Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie für Schweizer Störfallverordnung - Risiken von Nanomaterialien unter der Lupe

25.02.2013
Nanotechnologie gewinnt in Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Doch der Umgang mit synthetischen Nanomaterialien birgt auch Risiken.

Die Empa erstellte für das Bundesamt für Umwelt (BAFU) eine Studie, um zu klären, ob besondere Regelungen betreffend Human- und Ökotoxizität in die Störfallverordnung des Bundes aufzunehmen sind. Fazit aufgrund des heutigen Wissensstandes: Die Sicherheitsmassnahmen für Chemikalien reichen aktuell auch für synthetische Nanomaterialien aus.

Synthetische Nanomaterialien werden in der Schweiz bereits in verschiedenen Betrieben hergestellt und verarbeitet. Es ist daher unerlässlich, neben den Chancen auch mögliche Risiken für Mensch und Umwelt frühzeitig zu erkennen und, falls erforderlich, entsprechende Schutzmassnahmen zu ergreifen.

Im Rahmen des Aktionsplans des Bundes, Grundlagen für eine sichere Nanotechnologie zu schaffen, evaluierte die Empa, ob aufgrund des Gefahrenpotenzials und verschiedener Störfallszenarien besondere Regelungen in die Störfallverordnung aufgenommen werden müssen. Die Störfallverordnung hat zum Ziel, Bevölkerung und Umwelt vor schwerer Schädigung durch ausserordentliche Ereignisse zu schützen.

Dazu besuchten Forschende der Empa-Abteilungen «Technologie und Gesellschaft» und «Materials Biology Interactions» mehrere Betriebe, die synthetische Nanomaterialien verarbeiten, analysierten Daten aus humantoxikologischen und ökotoxikologischen Studien und stützten ihre Befunde auf eigene Erfahrungen und Experimente im Bereich der Nanotechnologie. Der Bericht «Human- und Ökotoxizität synthetischer Nanomaterialien – Erste Erkenntnisse für die Störfallvorsorge» wurde nun vom BAFU publiziert.

Altbewährtes noch immer ausreichend
Das rund 40-seitige Dokument analysiert verschiedene synthetische Nanomaterialien und fügt die verschiedenen internationalen Richtlinien und Forschungsergebnisse zusammen. In der Schweiz, so ein erstes Ergebnis der Studie, sind die produzierten und verarbeiteten Mengen an synthetischen Nanomaterialien klein. Die bestehenden Sicherheitsmassnahmen aus der chemischen Industrie sind auch für synthetische Nanomaterialien ausreichend und zusätzliche Schutzmassnahmen für Nanomaterialien sind gemäss Bericht nicht notwendig. Risiken bei der Arbeit mit pulverförmigen Nanomaterialien können beispielsweise durch Sicherheitsmassnahmen aus dem Bereich der herkömmlichen Stäube minimiert werden. Zwingend ist allerdings, dass die Hersteller von Nanomaterialien ihrer Pflicht zur Erstellung eines Sicherheitsdatenblattes nachkommen und dort die notwendigen Angaben zur Einstufung der Materialien liefern.
Weitere Forschung ist zwingend nötig
Schliesslich hat das Empa-Team die (akuten) Risiken für Mensch, Tier und Umwelt bei einem Störfall analysiert. Es besteht gemäss ersten Erkenntnissen zurzeit keine Notwendigkeit, spezifische Regelungen für Nanomaterialien in den Bereich Human- und Ökotoxizität in die Störfallverordnung aufzunehmen. Keine Relevanz haben die Einschätzungen der Empa-Forschenden indes für den Arbeitsschutz. Die Störfallverordnung berücksichtigt nämlich nur Personen ausserhalb des Betriebsareals mit einer einmaligen Exposition – chronische Effekte, wie sie etwa durch eine langjährige Exposition am Arbeitsplatz verursacht werden können, sind davon ausgenommen. Die Wissenschaft ist daher weiter gefordert, vor allem, was diese chronischen Risiken angeht. Weitergehende Forschung und vor allem detailliertere Richtlinien und Definitionen zum Thema synthetische Nanomaterialien sind gemäss Bericht unbedingt nötig.

Handlungsbedarf, was mögliche «Nano»-Störfälle betrifft, besteht in der Schweiz zurzeit nicht, so das Fazit des Berichts. Es sei jedoch wichtig, aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Industrie stets im Auge zu behalten und in regelmässigen Abständen zu überprüfen, ob die im erwähnten Bericht gemachten Aussagen noch dem neusten Stand des Wissens entsprechen.

Literaturhinweis
«Human- und Ökotoxizität synthetischer Nanomaterialien – Erste Erkenntnisse für die Störfallvorsorge», Bundesamt für Umwelt BAFU

http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/01697/index.html?lang=de&show_kat=/publikationen

Rémy Nideröst | EMPA
Weitere Informationen:
http://www.empa.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warum der Brennstoffzelle die Luft wegbleibt

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chlamydien: Wie Bakterien das Ruder übernehmen

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sterngeburt in den Winden supermassereicher Schwarzer Löcher

28.03.2017 | Physik Astronomie