Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorsorgeimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs wird gut angenommen

25.08.2008
Die Mehrzahl junger Frauen in Mecklenburg-Vorpommern lässt sich gegen Viren impfen, die Gebärmutterhalskrebs verursachen.

Das ergab eine Untersuchung des Instituts für Politik- und Kommunikationswissenschaft der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Rund 70 Prozent aller befragten Frauen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren gaben an, dass sie bereits geimpft sind.

Welche gesundheits- und gesellschaftspolitischen Möglichkeiten sind geeignet, Frauen besser in Präventionsmaßnahmen gegen Gebärmutterhalskrebs zu integrieren? Welchen Beitrag kann diesbezüglich die neue Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) leisten? Das sind die zentralen Fragen des Forschungsprojektes "Gesundheitspolitik und Krebsprävention - Modellfall Cervixkarzinom".

Im Rahmen der Untersuchung wurden in Mecklenburg-Vorpommern 760 Frauen im Alter zwischen 14 und 65 Jahren sowohl zu ihren Einstellungen als auch zu ihrem Wissen und ihrem Verhalten bezüglich der Prävention befragt.

Die Untersuchung ergab, dass die HPV-Impfung unter den Frauen in Mecklenburg-Vorpommern eine hohe Akzeptanz findet. Zum Zeitpunkt der Umfrage (Februar 2008) waren bereits 68 % der Befragten im Alter zwischen 14 und 17 Jahren gegen HPV geimpft.

"Auch wenn viele ältere Frauen die HPV-Impfung für sich selbst nicht in Betracht ziehen, würden zwei Drittel aller Befragten ihre Töchter auf jeden Fall gegen HPV impfen lassen. Das spricht dafür, dass sie von dem Nutzen dieser Impfung überzeugt sind. Zudem befürwortet eine große Mehrheit der Frauen das Anbieten der HPV-Impfung in Schulen und durch Gesundheitsämter." Das erklärt Kati Kuitto, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Politik- und Kommunikationswissenschaft.

Die Ergebnisse der Studie zeigen weiter, dass neben dem Lebensalter vor allem Einstellungen, aber auch Wissen und die subjektive Risikoeinschätzung entscheidend für die Inanspruchnahme der Präventionsmöglichkeiten sind. Negative oder gleichgültige Einstellungen zur Krebsvorsorge bzw. zur Gesundheit im Allgemeinen führen zur Vernachlässigung der Krebsfrüherkennungsuntersuchung sowie zu einer ablehnenden Haltung gegenüber der HPV-Impfung. Durch gezielte Information lassen sich verhaltenswirksame Einstellungen grundsätzlich positiv beeinflussen. Allerdings sind die Kenntnisse über die Infektion mit HPV als Ursache für Gebärmutterhalskrebs sowie über die Übertragungsmöglichkeiten und den richtigen Schutz gegen HPV unter den Befragten eher mangelhaft.

"Gebärmutterhalskrebs stellt für eine Studie über Gesundheitsprävention einen besonders interessanten Fall dar, denn er ist eine bei Frauen relativ häufig vorkommende Krebserkrankung, die aber zugleich durch konsequente Vorsorge gut vermeidbar ist. Entscheidend ist sowohl bei der Krebsfrüherkennung als auch bei der Impfung das individuelle Verhalten, das durch eine aktive Gestaltung günstiger gesundheits- und gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen optimiert werden kann", erklärt Projektleiter Prof. Dr. Detlef Jahn.

Im weiteren Verlauf des Projekts werden anhand einer schriftlichen Expertenbefragung ärztliche Ansichten zu wirksameren Möglichkeiten der Prävention von Gebärmutterhalskrebs und zur Rolle der HPV-Impfung ermittelt. Weitere Erkenntnisse liefern Tiefeninterviews mit Fachleuten aus der medizinischen Forschung und Praxis, aus der Gesundheitspolitik und dem öffentlichen Gesundheitsdienst.

Die Studie wird von den Politikwissenschaftlerinnen Kati Kuitto und Dr. Susanne Pickel durchgeführt. Projektleiter ist Prof. Dr. Detlef Jahn. Angesiedelt ist das Projekt im Rahmen der von Prof. Dr. Hans-Robert Metelmann initiierten interdisziplinären Arbeitsgruppe Cancer Politics.

Außerdem arbeitet die Projektgruppe mit dem Ministerium für Soziales und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern sowie mit Wissenschaftlern des Instituts für Community Medicine der Universität Greifswald zusammen.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung:
Die Teilnahme der Frauen an der Früherkennungsuntersuchung von Gebärmutterhalskrebs (Screening) ist in Mecklenburg-Vorpommern relativ positiv zu bewerten - 72,8 % der Befragten geben an, innerhalb der letzten 12 Monate beim Frauenarzt an der Früherkennungsuntersuchung teilgenommen zu haben. Ältere Frauen nehmen die Früherkennungsuntersuchung deutlich weniger regelmäßig wahr.

Als Gründe für die Nicht-Teilnahme nannten die Befragten vor allem "Ich fühle mich gesund" (66,3 %), "Eine Untersuchung beim Frauenarzt ist mir unangenehm" (38,1 %), "Ich vergesse es immer, einen Termin zu vereinbaren" (27,7 %) sowie "Ich habe Angst vor eventuellen Krankheitsbefunden" (14,7 %). 7,4 % gaben sogar an, nicht gewusst zu haben, dass man in regelmäßigen Abständen an einer Früherkennungsuntersuchung teilnehmen sollte.

Das bedeutet: Frauen jeden Alters müssen verstärkt zu einer regelmäßigen Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen bewegt werden. Das kann erreicht werden, indem sie beispielsweise besser über die Relevanz und den Nutzen der Früherkennung informiert und/oder durch ein Einladungssystem zu einer Teilnahme am Screening aufgefordert werden.

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Institut für Politik- und Kommunikationswissenschaft
Kati Kuitto und Dr. Susanne Pickel
Telefon 03834 86-3156/-3154
Telefax 03834 86-3153
Baderstraße 6/7, 17487 Greifswald
kuitto@uni-greifswald.de
spickel@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.frauenaerzte-im-netz.de/
http://www.phil.uni-greifswald.de/Gesundheitspolitik_und_Krebspr.3873.0.html
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Berichte zu: Cervixkarzinom Gebärmutterhalskrebs HPV HPV-Impfung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau