Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TARGET2-Securities kann das Kapitaldefizit durch Basel III um 33 Milliarden Euro reduzieren

03.09.2013
Im Hinblick auf das von der OECD prognostizierte Kapitaldefizit von 295 Milliarden Euro in der Eurozone bietet T2S europäischen Banken mögliche Kapitaleinsparungen von 11 Prozent/ Verringerte Verwahrungsrisiken und die erhöhte Mobilität von Sicherheiten (Collateral) erweisen sich als weitere Vorteile von T2S/ Kapitaleffizienz als weiterer guter Grund, die Umstellung auf T2S frühzeitig anzugehen

Nach Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird die Erfüllung der Eigenkapitalanforderungen von Basel III, die die Sicherheit von Banken steigern sollen, in der Eurozone zu einem Kapitaldefizit von 295 Milliarden Euro führen. TARGET2-Securities (T2S) könnte den Banken dabei helfen, dieses Defizit um 11 Prozent bzw. 33 Milliarden Euro zu reduzieren. Gemäß einer von Clearstream und PricewaterhouseCoopers (PwC) jetzt veröffentlichten Studie würden sich diese Kapitaleinsparungen aus einem verringerten Liquiditätsverbrauch ergeben. Als zusätzliche Vorteile von T2S identifiziert die Studie ein verringertes Risiko in der Verwahrkette und eine größere Mobilität von Sicherheiten (Collateral).

Dadurch lassen sich weitere neue regulatorische Anforderungen erfüllen, die den Finanzdienstleistungssektor sicherer machen sollen. Diese Vorteile würden sich zusätzlich zu den Effizienzgewinnen und Kosteneinsparungen ergeben, die aufgrund der geringeren Abwicklungsgebühren und harmonisierten Nachhandelsprozesse bei der Einführung von T2S erwartet werden.

Das Potenzial für die Kapitaleinsparungen ergibt sich aus der Möglichkeit, Geldkonten in T2S zu bündeln. Diese Bündelung würde den T2S-Teilnehmern ermöglichen, die Barzahlungsverpflichtungen aus ihrer Abwicklungstätigkeit in allen an T2S teilnehmenden Märkten zu saldieren und zu zentralisieren. Wie Clearstream durch eine Bottom-up-Analyse von mehreren Millionen grenzüberschreitenden Abwicklungen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Italien herausgefunden hat, würde die Bündelung von Barabwicklungen in einem einzigen Konto den Liquiditätsbedarf des Unternehmens in Phasen maximaler Abwicklungsaktivität um durchschnittlich 15 Prozent am Tag reduzieren. Wird dieser Effekt auf die umfangreicheren Abwicklungsvolumen aller Banken in der Eurozone übertragen, ergibt sich für das Tier 1-Kapital (Kernkapital) nach den Vorschriften von Basel III eine geschätzte Einsparung von insgesamt 33 Milliarden Euro. Im Hinblick auf das Kapitaldefizit von fast 300 Milliarden Euro, das die OECD auf Basis der Positionen vom Jahresende 2011 prognostiziert, ist dies ein erheblicher Betrag.

Darüber hinaus dürfte T2S den Depotbanken Möglichkeiten eröffnen, die Risiken für Wertpapierdepots in der Verwahrkette zu reduzieren. Da die Bestimmungen der Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFM-Richtlinie) für die Verwahrstellen und globalen Depotbanken zu neuen Haftungsrisiken aus dem Verlust von Vermögenswerten führen, spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle. Viele Zentralverwahrer (CSDs) haben ihre Absicht angekündigt, direkte Verbindungen zueinander aufzubauen. Auf diese Weise wollen sie den Marktteilnehmern ermöglichen, die Abwicklung und Verwahrung bei einem einzigen CSD oder einer kleinen Gruppe von Anbietern zu zentralisieren. Die Abwicklungseffizienz wird dabei nicht beeinträchtigt und die hohen Infrastrukturkosten, die durch eine Kontoführung bei jedem einzelnen CSD entstehen, werden vermieden. Stattdessen können die Marktteilnehmer ihre Vermögenswerte bei einem an T2S teilnehmenden CSD ihrer Wahl bündeln, der als Investor-CSD fungiert. Indem sie die Vermögenswerte direkt bei dem CSD halten, können die Verwahrstellen und globalen Depotbanken die Haftungsfolgen abmildern, die sich aus der neuen AIFM-Regulierung für ihre Geschäftstätigkeit ergeben.

Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, wird T2S zudem die Mobilisierung von Sicherheiten (Collateral) vorantreiben. T2S reduziert die Fragmentierung und Übersicherung, die derzeit mit den Nachhandelsprozessen verbunden ist. Die Internalisierung der Abwicklung und die Harmonisierung der Bearbeitungszyklen, die T2S an 22 Märkten bietet, werden dabei einen Großteil der Personal- und sonstigen Kosten beseitigen, die durch Schwierigkeiten bei der grenzüberschreitenden Bewegung von Wertpapieren verursacht werden.

Philip Brown, Head of Client Relations Europe and Americas und Vorstandsmitglied von Clearstream, sagte: „Unsere Studie zeigt, dass TARGET2-Securities den Marktteilnehmern dabei helfen kann, ihre Kapitalanforderungen viel besser zu erfüllen und somit eines der Themen anzugehen, das ihnen weiterhin besonders große Sorge bereiten wird. Dies ist ein weiteres Beispiel für die Verbesserungsmöglichkeiten, die T2S bietet, wenn der Markt an einem Strang zieht und dieses Thema angeht. Die mögliche Verringerung der Kapitalanforderungen für T2S-Teilnehmer sollte eines der wichtigsten Argumente sein, sich für dieses T2S zu rüsten, das den Markt letztlich auch robuster machen wird.“

Thorsten Gommel, Partner im Bereich Financial Services Consulting bei PricewaterhouseCoopers in Frankfurt, erläuterte: „Obwohl TARGET2-Securities seit so vielen Jahren vorbereitet wird und praktisch kurz vor der Einführung steht, ist dies die erste Studie, die die Vorteile von T2S für die Banken der Eurozone im Hinblick auf das allgemeine aufsichtsrechtliche Umfeld quantifiziert. Die passende Netzwerkstrategie zu erarbeiten wird den Liquiditätsverbrauch und den Kapitalbedarf erheblich reduzieren.“

TARGET2-Securities (T2S) ist eine zentrale gesamteuropäische Plattform für die grenzüberschreitende Abwicklung von Wertpapieren in Zentralbankgeld. Ihre Einführung ist für Juni 2015 geplant. Basel III, die Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds (Alternative Investment Fund Managers Directive, AIFMD), die Richtlinie über Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW V) und die Verordnung über europäische Marktinfrastrukturen (European Market Infrastructure Regulation, EMIR) sind Beispiele für neue Bestimmungen und Vorschriften, die für Finanzinstitute gelten. Sie zielen darauf ab, diese Institute sicherer zu machen und das systemische Risiko an den Märkten zu reduzieren.

Methodik

Die von Clearstream und PwC durchgeführte Untersuchung der Auswirkungen von T2S auf die Marktteilnehmer umfasste eine Reihe von internen Studien, gestützt auf ausführliche, zielgerichtete Befragungen zahlreicher Marktteilnehmer und eine quantitative Schätzung der Folgen der Basel III-Bestimmungen für die Marktteilnehmer. Die englischsprachige Studie „The 300 billion euro Question: Survey on the Benefits of TARGET2-Securities” von Clearstream und PwC finden Sie auf der Webseite von Clearstream oder PwC.

Über PwC

Unsere Kunden stehen vor vielfältigen Herausforderungen, wollen neue Ideen umsetzen und benötigen fachkundige Beratung. Von uns erwarten sie eine umfassende Unterstützung und praktische Lösungen, die eine maximale Wertschöpfung ermöglichen. Ganz gleich, ob wir für einen „Global Player“, ein Familienunternehmen oder eine öffentliche Institution tätig werden – wir nutzen stets die ganze Bandbreite unseres Potenzials: Erfahrung, Branchenkenntnis, hohe Qualitätsstandards, Engagement für Innovation und die Ressourcen unseres Expertennetzwerks in 158 Ländern. Der Aufbau von Kundenbeziehungen, die auf Vertrauen und Zusammenarbeit basieren, ist für uns besonders wichtig: Je besser wir ihre Bedürfnisse kennen und verstehen, desto effektiver können wir unsere Kunden unterstützen.

PwC. 9.300 engagierte Mitarbeiter an 28 Standorten. 1,49 Milliarden Euro Umsatz. Das führende Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deutschlands.

Über Clearstream

Clearstream ist der Nachhandelsdiensleister der Gruppe Deutsche Börse.

Als internationaler Zentralverwahrer (International Central Securities Depository, ICSD) mit Hauptsitz in Luxemburg stellt Clearstream die Nachhandelsinfrastruktur für den Eurobond-Markt und Dienstleistungen für Wertpapiere von 53 Inlandsmärkten weltweit bereit. Rund 2.500 Finanzinstitute aus über 110 Ländern bilden die Kundenbasis des Unternehmens. Die Dienstleistungspalette umfasst die Emission, Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren sowie die Bereiche Investment Fund Services und Global Securities Financing. Mit einem verwahrten Vermögen von rund 11,5 Billionen Euro ist Clearstream einer der weltweit größten Abwicklungs- und Verwahrungsdienstleister für in- und ausländische Wertpapiere.

Als Zentralverwahrer (CSD) mit Sitz in Frankfurt stellt Clearstream außerdem die Nachhandelsinfrastruktur für die deutsche Wertpapierbranche bereit und bietet dabei Zugang zu zahlreichen europäischen Märkten.

Weitere Informationen: www.clearstream.com
Medienkontakt Clearstream
Jessica Sicre, +352-243-32238
jessica.sicre@clearstream.com
Medienkontakt PwC
Thomas Meinhardt, +49-(0)69-9585 5433
thomas.meinhardt@de.pwc.com

Media Relations | Gruppe Deutsche Börse
Weitere Informationen:
http://www.clearstream.com
http://www.pwc.de
http://deutsche-boerse.com/INTERNET/MR/mr_presse.nsf/0/5C8FDD12036809C0C1257BDB0030A0D4/$File/Clearstream%20and%20PwC_The-300-billion-q

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte