Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Verwundbarkeit der Wirtschaft durch "Peak Oil"

28.10.2013
In den Industriegesellschaften sind große Teile der Wirtschaft von Erdöl abhängig: Der Rohstoff dient als Heizmaterial in Haushalten, stellt Treibstoff für Verkehrs- sowie Transportmittel bereit und ist Grundstoff in der chemischen Industrie.

Als fossiler, nicht nachwachsender Rohstoff steht Erdöl nur begrenzt zur Verfügung. Welche Bedrohungen für ein gesamtwirtschaftliches System entstehen können, wenn die maximale Förderrate der weltweiten Erdölproduktion – der sogenannte Peak Oil – erreicht ist, zeigt die Studie „Economic vulnerability to Peak Oil“.

Die Ergebnisse von Erstautor Dr. Christian Kerschner, derzeit Fellow am Integrativen Forschungsinstitut zu Transformationen von Mensch-Umwelt-Systemen (IRI THESys), wurden nun in der aktuellen Ausgabe der Global Environmental Change veröffentlicht. Ebenfalls an der Studie beteiligt sind Christina Prell, Kuishuang Feng und Klaus Hubacek von der University of Maryland, USA.

Am Beispiel des US-amerikanischen Wirtschaftsmarktes identifiziert das internationale Forscherteam Sektoren, deren Verwundbarkeit in Bezug auf das Phänomen Peak Oil besonders hoch ist: „Die US-Wirtschaft als weltweit größter Ölkonsument ist ein gutes Beispiel für eine Wirtschaftsform mit hoher Ressourcenabhängigkeit“, erklärt Dr. Christian Kerschner. „Kommt es zur Erdölknappheit bedingt durch Peak Oil, droht ein Zusammenbruch der Versorgungsketten.

So sind beispielsweise die Sektoren Eisenhütten, Chemie- und Plastikindustrie, Düngemittelproduktion sowie Luftverkehr besonders abhängig von der Erdölförderung und somit außerordentlich anfällig. Sie stellen für die gesamte US-Wirtschaft ein Risiko dar“, sagt der Ökologische Ökonom. Diese Wirtschaftszweige sind einerseits von großer finanzieller und struktureller Wichtigkeit, andererseits werden sich ihre Produkte maßgeblich beim Erreichen des Peak Oil verteuern.

Laut Studie können diese Risiken für ein Wirtschaftssystem jedoch verringert werden: „Hierfür müsste die strukturelle und finanzielle Bedeutung der als anfällig herausgearbeiteten Sektoren reduziert werden“. Ein Beispiel: Die Bedeutung synthetischer Düngemittelproduktion könnte sich verkleinern, wenn stattdessen biologische Anbaupraktiken adäquat gefördert würden.

„Unsere Erkenntnisse bieten ein Frühwarnsystem für die gefährdeten Sektoren und für jene, die von ihnen abhängen. Unser Ziel ist es, Regierungen, die Öffentlichkeit und Unternehmen über die Gefahren zu informieren und ihnen Werkzeuge für einen politischen Peak-Oil-Aktionsplan zur Verfügung zu stellen und somit die Weichen für eine sichere wie nachhaltigere Wirtschaft zu stellen“, fasst Dr. Christian Kerschner zusammen.

Das Analyseinstrumentarium der Forschergruppe ist nicht nur auf das Phänomen Peak Oil beschränkt. Der Ansatz lässt sich darüber hinaus auf andere Umweltherausforderungen übertragen. So kann das Modell um weitere Analysedimensionen ergänzt werden, die beispielsweise konkrete Aussagen zur wirtschaftlichen Verwundbarkeit in Hinblick auf den Themenkomplex Klimawandel zulassen.

Publikation
Kerschner, C., Prell, C., Feng, K., Hubacek, K., 2013. Economic vulnerability to Peak Oil. Global Environmental Change.
Kontakt
Dr. Christian Kerschner
Humboldt-Universität zu Berlin
IRI THESys
Tel.: 030 2093-66349
christian.kerschner@hu-berlin.de
Susanne Cholodnicki
Humboldt-Universität zu Berlin
Pressereferentin
Tel.: 030 2093-2332
susanne.cholodnicki.1@hu-berlin.de
Weitere Informationen:
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378013001544
Studie „Economic vulnerability to Peak Oil“

Hans-Christoph Keller | idw
Weitere Informationen:
http://www.hu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie