Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zum Nachhaltigskeitsreporting zeigt: ehrlich währt am längsten!

16.07.2013
Der Grundsatz "ehrlich währt am längsten!" gilt auch für die Nachhaltigkeitsberichterstattung börsennotierter Unternehmen. Dies ist das Ergebnis einer experimentellen Studie von Wirtschaftsforschern der Universitäten Düsseldorf und Kassel.

Prof. Dr. Rüdiger Hahn von der Uni Kassel und Prof. Dr. Daniel Reimsbach von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf untersuchten dabei die potenziellen Effekte auf den Aktienkurs, wenn ein Unternehmen Rückschläge im Bereich der nachhaltigen Unternehmensführung hinnehmen muss. Konkret stellten sich die Wissenschaftler die Frage, ob nicht-professionelle Investoren sich in diesem Fall gegen ein Investment in die fragliche Firma entscheiden. Die Ergebnisse werden in Kürze in der Fachzeitschrift „Business Strategy and the Environment“ veröffentlicht.

„Wir gingen davon aus, dass negative Nachrichten negative Effekte haben würden“, sagte Hahn. „Doch so einfach ist das nicht.“ Um das Verhalten potenzieller Investoren zu testen, bildeten die Wissenschaftler eine Gruppe aus 143 BWL-Masterstudierenden mit Studienschwerpunkt strategische Unternehmensführung. „Frühere Forschungen haben gezeigt, dass derartige Studierende sich ähnlich verhalten wie gut informierte, nicht-professionelle Kapitalanleger“, erklärte der Wirtschaftsexperte. Den Testpersonen wurden anschließend die Nachhaltigkeitsberichte eines fiktiven börsennotierten Unternehmens vorgelegt sowie der Bericht einer ebenso fiktiven Nichtregierungsorganisation, die auf skandalöse Arbeitsbedingungen bei Zulieferern des Unternehmens hinwies: Kinderarbeit, illegale Arbeitszeiten, fragwürdige Gesundheitsuntersuchungen oder Schwangerschaftstests. Im ersten Testszenario verschwieg das Unternehmen in seinem Nachhaltigkeitsbericht die genannten Vorfälle. Im zweiten Szenario wies das Unternehmen selbst darauf hin und berichtete detailliert über bereits ergriffene Gegenmaßnahmen.

„Werden potenzielle Investoren erst durch Enthüllungen einer NGO auf Mängel bei der Nachhaltigkeit hingewiesen, kann dies zu spürbaren Auswirkungen auf die Kursentwicklung führen“, sagte Hahn. In diesem Fall würden nicht-professionelle Investoren sich auf einen deutlich schlechteren Aktienverlauf für die Zukunft einstellen und ihr Investitionsverhalten anpassen. „Nach den Ergebnissen unserer Studie muss das Unternehmen damit rechnen, dass die Investoren in den darauffolgenden zwei bis vier Jahren einen vier Prozent schlechter Aktienkurs erwarten als ohne die Negativmeldungen“, sagte der Kasseler Wirtschaftsforscher. Kurzfristig rechnen sie mit einem Kursrückgang um drei Prozent.

Dagegen konnten die Wissenschaftler feststellen, dass keine „Bestrafung“ durch die Anleger stattfindet, wenn das Unternehmen aktiv über Verstöße gegen die Grundsätze des nachhaltigen Wirtschaftens berichtet. „In diesem Fall haben wir praktisch keine negativen Effekte auf die Investoren feststellen können“, sagte Hahn. „Ein solches Verhalten einer Aktiengesellschaft wird im Gegenteil als positives Signal aufgefasst.“

Die Ergebnisse der Studie können dazu beitragen, dass eine transparente unternehmenseigene Nachhaltigkeitsberichterstattung gefördert wird und die Offenlegung auch negativer Nachhaltigkeitsaspekte in Zukunft weniger zögerlich geschieht, als es bisher zumeist der Fall ist. „Anstatt entsprechende Ereignisse gänzlich zu verschweigen, kann die gezielte Offenlegung auch als Teil des Risikomanagements verstanden werden“, sagte der Wirtschaftsforscher. Die Resultate der Studie unterstreichen zudem erneut, dass unabhängige Drittparteien wie Nicht-Regierungsorganisationen tatsächlich als "Wachhunde" über unternehmerisches Verhalten fungieren können.

Daniel Reimsbach, Rüdiger Hahn: The effects of negative incidents in sustainability reporting on investors’ judgments - An experimental study of third-party versus self-disclosure in the realm of sustainable development. Business Strategy and the Environment.
doi: 10.1002/bse.1816
http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1002/(ISSN)1099-0836
Info
Prof. Dr. Rüdiger Hahn
Universität Kassel
Tel.: 0561/804-3082
E-Mail: ruediger.hahn@uni-kassel.de
Prof. Dr. Daniel Reimsbach
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Tel.: 0211/81-15146
E-Mail: daniel.reimsbach@hhu.de

Dr. Guido Rijkhoek | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie