Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wandelbarkeit des Wintertourismus

17.11.2011
Skitouristen reagieren beim Wintersportangebot auf die Empfehlungen von anderen Touristen und Umweltschutzorganisationen.

Ein Teil von ihnen ist bereit, mehr für ein nachhaltiges Angebot zu zahlen, wobei das eigentliche Skifahren nicht betroffen sein sollte. Dies zeigt eine kürzlich publizierte Studie der HTW Chur und ETH Zürich. Die Resultate geben den Wintersportdestinationen Hinweise für Neuerungen und Anpassungen ihres Angebotes.

Der Klimawandel zwingt manche Wintertourismusdestinationen, ihr Angebot zu überdenken. Ein Hindernis aber, damit die Tourismusanbieter neue nachhaltige Produkte und Dienstleistungen entwickeln, besteht im mangelnden Wissen über die Bedürfnisse und Entscheidungskriterien der Wintertouristen. Orientieren sich diese an reinen Sachinformationen zum Ort oder reagieren sie auf Empfehlungen? Sind sie bereit mehr zu bezahlen oder Abstriche im Angebot zu machen, wenn das Angebot umweltfreundlicher ist?

Solchen Fragen ging eine kürzlich publizierte Studie nach, die Tobias Luthe vom Institut für Tourismus und Freizeitforschung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur und Felix Schläpfer vom Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich und dem Departement Wirtschaft der Fachhochschule Kalaidos in Zürich durchführten.

Befragung von 2400 Skitouristen

Für ihre Untersuchung befragten die Forscher übers Web rund 2400 Skitouristen, die direkt in Skiorten oder in einschlägigen Publikationen wie dem Magazin des Deutschen Skiverbandes rekrutiert worden waren. Die Befragten mussten jeweils mehrmals entscheiden, welches von zwei fiktiven Wintersportgebieten sie bevorzugen würden oder ob sie gar keines der beiden wählen würden. Die Wintersportgebiete waren anhand verschiedener Faktoren charakterisiert worden, wie dem Preis, der Anreisedauer, Alternativen zum Skisport, dem Einsatz von Beschneiungsanlagen oder dem Einsatz erneuerbarer Energien für den Liftbetrieb. Die Befragten wurden zusätzlich in drei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe erhielt nur die Charakterisierung des Gebietes, die zweite zusätzliche Informationen von anderen Touristen und die dritte von Umweltschutzorganisationen.

Aufgepasst auf negative Beurteilung durch andere Touristen

Die Auswertung ergab, dass Zusatzinformationen die Wahl signifikant beeinflussen. In 7 von 19 präsentierten Wahlsituationen veränderte beispielsweise eine positive Empfehlung einer Umweltschutzorganisation das Wahlverhalten. Negative Beurteilungen fielen vor allem ins Gewicht, wenn sie von anderen Touristen stammten. Die Empfehlungen der Umweltschutzorganisationen und der Touristen veränderten die Entscheidungen von bis zu 28 Prozent der Befragten. Grundsätzlich zeigten die Befragten auch eine Tendenz, mehr für nachhaltige Angebote zu bezahlen, was durch Empfehlungen der Umweltschutzorganisationen und anderer Touristen noch verstärkt wurde. Die erhöhte Zahlungsbereitschaft für mehr Nachhaltigkeit war aber nicht mehr vorhanden, wenn sich die Skigebiete in Faktoren unterschieden, welche die Qualität des Skifahrens selbst betrafen wie beispielweise der Pistenunterhalt oder die Grösse des Skigebietes.

In Zukunft mit Umweltlabel?

Für die Studienautoren zeigen die Resultate, dass Wintertouristen sich nicht einfach wie der ideale Konsument der Wirtschaftstheorie an Faktenwissen orientieren, sondern sich durch Empfehlungen beeinflussen lassen. Insofern kann es sich für die Wintersportgebiete durchaus lohnen, ihre Nachhaltigkeitsbemühungen von unabhängigen Umweltschutzorganisationen beglaubigen zu lassen. Generell ist insbesondere eine transparente und glaubwürdige Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen durch die touristischen Anbieter anzustreben. Denn in der Generation des kompletten touristischen Leistungspakets ist der Kunde ein mündiger und interessierter Partner.

Vorläufig scheint aber die Bereitschaft der Skitouristen noch nicht vorhanden zu sein, zugunsten der Nachhaltigkeit das eigentliche Skifahrerlebnis einzuschränken. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass Wintertourimusdestinationen nicht neue nachhaltige Angebote schaffen sollten. Denn die Umfrage beschränkte sich auf Skitouristen, was bedeutet, dass möglicherweise andere potenzielle Gäste durchaus auf neue nachhaltige Angebote ansprechen würden.

Auskunft:

Tobias Luthe
Institut für Tourismus- und Freitzeitforschung
HTW Chur
Tel +41 77 4689 259
Email: tobias.luthe@htwchur.ch
Lit: Luthe, T., and Schläpfer, F. (2011): “Effects of third-party information on the demand for more sustainable consumption: a choice experiment on the transition of winter tourism”. Environmental Innovation and Societal Transitions, Volume 1, Issue 2. DOI: 10.1016/j.eist.2011.10.002

Christoph Meier | idw
Weitere Informationen:
http://www.htwchur.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie