Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Subjektive Zufriedenheit mit dem Leben und generelle Lebensqualität bei Europäern weiterhin hoch

19.11.2008
Eurofound veröffentlicht erste Ergebnisse ihrer zweiten europaweiten Erhebung zur Lebensqualität

In Allgemeinen sind Europäer mit ihrer Lebensqualität zufrieden, doch finden sich beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, so die zweite europaweite Erhebung zur Lebensqualität (2EQLS - European Quality of Life Survey).

Die Erhebung wurde von Eurofound, einem EU-Gremium mit Sitz in Dublin, durchgeführt und ermöglicht einen einzigartigen und zeitgemäßen Einblick in die Lebensqualität in Europa. Auch stellt sie Politikern und anderen interessierten Gruppen Informationen darüber zur Verfügung, wie Menschen ihre persönliche Lebensqualität einschätzen.

Auf einer von eins bis zehn reichenden Skala beurteilen Europäer ihre Lebensqualität durchschnittlich mit 7 und ihre Lebensfreude mit 7,5. Allerdings zeigen sich insbesondere bei den 12 neuen EU-Mitgliedstaaten große Unterschiede sowohl hinsichtlich des Grads der Lebenszufriedenheit als auch der Lebensfreude. Wie zu erwarten, ergab die Erhebung, dass Menschen mit höherem Einkommen, guter Gesundheit, sicherem Arbeitsplatz und höherem Bildungsniveau zufriedener, glücklicher und erfüllter sind. Des Weiteren äußerten sich Menschen, die gemeinsam mit einem Partner und Kindern lebten, zufriedener mit ihrem Leben.

„Die Unterschiede hinsichtlich Lebensqualität und Ausblick in die Zukunft unterstreichen die beträchtliche Inhomogenität der Lebensbedingungen und des Erlebens des Alltags bei Europäern“, so Jorma Karppinen, Direktor von Eurofound. „Starke Ungleichheiten hinsichtlich des subjektiven Wohlbefindens finden sich insbesondere zwischen sozialen sowie demografischen Gruppen in den ehemaligen Ostblockländern. Hierbei handelt es sich um gravierende Nachteile, die mit einem niedrigen Einkommen einhergehen. Auch ist es wahrscheinlicher, dass ältere Menschen angeben, mit ihrer Situation unzufrieden zu sein.“

„Mit der europaweiten Erhebung zur Lebensqualität (European Quality of Life Survey - EQLS) wird ein einzigartiger Versuch unternommen, die Lebensqualität in einer Vielzahl von unterschiedlichen Ländern zu erfassen“, so Vladimír Spidla, EU-Kommissar für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit, in einem Kommentar zur Erhebung und deren Ergebnissen. „Die Erhebung ist eine wichtige Informationsquelle, die die sozial- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen aufzeigt, denen die EU nach zwei Vergrößerungsrunden gegenüber steht.“

Einkommen und Lebensstandard tragen entscheidend zur Lebensqualität bei. Lebensstandard und subjektives Wohlbefinden der Europäer sind eng mit der Wirtschaft des Landes, in dem sie leben, verknüpft. Die Erhebung ergab, dass der Anteil der Menschen, die die größten Deprivationen aufwiesen, d. h. jene, die sich fünf oder sechs elementare Notwendigkeiten nicht leisten konnten, in den 12 neuen EU-Mitgliedsstaaten fünfmal höher lag als in den ehemaligen EU-15-Ländern. In der Gruppe der drei Kandidatenländer liegt die Deprivation sogar zehnmal höher als in den EU-15.

Gesundheit ist ein Grundpfeiler der Lebensqualität bei Europäern. So gaben vier von fünf Europäern (81 %) an, dass gute Gesundheit für ihre Lebensqualität 'sehr wichtig' sei. Insgesamt bewerteten nur 21 % der Menschen ihre Gesundheit als 'sehr gut', während 46 % diese als 'gut' einschätzten. Des Weiteren beschreiben mehr Menschen in den 12 neuen EU-Mitgliedstaaten und den drei Kandidatenländern ihre Gesundheit als 'schlecht oder sehr schlecht'. Dies trifft insbesondere auf Frauen in diesen Ländern zu. Wie zu erwarten, wird mit zunehmendem Alter häufiger über einen schlechten Gesundheitszustand berichtet: in den EU-27 gaben weniger als 2 % der Menschen zwischen 18 und 34 Jahren einen schlechten Gesundheitszustand an, gegenüber 18 % bei den Befragten, die 65 Jahre oder älter waren.

Der Zugang zu Gesundheitsdiensten und deren Qualität gehen als wichtige Faktoren in den Sozialschutz ein. Eine erhebliche Anzahl der Europäer berichte allerdings von Schwierigkeiten beim Zugang zu Gesundheitsdiensten. So gaben zum Beispiel über 25 % der Menschen in den EU-27 Probleme aufgrund einer zu großen Entfernung zu ihrem Arzt oder zum Krankenhaus an, mehr als 38 % müssen auf einen Arzttermin warten und über 27 % fällt es schwer, die mit einem Arztbesuch einhergehenden Kosten zu tragen.

Europäer betrachten Gesundheit und die Qualität der Beziehungen in der Familie üblicherweise als den wichtigsten Aspekt der Lebensqualität. Die Familie steht bei den meisten Menschen an erste Stelle, wenn im Notfall Unterstützung gesucht wird, und dasselbe gilt auch für die Kinder- und Altenbetreuung. Dabei ist allerdings deutlich zu erkennen, dass Männern und Frauen in der Familie unterschiedliche Rollen zukommen. So werden beispielsweise im Haushalt anfallende Aufgaben nicht in gleicher Weise übernommen. Frauen berichten mit größerer Wahrscheinlichkeit, dass sie sich täglich mit Betreuungsaufgaben befassen. Auch widmen sie wesentlich mehr Zeit der Haushaltsführung. In den EU-27 geben Frauen an, 33 Stunden pro Woche für die Betreuung und Ausbildung der Kinder aufzuwenden, gegenüber Männern, die im Durchschnitt mehr als 18 Stunden aufwenden. Frauen verbringen 18 Stunden pro Woche mit Kochen und Hausarbeiten, Männer bringen hierfür im Vergleich 10 Stunden pro Woche auf.

Den Bürgern dazu zu verhelfen, eine gewisse Ausgewogenheit von Familienleben, persönlichen Verpflichtungen und Arbeitsleben zu entwickeln, ist zu einem zentralen Anliegen in der sozialpolitischen Debatte geworden. Noch immer geben fast die Hälfte (48 %) der einer bezahlten Beschäftigung nachgehenden Bürger der EU-27 an, mindestens einige Male im Monat aufgrund ihrer Arbeit zu müde seien, um Arbeiten im Haushalt zu verrichten, während fast jeder Vierte (22 %) äußert, mehrmals in der Woche diesbezüglich zu müde zu sein. Ähnliche, wenn auch geringer Anteile der arbeitenden Bevölkerung geben an, dass es ihnen aufgrund der Zeit, die sie am Arbeitsplatz verbringen, schwer fällt, ihren Aufgaben in der Familie gerecht zu werden: fast ein Drittel (29 %) berichtet, dass dies mindestens mehrere Male im Monat passiert, und bei 11 % ist dies mehrere Male in der Woche der Fall.

Die Erhebung EQLS betrachtet auch die Einschätzung der Qualität von Umwelt und Gesellschaft. Beispielsweise erfasst sie das Vertrauen in andere Menschen und in Institutionen. Aufgefordert auf einer Skala von 1 bis 10 anzugeben, wie sehr sie anderen Menschen Vertrauen schenken, brachten Menschen in den nordischen Ländern und den Niederlanden mit Werten zwischen 6,5 und 7,2 das höchste Maß an Vertrauen zum Ausdruck. Menschen in Zypern brachten mit einem Wert von nur 2,6 das geringste Vertrauen zum Ausdruck, gefolgt von der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien (3,8).

Eurofounds Erhebung zur Lebensqualität in Europa basiert auf über 35,000 persönlichen Befragungen von Menschen im Alter von 18 oder mehr Jahren. Die Feldarbeit wurde im Zeitraum von September 2007 bis Februar 2008 in 31 Ländern durchgeführt: den 27 EU-Mitgliedsstaaten und den drei EU-Kandidatenländern - Kroatien, die ehemalige jugoslawischen Republik Mazedonien und die Türkei - sowie in Norwegen. In 24 Ländern betrug die Stichprobengröße rund 1.000 Befragte. In Frankreich, Italien, Polen und Großbritannien/Nordirland belief sich die Stichprobengröße auf rund 1.500 Befragte, während sie in Deutschland und der Türkei 2.000 betrug. Der gesamte Bericht mit allen deskriptiven Daten wird im März 2009 erscheinen. An diese wird sich die Veröffentlichung einer Reihe von Sekundäranalysen anschließen.

Die Zusammenfassung der 2. europaweiten Erhebung zur Lebensqualität finden Sie unter http://www.eurofound.europa.eu/publications/htmlfiles/ef0852.htm

Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) ist ein dreigeteiltes EU-Gremium, dessen Aufgabe es ist, den wichtigsten Handlungsträgern der Sozialpolitik Untersuchungsergebnisse, Sachkenntnis und Rat aus vergleichender Forschung zur Verfügung zu stellen. Die Stiftung wurde durch die Verordnung EWG Nr. 1365/75 des Rates vom 26. Mai 1975 gegründet und hat ihren Sitz in Dublin (Irland).

Weitere Informationen erhalten Sie von

- Måns Mårtensson, Pressesprecher, unter der E-Mail-Adresse mma@eurofound.europa.eu, oder per Telefon: +353-1-204 3124 bzw. Mobiltelefon +353-876-593 507

- Teresa Renehan, Information Liaison Officer, unter der E-Mail-Adresse: ter@eurofound.europa.eu, oder per Telefon: +353-1-204 2125

Fanny Poun | PRNewswire
Weitere Informationen:
http://www.eurofound.europa.eu
http://www.eurofound.europa.eu/publications/htmlfiles/ef0852.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics