerf-verhalten.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Europas demografische Zukunft
25.07.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie