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Das soziale Umfeld ist ein Schlüssel zur Kreativität

15.10.2013
Kreativität und Genialität werden allgemein als Eigenschaften des Einzelnen gesehen, aber neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Rolle des sozialen Umfelds hierfür eine ebenso wichtige Rolle spielen könnte.

Teil einer Gruppe zu sein oder nicht bewegt Menschen dazu, sich besonders kreativen Herausforderungen zu stellen, sagt Professor Alex Haslam vom Psychologielehrstuhl der University of Queensland in Australien.

„Die Gruppenzugehörigkeit ist eine Grundlage dafür, dass bestimmte Formen von Originalität angesehen oder zurückgewiesen werden“, so Dr. Haslam, der gemeinsam mit internationalen Kollegen an einem kürzlich im Personality and Social Psychology Review erschienen Artikel gearbeitet hat.

„Unsere Forschungsergebnisse unterstützen das Argument, dass Genies und kreative Menschen zu einem großen Teil Produkte der Gruppen und Gesellschaften sind, in denen sie leben.“

Normalerweise wird davon ausgegangen, dass Genialität und Kreativität Resultate der Persönlichkeit und Gene des Einzelnen sind.

„Wir plädieren für eine Distanzierung von der Vorstellung, dass Kreativität und Genialität ‚fremdartig’ sind,“ sagte Professor Haslam.

Gemeinsam mit Dr. Inma Adarves-Yorno von der University of Exeter sowie Professor Tom Postmes und Dr. Lise Jans von der Universität Groningen in den Niederlanden arbeitete Professor Haslam an dem Artikel - The Collective Origins of Valued Originality: A Social Identity Approach to Creativity (etwa: Der gemeinsame Ursprung geschätzter Originalität – ein sozialwissenschaftlicher Zugang zu Kreativität).

„Was Menschen schaffen und wie sie es schaffen, hängt zu einem Großteil davon ab, was die Menschen in ihrer Umgebung, mit denen sie sich identifizieren, tun,“ so Dr. Adarves-Yorno.

Dieses Argument wird durch eine Reihe von experimentellen Studien bekräftigt, die das Team im letzten Jahrzehnt durchgeführt hat und die in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht wurden.

Die Studie untersucht, wie kreative Köpfe oft als Einzelgänger dargestellt werden, die, sobald sie vom Gruppenzwang befreit sind, allen Konventionen widersprechen.

„Dieses Bild ist durch die mittlerweile berühmte Rede von Steve Jobs an Stanford-Absolventen im Jahr 2005 geprägt, in der er seine Zuhörer anweist:‚Hüten Sie sich vor Dogmen, denn das heißt nichts anderes, als sein Leben an den Ansichten anderer Leute auszurichten’,“ sagt Dr. Haslam.

Die Forscher hingegen argumentieren, dass bei einer zu starken Ausrichtung an der Vorstellung des ‚Ausbrechens’ der Blick dafür verloren geht, was Kreativität wirklich ausmacht.

Dr. Postmes meint, dass selbst, wenn jemand ‚auszubrechen’ versuche, die Art und Weise, wie er dies tut, von der Gruppe bestimmt werde.

„Die Sex Pistols beispielsweise bauten ihre Kreativität darauf auf, Konventionen zu brechen und Altbewährtes in Frage zu stellen,“ so Dr. Postmes.

„Allerdings macht Punk nur im Zusammenhang mit dem Sinn, wovon er sich distanzieren will. Man kann die Kreativität des Punk nicht ohne Bezug zu etabliertem Denken verstehen.“

Die Rolle der Gruppe oder Gemeinschaft besteht auch darin, ein Publikum für Kreativität zu sein und das Umfeld zu bilden, in dem Kreativität sich entfalten kann, argumentieren die Forscher.

Kreativität findet nicht in einem sozialen oder kulturellen Vakuum statt, so Professor Haslam.

„Manch einer mag vielleicht sagen, wir bräuchten Kunst nicht zu fördern oder in Universitäten zu investieren, da es ohnehin immer eine Handvoll außergewöhnlich kreativer Menschen geben werde, die gute Ideen entwickeln, wenn diese gebraucht werden.“

„Aber unsere Forschung zeigt, dass man nicht davon ausgehen kann, dass Kreativität einfach aus dem Nichts entsteht.“

„Künstler, Schriftsteller und Naturwissenschaftler schaffen ihre kreativsten Arbeiten oft dann, wenn sie mit einem oder mehreren anderen zusammenarbeiten – mit gleichgesinnten Freunden, Kollegen oder Altersgenossen.“

Dr. Adarves-Yorno sagt, die Forschungsergebnisse zeigen, dass es die Akzeptanz oder Ablehnung durch die Gruppe ist, die den ultimativen Wert der Kreativität bestimmt.

„Damit die Kreativität eines Einzelnen entstehen und die Welt verändern kann, muss sie von anderen auch begeistert aufgenommen werden.“

„Man benötigt die verschiedensten Formen von Institutionen um die Ergebnisse zu würdigen, die kreative Köpfe erzielen.“

Professor Hanslam wirft die Frage auf, ob Mozart auch Symphonien schreiben würde, wenn er in der heutigen Zeit leben würde.

„Das ist unwahrscheinlich, und ohne eine finanziell gut ausgestattete und öffentlich angesehene Gruppe von klassischen Musikern um ihn zu unterstützen und zu fördern, ist es wohl wahrscheinlicher, dass er heute Musik für Waschmittelwerbung komponieren würde, meint Dr. Hanslam.“

Eine wichtige Erkenntnis der Studie sei, dass die Gesellschaft in Gruppen investieren müsse, die bestimmte Formen von Kreativität erst ermöglichen, um das Beste aus kreativen Menschen herauszuholen.

„Selbst Steve Jobs brauchte eine Gruppe von Menschen, die seine Ideen ernst nahmen und entstehen ließen“, so Professor Hanslam.

„Denn gerade aus dem Grund, dass Menschen nicht durch die Dogmen der Denkweisen Anderer gefangen sein wollten, wurde Jobs Idee des PCs zunächst als Irrsinn abgestempelt.“

Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund Pressestelle
Friedrichstr. 95
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Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593
oder
Professor Alex Haslam
The University of Queensland
Tel.: +61 7 3346 7345
Email: a.haslam@uq.edu.au
Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist das gemeinnützige Auslandsorganisation aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Europa, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

Sabine Ranke-Heinemann | idw
Weitere Informationen:
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