Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ursachen für erhöhte Krebsraten bei Kindern in der Nähe von Atomkraftwerken weiter unklar

09.10.2008
Strahlenschutzkommission bestätigt zentrale Ergebnisse der Kinderkrebs-Studie (KiKK)

Die Strahlenschutzkommission (SSK) hat die im Dezember 2007 von Bundes-umweltminister Sigmar Gabriel erbetene Bewertung der epidemiologischen Studie „Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken“, kurz „KiKK-Studie“, vorgelegt.

Die SSK bestätigt darin die zentrale Aussage der Studie, dass es aufgrund von Statistiken im Umkreis um die Standorte von Atomkraftwerken (AKW) ein erhöhtes Leukämierisiko für Kinder unter fünf Jahren gibt. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist im 5-km-Umkreis um die Standorte der Kraftwerke erhöht. Eine wissenschaftlich nachvollziehbare Ursache für diese Beobachtung gibt es nach Auffassung der SSK nicht, weil die Strahlenexposition der AKW viel zu gering ist, um Leukämie auslösen zu können.

Das Bundesumweltministerium (BMU) sieht auf der Basis der Überprüfungen keinen Anlass, in der Umgebung der deutschen AKW neue Maßnahmen im Strahlenschutz zu veranlassen, zum Beispiel eine Verschärfung der bestehenden Grenzwertregelungen, da die Strahlenexposition aus einem AKW die festgestellten Leukämie-Erkrankungen nicht erklären kann.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hatte die SSK beauftragt, die Studie insbesondere im Hinblick auf das Studienkonzept einschließlich der Qualität und Belastbarkeit der verwendeten Daten zu prüfen. Die Prüfung erstreckte sich auch auf die Frage, ob Strahlung eine Ursache für die zusätzlichen Krebserkrankungen sein könnte.

Das BMU bedauert, dass die Ursachen der festgestellten Leukämie-Erkrankungen weiterhin im Unklaren bleiben. Leider haben auch die weltweiten Forschungsanstrengungen hierzu bisher keine Erklärungsmuster geliefert. Diese Feststellung wurde unter anderem auch auf einer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen mit dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) durchgeführten internationalen Kongress im Mai 2008 be¬stätigt. Vor diesem Hintergrund gibt es keine Alternative dazu, auf breiter Grundlage die Ursachenforschung zu verstärken.

Die SSK kommt nach intensiver Prüfung der Studie, zur der auch ausländische Experten hinzuge-zogen wurden, in einer umfangreichen Stellungnahme unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

- Die Auswertung der Daten von Krebshäufigkeiten in der Umgebung von Atomkraftwerken aus 24 Jahren bestätigt das Ergebnis früherer Studien, dass, statistisch gesehen, für Kinder unter fünf Jahren im 5-km-Umkreis um die Standorte ein erhöhtes Risiko besteht.

- Alle von der SSK geprüften Sachverhalte zeigen, dass durch die von AKW erzeugte Strahlen-exposition das in der KiKK-Studie beobachtete Ergebnis nicht erklärt werden kann.

- Das vorgegebene Studienkonzept der KiKK-Studie weist hinsichtlich Expositionsbestimmung und Erhebung von Einflussfaktoren zahlreiche methodische Schwächen auf. Die Durchführung der Studie entspricht gleichwohl guter epidemiologischer Praxis und das Konzept ist geeignet, eine Abstandsabhängigkeit zu analysieren.

Eine etwa 400-seitige wissenschaftliche Begründung wird zurzeit redaktionell überarbeitet und soll spätestens Mitte November 2008 rechtzeitig vor einer öffentlichen Fachveranstaltung in Bonn am 16. Dezember 2008 vorliegen. Auf der Veranstaltung wird sich die SSK der Fachdiskussion stellen.

Michael Schroeren | BMU-Pressereferat
Weitere Informationen:
http://www.ssk.de
http://www.bfs.de
http://www.bmu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics