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Universitäre Lehrerausbildung auf dem Prüfstand

08.09.2010
Wie gut werden angehende Lehrer an der Universität auf ihren Beruf vorbereitet? Diesen Fragen ging eine Projektstudie im Fach „Geographie und ihre Didaktik“ an der Universität Trier unter Leitung von Maria Schlitt am Beispiel von Geographie-Studierenden auf den Grund. Zwei Ergebnisse vorweg: Die Studierenden wünschen sich einen stärken Bezug des Studiums auf die künftigen Anforderungen in den Schulen. Und: Studium und Referendariat sind nicht aus-reichend koordiniert. Die befragten Lehramtskandidaten studieren nach der alten Ordnung. Vor zwei Jahren wurde eine Reform der universitären Lehramtsausbildung umgesetzt. Deren Auswirkungen waren ebenfalls Thema der Studie.
Aus diesem Grund wurde im Fach Geographie und ihre Didaktik der Universität Trier unter der Leitung von Maria Schlitt eine Projektstudie initiiert. Darin gingen 26 Studierende des gymnasialen Lehramtes der Frage nach, wie die universitäre Ausbildung weiter verbessert werden und eine konkrete Verzahnung zwischen der ersten und der zweiten Ausbildungsphase aus studentischer Sicht umgesetzt werden kann. In Bezug auf die Optimierung der universitären Ausbildung erhielten die Gruppen vier unterschiedliche fachliche und fachdidaktische Themen wie didaktische Rekonstruktion eines Themenkomplexes, neue und klassische Medien, konstruktivistische Unterrichtsmethoden und Exkursionsdidaktik. Um sich anschließend der zweiten Frage nach den Verzahnungsmöglichkeiten zu nähern, musste zunächst einmal das allseits bekannte Gerücht widerlegt werden, dass die angehenden Lehrerinnen und Lehrer nach der Universität eine „Hölle“ erwarte. Eine gemeinsame Diskussionsrunde brachte die Tatsache ans Licht, dass es über das Referendariat viele Gerüchte und wenig handfestes Wissen gibt. Primäre Fragen wie zum Beispiel nach der konkreten Gestaltung der zweiten Phase oder nach den Anforderungen während der praxisbezogenen Ausbildung fungierten als roter Faden bei der Lösungsfindung. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Überlegung, auf welche fachlichen Grundlagen, die an der Universität vermittelt werden, Studierende zurückgreifen können.

Um Antworten zu bekommen, hatte die Gruppe die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Referendariatsausbildung am Staatlichen Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Trier zu schauen und an mehreren Fachseminarsitzungen teilzunehmen. Dadurch konnten sich die Teilnehmenden untereinander austauschen und wichtige Fragen zur bevorstehenden zweiten Phase der Ausbildung direkt mit dem Fachleiter Armin Huber und der lehrbeauftragten Fachleiterin Irina Roczen sowie der Referendargruppe des Jahrgangs 2010-2012 klären. Es war die erste Kooperation dieser Art überhaupt, was sich im großen Interesse auf beiden Seiten widerspiegelte.

Aus den Rückmeldungen zur allgemeinen Einschätzung ihres Studiums am Beginn der Projektstudie wurden viele bereits bekannte Schwachstellen der universitären Ausbildung thematisiert: Zu wenig Unterrichtspraxis im Studium, keine lehramtsbezogenen Veranstaltungen in den Fachwissenschaften, nicht genügend fachdidaktische Lehrangebote, keine klare Abstimmung zwischen den einzelnen Studienanteilen. Insgesamt resultierte daraus die Aussage, dass die Universität nicht die gewünschte Vorbereitung auf den Lehrerberuf gewährleistet. Im Folgenden werden nun die konkreten Ergebnisse aus den einzelnen Gruppen zusammenfassend dargestellt. Gleichzeitig können diese Aussagen mit den Reformzielen der neuen Lehrerinnen- und Lehrerausbildung verglichen und analysiert werden. Des Weiteren erlauben die Ergebnisse eine tiefergreifende Auseinandersetzung mit

der konkreten inhaltlichen Abstimmung der beiden Ausbildungsphasen des Lehramtsstudiums. Bei der bevorstehenden Reduzierung des zeitlichen Pensums im Referendariat von 24 auf 15 Monate wird es in der Zukunft unumgänglich sein, eine engere Verzahnung auf inhaltlicher Ebene vorzunehmen.

Beim Thema didaktische Rekonstruktion eines Themenkomplexes waren die Studierenden sich darüber einig, dass eine zu theoretische Behandlung des Unterrichtsstoffes nicht den gewünschten Erfolg mit sich bringt. Eine Möglichkeit, diesem Problem entgegenzuwirken, wäre eine gemeinsame Veranstaltung der Universität und des Studienseminars, in der zunächst in einem theoretischen Teil die fachlichen Grundlagen besprochen (Seminar) und diese im Anschluss in einem praktischen Teil (Vertiefendes Praktikum) erprobt werden könnten. Auf diese Weise wäre ein thematischer und zielgruppenorientierter Fokus gesichert, und die Studierenden könnten vom ganzheitlichen Einblick in Theorie und Praxis ein und desselben Themengegenstandes profitieren.
Die neu organisierten Studiengänge wirken schon jetzt diesem angesprochenen Problem entgegen. Eine wesentliche Veränderung, die die Reform mit sich brachte, war eine deutliche Ausdehnung der Pflichtpraktika. Studierende müssen bis zum Abschluss des Bachelor-Studiengangs drei Orientierungspraktika und zwei Vertiefende Praktika absolvieren. Sie gewinnen in dieser Zeit nicht nur Eindrücke in die Schulwirklichkeit und zahlreiche Unterrichtssituationen, sondern sie können auch schon didaktische Aufgabenstellungen umsetzen und durch selbst geplanten Unterricht im Vertiefenden Praktikum ihre fachlichen Kenntnisse unter Beweis stellen. Durch die Betreuung der Fachleiter in den Vertiefenden Praktika ergänzen sich die beiden Ausbildungsphasen bereits im Bachelor-Studiengang, wenn das Ausbildungsprogramm aufeinander abgestimmt wird. Dies wurde auch als eines der wichtigsten Ziele der Reform formuliert.
Weiterer Optimierungsbedarf besteht im lehramtsbezogenen Veranstaltungsangebot der Fachwissenschaft. Insbesondere solche Veranstaltungen, die mit den schulischen Lehr-plänen korrelierten, waren von den Studierenden selten bis gar nicht absolviert worden, was insbesondere aus den Rückmeldungen der Referendare zu hören war.

