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Vergleichsstudie gestartet: Warum gehen Patienten in Deutschland so oft zum Arzt?

16.03.2012
Warum gehen Patienten in Deutschland so oft zum Arzt? Dieser Frage möchten die Forscher des Instituts für Allgemeinmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg um Dr. Wolfram Herrmann in einer Vergleichsstudie nachgehen.

Deutsche gehen durchschnittlich achtzehn Mal im Jahr zum Arzt. Das ist im internationalen Vergleich Spitze. Diese hohe Rate an Arztbesuchen verursacht hohe Kosten und führt bei niedergelassenen Ärzten zum sogenannten Hamsterradeffekt: Immer mehr Patientenkontakte werden in immer kürzerer Zeit abgearbeitet. Die Gesundheitspolitik versuchte dieser Entwicklung u.a. mit der Praxisgebühr erfolglos entgegenzusteuern.

Dabei ist jedoch bis heute unklar, warum die Deutschen überhaupt so viel öfter zum Arzt gehen als Patienten in anderen Ländern. Diese Frage möchte Dr. Wolfram Herrmann mit seiner Arbeitsgruppe am Institut für Allgemeinmedizin der Otto-von-Guericke-Universität im Forschungsprojekt "Subjektive Patientenkonzepte zur Inanspruchnahme hausärztlicher Versorgung - eine qualitative Vergleichsstudie zwischen Deutschland und Norwegen" beantworten. Das Projekt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert und startete am 15. März 2012.

"Norwegen eignet sich gut, um es wissenschaftlich mit Deutschland zu vergleichen", erklärt Dr. Herrmann. "Die Lebenserwartung ist in Deutschland und Norwegen gleich hoch, wobei die Deutschen achtzehn Mal im Jahr zum Arzt gehen und die Norweger nur fünf Mal." Zur Beantwortung ihrer Frage wird die Arbeitsgruppe um Dr. Herrmann die beiden Gesundheitssysteme vergleichen, mit Patienten in Deutschland und Norwegen ausführliche qualitative Interviews führen und das Geschehen in deutschen und norwegischen Allgemeinarztpraxen beobachten. "Wir erwarten, dass kulturelle Faktoren eine wichtige Rolle dabei spielen", sagt Dr. Herrmann. Er hofft, mit seinen Ergebnissen einen Beitrag zur Erklärung der hohen Arzt-Patienten-Kontakte zu leisten und das Feld der vergleichenden Versorgungsforschung weiterzuentwickeln.

Dr. med. Wolfram Herrmann hat Medizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin und der Universität Islands studiert. Er promovierte im Graduiertenkolleg „Multimorbidität im Alter“ an der Charité-Universitätsmedizin Berlin zum Thema "Guter Schlaf - Subjektive Konzepte und Erfahrungen von Pflegeheimbewohnerinnen und Pflegeheimbewohnern". Er war Gastwissenschaftler an der Universität Bergen und der Johns-Hopkins-University in Baltimore. Dr. Herrmann ist in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, seit Dezember 2011 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemeinmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Das Institut für Allgemeinmedizin (Direktoren: Prof. Dr. Markus Herrmann MPH, M.A. und Prof. Dr. Thomas Lichte) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wurde 2005 gegründet. Das Institut engagiert sich in der Lehre für Medizinstudierende in den Fächern Allgemeinmedizin, Medizin des Alters, Naturheilverfahren und Palliativmedizin. Forschungsschwerpunkte des Instituts sind Lehrforschung, Professionsforschung und Versorgungsforschung.

Zum Projekt: Das Forschungsprojekt wird am Institut für Allgemeinmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg durchgeführt. Kooperationspartner sind Professor Uwe Flick von der Alice Salomon Hochschule Berlin und Professor Anders Bærheim von der Universität Bergen in Norwegen. 2010 wurde die Forschungsidee von Dr. Herrmann als einer der 20 besten von 121 Einsendungen für die DFG-Nachwuchsakademie Versorgungsforschung ausgewählt, und ihm wurde dadurch die Entwicklung dieses Forschungsprojektes ermöglicht.

Im Internet: https://wikis.ovgu.de/spihv/doku.php

Kontakt für Rückfragen: wolfram.herrmann@med.ovgu.de

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/

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