Auch in diesem Punkt könnte die Reform den gewünschten Erfolg mit sich bringen. Denn seit der Einführung der reformierten Studiengänge gilt in den Fächern das Basiscurriculum, das zum einen die geforderte allgemeine Einheitlichkeit und zum anderen eine klare fachwissenschaftliche und fachdidaktische Grundlegung der Studienfächer gewährleisten soll. Zusätzlich wird ein lehramtsspezifischer Schwerpunkt erst nach dem vierten Semester gesetzt, so dass ein gemeinsames Grundlagenstudium am Anfang als ein positiver Impuls für die Stärkung der universitären Ausbildung gesehen werden kann. Mit den gemeinsamen Curricularen Standards der Fächer wird den Studierenden auch der Wechsel zwischen den Hochschulstandorten des Bundeslandes erleichtert.

Weitere thematische Schwerpunkte der Arbeiten waren fachdidaktische Themen, wie Auswahl und Einsatz von klassischen und neuen Medien und deren methodische Umsetzung. Die Studierenden wünschen zum einen mehr Bezug zum klassischen Schulbuch und haben zum anderen auch erkannt, dass moderne Medien wie das nun immer öfter an Schulen eingesetzte Whiteboard noch nicht die notwendige ausführliche Erwähnung an der Universität finden.
Weitere Forderungen, die die Studierenden nach Teilnahme an den Fachseminaren des Studienseminars an die Universität stellen, sind die Berücksichtigung der konstruktivistischen Unterrichtsmethoden in den fachdidaktischen Veranstaltungen, die methodisch-didaktische Aufbereitung von Experimenten und eine Vermittlung der Grundlagen der Exkursionsdidaktik.

In Zukunft werden diese wohl eher erfüllt werden können. Denn nach dem Willen des Reformkonzepts soll die Rolle der Fachdidaktiken deutlich gestärkt werden. Nach der Einführung des modularisierten Studiums sind bereits jetzt neue Veranstaltungskonzepte entstanden, die in den Instituten sowohl inhaltlich als auch organisatorisch für neuen Aufschwung sorgen. Hier sollte jedoch – ähnlich wie bei dieser Projektstudie - die Perspektive der Studierenden bei der Weiterentwicklung des Veranstaltungsangebots berücksichtigt werden. Doch nicht nur der momentanen Umbruchsituation der Fachdidaktiken, sondern auch der Diskussion um das künftige verkürzte Referendariat können solche gemeinsamen Veranstaltungen und ihre Ergebnisse zugutekommen. Aus Sicht der Fachleiter diente die Veranstaltung im Wesentlichen dazu, sich über die Möglichkeiten der konkreten inhaltlichen Abstimmung beider Ausbildungsphasen Gedanken zu machen. Die bevorstehende Verkürzung des Referendariats wird zwangsläufig dazu führen, dass einige thematische Schwerpunkte ausschließlich der universitären Ausbildung überlassen werden müssen. So wäre zum Beispiel zu überlegen, die theoretische und praktische Behandlung solcher Themen wie Exkursionsdidaktik, konstruktivistische Unterrichtsmethoden oder Experimente an die Universität zu verlagern, um sich im Referendariat ausschließlich ihrer praktischen Anwendung im Unterricht zu widmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es trotz des spannenden Themas, das für alle Teilnehmenden von hohem Interesse war, nicht in allen Ansätzen ein Weg gefunden werden konnte, der alle Beteiligten in gleichem Maße zufriedenstellt. Doch bei einem Thema waren sich alle Studierenden einig: Die Ausbildung braucht mehr Verzahnung. Ob zwischen den fachlichen und allgemein bildungswissenschaftlichen Teilen der Ausbildung, zwischen den Praxisanteilen in der theoretischen Ausbildung oder auch zwischen den beiden Ausbildungsorten Universität und Studienseminar. Auch wenn diese Forderung nicht wirklich ein Novum ist, so kann der Appell dennoch als eine Herausforderung der neuen Reform betrachtet werden.
Bereits in der nächsten Zeit wird es möglich sein zu prüfen, ob die vielen neuen Reformansätze eine deutliche Verbesserung der Ausbildung nach sich ziehen. Die ersten Rückmeldungen aus dem Fach Geographie lassen zumindest jetzt schon darauf schließen, dass sich der Bachelorjahrgang trotz organisatorischer Anlaufschwierigkeiten auf einem guten Weg zum ersten Abschluss befindet. Für die Weiterentwicklung bedeutet dies dennoch, dass es an vielen Reformbaustellen der ersten und der zweiten Ausbildungsphase genug Arbeit gibt. Zwei Orientierungshilfen können dabei nützlich sein: der Dialog zwischen den Ausbildungsverantwortlichen der Universität und des Studienseminars sowie die Perspektive der Studierenden.

Von Maria Schlitt und Armin Huber

Peter Kuntz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-trier.de/

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